Präpositionen, die manchmal zu Adverbien werden: unter, über, bis zu

Frage

Ich habe eine Frage zum Fall nach „unter“. Es heißt „Betriebe mit unter zehn Mitarbeitern“. Sagt man auch „Betriebe, die unter zehn Mitarbeitern beschäftigen“ oder ist „Betriebe, die unter zehn Mitarbeiter beschäftigen“ richtig? […]

Antwort

Guten Tag Frau T.,

heißt es unter zehn Mitarbeitern oder unter zehn Mitarbeiter? Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten.

Wenn unter vor einer Zahlenangabe steht, hat es oft keinen Einfluss auf den Fall des nachfolgenden Wortes. Das ist dann der Fall, wenn unter durch weniger als ersetzt oder weggelassen werden kann. Man verwendet unter dann nicht als Präposition, die einen bestimmten Fall verlangt, sondern als Adverbialbestimmung.

Die Kinder sind unter sechs Jahre alt
Kinder von unter sechs Jahren

Nach unter steht dann der gleiche Fall, wie wenn unter weggelassen oder durch weniger als ersetzt wird:

Die Kinder sind [weniger als] sechs Jahre alt
Kinder von [weniger als] sechs Jahren

Das gilt auch für Ihr Beispiel. Auch hier ist unter eine Adverbialbestimmung und deshalb steht einmal der Dativ (abhängig von mit) und einmal der Akkusativ (Akkusativobjekt zu beschäftigen):

Betriebe mit unter zehn Mitarbeitern
Betriebe, die unter zehn Mitarbeiter beschäftigen

Betriebe mit [weniger] als zehn Mitarbeitern
Betriebe, die [weniger als] zehn Mitarbeiter beschäftigen

Das Gleiche gilt übrigens auch für über und bis zu vor Zahlenangaben. Wenn sie durch eine andere Adverbialbestimmung ersetzt oder weggelassen werden können, haben sie keinen Einfluss auf den Kasus.

über:

Diese Städte haben über 100 000 Einwohner
Städte mit über 100 000 Einwohnern

Diese Städte haben [mehr als] 100 000 Einwohner
Städte mit [mehr als] 100 000 Einwohnern

bis zu:

Es kann bis zu einen Monat dauern
Es ist mit Wartezeiten von bis zu einem Monat zu rechnen

Es kann [maximal] einen Monat dauern
Es ist mit Wartezeiten von [höchstens] einem Monat zu rechnen

Wir haben es hier mit Präpositionen zu tun, die zu Adverbien werden können. Mehr dazu finden Sie hier, hier und hier. Und hier steht, dass auch zwischen sich manchmal ganz ähnlich verhält. Kleine Wörtchen können für großen Erklärungsaufwand sorgen, wenn man genauer wissen möchte, wie sie sich verhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Auch politisch bleiben „links“ und „rechts“ klein

So bestimmt lässt sich das allerdings nur sagen, wenn mit klein die Kleinschreibung gemeint ist.

Frage

Ich frage mich nun schon länger, ob man im politischen Kontext die politischen Koordinaten „links“ und „rechts“ auch großschreiben kann. Wenn ich recht sehe, wäre dieses Beispiel eindeutig in der Kleinschreibung:

Die Gesellschaft rückt nach rechts.

Doch was ist mit solchen Formulierungen:

Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Kann man dann auch großschreiben?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die Adverbien links und rechts werden immer kleingeschrieben. Das gilt auch dann, wenn sie gewisse Merkmale eines Substantivs haben:

Er kann rechts und links nicht auseinanderhalten.
Der Wagen kam von rechts.
An dieser Kreuzung gilt rechts vor links.
Dort musst du nach rechts abbiegen.
Die schwarze Katze lief von links nach rechts über die Straße.
Sie schreibt mit links.

Auch im politischen Sinne sollten links und rechts kleingeschrieben werden:

Nach jeder Wahl wechselten links und rechts einander ab.
Die Gefahr kommt von rechts.
der Kampf gegen links
Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Ob räumlich oder politisch gemeint, rechts und links schreibt man im Prinzip klein. – Nur mit einem Artikelwort drängt sich die Großschreibung dann doch auf:

Du weißt schon, dass dein Rechts mein Links ist?
Meinst du dein Rechts oder mein Rechts?!

Aber auch dann würde ich eher die Kleinschreibung in Anführungszeichen wählen:

Du weißt schon, dass dein „rechts“ mein „links“ ist?
Meinst du dein „rechts“ oder mein „rechts“?!

Doch wenn es um Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit rechts und links geht, ist es meist keine gute Idee, zusätzlich die Groß- und Kleinschreibung herbeizuziehen. Das Konfliktpotenzial ist auch ohne die Rechtschreibung groß genug – beim Autofahren wie in der Politik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Die leere Stelle in der Tabelle: der Dativ von „was?“

Heute geht es um eine Frage, die mir nicht schriftlich gestellt wurde. Wie fragt man nach einem Dativobjekt, das keine Person ist? Konkret wollte man wissen, wie man nach einer Sache fragen kann, der eine andere Sache entspricht. Zum Beispiel:

Ihre Aussage entspricht den Tatsachen.

Wie kann man nach dem Dativ den Tatsachen fragen?

Relativ einfach ist die Antwort auf die Frage, wie man nicht fragen kann: nicht mit wem, das nur für Personen verwendet werden kann, aber erstaunlicherweise auch nicht mit was:

nicht: *Wem entspricht Ihre Aussage?
nicht: *Was entspricht Ihre Aussage?

Standardsprachlich bleibt hier nur das oft etwas unbeholfen klingende welcher Sache oder eine andere Formulierung:

Welcher Sache entspricht Ihre Aussage?
Womit stimmt Ihre Aussage überein?

Ebenso zum Beispiel:

Zucker schadet den Zähnen.
nicht: Was schadet Zucker?
sondern z. B.: Wofür ist Zucker schädlich?

Ich stimme deinem Vorschlag zu.
nicht: Was stimme ich zu?
sondern z. B.: Womit bin ich einverstanden?

Sie näherten sich langsam dem Eingang der Höhle.
nicht: Was näherten sie sich langsam?
sondern z. B.: Welchem Ort näherten sie sich langsam?

Es gibt bei den Fragewörtern wer und was eine Leerstelle in der Tabelle:

Person Nichtperson
Nominativ  wer was
Akkusativ wen was
Dativ wem
Genitiv wessen  wessen

Das „Loch“ beim Dativ von Nichtpersonen entspricht allerdings nicht wirklich gähnender Leere. Umgangssprachlich wird nämlich häufig doch was verwendet, vor allem wenn ein Präposition den Dativ verlangt. Standardsprachlich sollten allerdings die Fragewörter der Form wo[r]- stehen:

Mit was stimmt Ihre Aussage überein?
Von was redest du?
Um was handelt es sich?

Um entrüsteten Kommentaren vorzubeugen (welcher Sache vorzubeugen? / was zu verhindern?), möchte ich nochmals betonen, dass hier standardsprachlich mit wo[r]- formuliert werden sollte:

Womit stimmt Ihre Aussage überein?
Wovon redest du?
Worum handelt es sich?

Die leere Stelle in der Tabelle gibt es also vor allem in der Standardsprache. Die Umgangssprache stört sich weniger an solchen „Inkonsequenzen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Infinitivgruppe nach Doppelpunkt mit oder ohne „zu“? – Hauptsache: nicht lange darüber [zu] grübeln

Frage

Die folgende Frage habe ich in unserer Übersetzungsgruppe gestellt: Würdet ihr hier „respektieren“ oder „zu respektieren“ bevorzugen?

Die wichtigste Geste: Anderen zeigen, dass wir sie respektieren.

Die Meinungen waren geteilt. Nur drei Mitglieder der Gruppe stimmten für eine Änderung mit „zu zeigen“. Zu denen zähle ich auch. […] Gibt es da eine Regel, die ich nicht finde?

Antwort

Guten Tag Frau W.,

es geht hier wieder einmal um einen Fall, bei dem Sie die Qual oder, meiner Meinung nach, den Luxus der Wahl haben. Die Formulierung ist nämlich mit und ohne zu korrekt. Mit Doppelpunkt würde ich persönlich die Variante ohne zu wählen:

Die wichtigste Geste: anderen zeigen, dass wir sie schätzen

Die Formulierung mit zu, die Sie bevorzugen, ist aber ebenfalls möglich:

Die wichtigste Geste: anderen zu zeigen, dass wir sie schätzen

Hier noch eine anderes Beispiel:

Die einzige Möglichkeit für ihn: ein neues Auto kaufen
Die einzige Möglichkeit für ihn: ein neues Auto zu kaufen

Eine feste Regel gibt es nicht. Man kann die Infinitivgruppe nach dem Doppelpunkt nämlich in dreierlei Weise interpretieren:

a) als eigenständige Infinitivgruppe (ohne „zu)

anderen zeigen, dass wir sie respektieren
ein neues Auto kaufen

b) als Subjekt (mit oder ohne „zu“):

Anderen [zu] zeigen, dass wir sie schätzen, ist die wichtigste Geste
Ein neues Auto [zu] kaufen, ist die einzige Möglichkeit.

c) als Prädikativ (mit „zu“):

Die wichtigste Geste ist, anderen zu zeigen, dass wir sie respektieren.
Die einzige Möglichkeit ist, ein neues Auto zu kaufen.

Deshalb kann hier nach dem Doppelpunkt mit und ohne zu formuliert werden. Das Wichtigste: nicht lange darüber [zu] grübeln.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Erzählen von und erzählen über

Frage

Mich würde interessieren, was der Unterschied zwischen „erzählen von“ und „erzählen über“ ist bzw. ob es einen gibt? Ich kann ihn nicht greifen, empfinde aber in manchen Situationen „von“ als „richtiger“.

Antwort

Guten Tag Frau U.,

es gibt keinen klaren Unterschied zwischen erzählen von und erzählen über, die beiden Formulierungen bedeuten dennoch nicht ganz dasselbe. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb diese Frage immer wieder gestellt wird. Es ist auch nicht gerade einfach, den Unterschied in Worte zu fassen. Ich versuche es trotzdem einmal:

Mit erzählen von wird allgemein angegeben, was das Thema der Erzählung ist. Mit erzählen über wird angegeben, welches Thema genauer behandelt wird.

Wir erzählen von den Ferien = Die Ferien sind das Thema.
Wir erzählen über die Ferien = Wir erläutern genauer, wie die Ferien waren.

Flüchtlinge erzählen von ihrer Flucht = Das Thema der Erzählung der Flüchtlinge ist ihre Flucht.
Flüchtlinge erzählen über ihre Flucht = Die Flüchtlinge beschreiben ihre Flucht.

Der Unterschied ist sehr subtil. Es ist kaum möglich, hier eine genaue Grenze zu ziehen. Deshalb können die beiden Formulierungen häufig ohne größeren Bedeutungsunterschied gegeneinander ausgetauscht werden.

In ähnlicher Weise gilt dies auch für andere Verben der Mitteilung wie zum Beispiel reden von/über und sprechen von/über:

Er redet oft von seinen Enkelkindern = Sein Thema sind oft die Enkelkinder
Er redet oft über seine Enkelkinder = Er beschreibt oft, was seine Enkelkinder tun

Die Regierung spricht von einer besorgniserregenden Situation = Die Regierung sagt, dass eine Situation besorgnisserregend ist
Die Regierung spricht über eine besorgniserregende Situattion = Die Regierung erläutert eine besorgniserregende Situation

Beim letzten Beispiel überlasse es Ihnen, den feinen Unterschied zu ergründen. Romantisch (oder je nach den gesanglichen und dichterischen Qualitäten des Barden auch kitschig) ist es auf jeden Fall!

Der Barde singt von der Liebe
Der Barde singt über die Liebe

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Was für ein Konjunktiv in „Wer hätte denn ahnen können“?

Frage

Ich hätte eine Frage zu folgendem Satz, genauer zum Tempus/Modus. Ist beides korrekt? Um was für eine Art Satz handelt es sich denn hier?

Wer hätte den ahnen können, dass es nur einen Tag dauern wird, bis es ums Wesentliche geht?

oder

Wer hätte den ahnen können, dass es nur einen Tag dauern würde, bis es ums Wesentliche gehen würde?

Ich bin unsicher, da der Hauptsatz im Konjunktiv II steht.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

beides ist korrekt, aber es gibt einen kleinen Unterschied. Welche Formulierung Sie wählen, hängt davon ab, ob es:

a) zum Sprechzeitpunkt noch ums Wesentliche gehen wird (Zukunft: Futur/Präsens) :

Wer hätte denn ahnen können, dass es nur einen Tag dauern wird, bis es ums Grundsätzliche geht?

b) zum Sprechzeitpunkt bereits ums Wesentliche gegangen ist (Zukunft in der Vergangenheit: würde-Form):

Wer hätte denn ahnen können, dass es nur einen Tag dauern würde, bis es ums Wesentliche gehen würde?

Der ganze Satz ist kein Konditionalgefüge o. Ä. Ob in den Nebensätzen der Indikativ oder die würde-Formen stehen, hat nichts mit dem Konjunktiv II im Hauptsatz zu tun. Vgl. eine ähnliche Konstruktion, in der der Hauptsatz im Indikativ steht:

Er hat gesagt, dass es nur einen Tag dauern wird, bis es ums Wesentliche geht (Zukunft)

Er sagte, dass es nur einen Tag dauern würde, bis es ums Wesentliche gehen würde (Zukunft in der Vergangenheit)

Warum steht dann der Hauptsatz im Konjunktiv II? Man kann ihn am besten als irreale Modalverbkonstruktion interpretieren:

Wer hätte das denn ahnen können = ahnen müssen/sollen
Wer hätte denn ahnen können, dass …

Es ist also ein Satz, der mit Sätzen wie diesen vergleichbar ist:

Das hättest du nicht tun sollen
Hättet ihr nicht besser aufpassen können?
Das hätte nicht geschehen dürfen

So weit der Versuch einer Erklärung. Und nun folgt noch das große Aber: Wie meistens, wenn es im Deutschen um den Konjunktiv geht, wird nicht immer so und nicht immer mit genau dieser Bedeutungsdifferenzierung formuliert. Unverrückbare allgemeingültige Regeln zur Verwendung des Konjunktivs und der würde-Formen gibt es – je nachdem wie streng man sein will – nicht oder kaum.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (2)

15 ml Wasser in 15-ml-Becher – Bindestriche oder nicht?

Frage

Leider ist mir das Setzen von Bindestrichen zwischen Zahlen, Maßangaben und einem Substantiv immer noch nicht ganz klar. Zum Beispiel: „für 15 ml Becher“ oder „für 15-ml-Becher“? Man schreibt ja auch z. B. „für eine 12-V-Batterie“? Woher weiß ich, wann der Bindestrich als Verbindung gesetzt werden muss oder eben nicht? […] Leider habe ich oft den Eindruck, dass er in diesem Zusammenhang recht willkürlich verwendet oder weggelassen wird, gerade bei Werbetexten und Produktbeschreibungen.

Antwort

Guten Tag Frau K.,

es ist eigentlich recht einfach. Ich musste aber bald feststellen, dass es gar nicht so einfach ist, eine gute Erklärung zu finden.

Bei Maß- und Mengenangaben stehen zwischen Zahl, Maßeinheit und dem Gemessenen keine Bindestriche:

15 ml Wasser
12 Volt Spannung
7 Meter Stoff
10 Stück Würfelzucker
10 Euro Eintrittskosten

Man verwendet dann Bindestriche, wenn die Zahl und Maßeinheit nicht vor dem eigentlichen Gemessenen, sondern vor einem Substantiv stehen, das eine bestimmte Eigenschaft hat, die gemessen werden kann [Diese Erklärung ist ziemlich vage, aber ich finde leider keine bessere, die nicht viel, viel länger ist – Hilfreicher ist vielleicht die weiter unten stehende Hilfsfrage]:

ein 15-ml-Becher = ein Becher mit 15 ml Inhalt
eine 12-V-Batterie = eine Batterie mit 12 V Spannung
ein 100-m-Lauf = ein Lauf mit 100 m Länge
eine 10-Stück-Packung* = eine Packung mit einem Inhalt von 10 Stück
ein 50-Euro-Schein = ein Schein mit einem Wert von 50 Euro
* üblicher: eine Zehnerpackung

Wenn Sie einmal zweifeln, hilft vielleicht diese Hilfsregel: Wenn man mit wie viel fragen kann, schreibt man keine Bindestriche:

15 ml Wasser – wie viel Wasser?
12 Volt Spannung – wie viel Spannung?
7 Meter Stoff – wie viel Stoff?
10 Stück Würfelzucker – wie viel Würfelzucker?

Aber mit Bindestrichen:

ein 15-ml-Becher – nicht wie viel Becher?
eine 12-V-Batterie – nicht wie viel Batterie?
ein 100-m-Lauf – nicht wie viel Lauf?
eine 10-Stück-Packung – nicht wie viel Packung?

Eine gute Frage, aber leider nicht gerade eine 125.000-Euro-Antwort. Ich hoffe dennoch, dass die Hilfsfrage wie viel? hier in vielen Zweifelsfällen weiterhelfen kann.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Wenn alles in Worten geschrieben wird, ist statt der Schreibung mit Bindestrichen häufig auch die Zusammenschreibung möglich:

12-V-Batterie / 12-Volt-Batterie / Zwölfvoltbatterie
100-m-Lauf / 100-Meter-Lauf / Hundertmeterlauf
50-€-Schein / 50-Euro-Schein / Fünfzigeuroschein

Kommentare

Was „nicht nur – sondern auch“ alles verbinden kann

Frage

Welche Sätze sind richtig? Alle? Und warum? Die Satzstruktur von zweiteiligen Konnektoren wird nirgends mit trennbaren Verben erklärt.

  1. Stress hängt nicht nur von äußeren, sondern auch von inneren Faktoren ab.
  2. Stress hängt nicht nur von äußeren Faktoren, sondern auch von inneren (Faktoren) ab.
  3. Stress hängt nicht nur von äußeren Faktoren ab, sondern auch von inneren (Faktoren).

Alle Varianten tönen korrekt, aber wie erklärt man das jemandem richtig? Welche Regel liegt zugrunde? […]

Antwort

Guten Tag Frau L.,

mit der mehrteiligen Konjunktion nicht nur – sondern auch können nicht nur Sätze, sondern auch Wortgruppen und Wörter miteinander verbunden werden. Das lässt sich anhand Ihrer Beispielsätze gut zeigen:

Im ersten Satz werden von äußeren und von inneren miteinander verbunden:

nicht nur von äußeren, sondern auch von inneren
Stress hängt nicht nur von äußeren, sondern auch von inneren Faktoren ab.

Vgl. die gleiche Formulierung mit der einfachen Konjunktion und:

von äußeren und von inneren
Stress hängt von äußeren und von inneren Faktoren ab.

Im zweiten Satz werden von äußeren Faktoren und von inneren (Faktoren) miteinander verbunden:

nicht nur von äußeren Faktoren, sondern auch von inneren (Faktoren)
Stress hängt nicht nur von äußeren Faktoren, sondern auch von inneren (Faktoren) ab.

Vgl. die gleiche Formulierung mit der einfachen Konjunktion und:

von äußeren Faktoren und von inneren (Faktoren)
Stress hängt von äußeren Faktoren und von inneren (Faktoren) ab.

Im dritten Satz werden zwei Sätze miteinander verbunden, von denen der zweite nur unvollständig realisiert wird, das heißt, identische Teile des Satzes werden nicht wiederholt:

Stress hängt nicht nur von äußeren Faktoren ab, sondern [Stress hängt] auch von inneren (Faktoren) [ab]
Stress hängt nicht nur von äußeren Faktoren ab, sondern auch von inneren (Faktoren).

Beim dritten Satz ist aber auch eine anderer Analyse möglich:

Im dritten Satz werden wie im zweiten Satz von äußeren Faktoren und von inneren (Faktoren) miteinander verbunden. Dabei wird das zweite Element der Aufzählung aber ins sogenannte Nachfeld ausgelagert, das heißt, es wird hinter ab gestellt:

nicht von äußeren Faktoren, sondern auch von inneren (Faktoren)
Stress hängt nicht nur von äußeren Faktoren ab, sondern auch von inneren (Faktoren)

Alle Formulierungen sind korrekt. Sie unterscheiden sich dadurch, dass nicht nur – sondern auch unterschiedliche Satzelemente miteinander verbindet. Der Vollständigkeiten halber noch ein Beispiel, in dem es zwei einzelne Wörter verbindet:

Mit nicht nur freundlichen, sondern auch sonnigen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Von Hannoveranern, Frankfurtern, Persern und Weimar(an)ern

Frage

[…] Ich möchte meine Frage an Sie auf die von Ortsbezeichnungen abgeleiteten Namen der Bewohner zuspitzen. Oft genügt das Suffix „er“ zur Ableitung des Einwohnernamens. Es gibt aber auch Namensbildungen, bei denen die Ableitung mit „er“ zungenbrecherisch wirkt und keine geschmeidige Aussprache zulässt. Der Münsterer, der Jeverer, der Hanoverer, der Kasseler und auch der Weimarer – und selbstverständlich auch die Weimarerin – klingen nun wirklich nicht besonders gut. So hat man schon in alten Zeiten Münsteraner, Jeveraner, Kasselaner und selbstverständlich auch Weimaraner als Bezeichnung für die Einwohner verwendet.

Dass „Hannoveraner“ auch eine Pferderasse ist, stört offenbar niemanden; aber in Weimar will man seit geraumer Zeit den traditionellen Einwohnernamen Weimaraner nicht mehr gelten lassen, weil hier Ende des 19. Jahrhunderts eine Hunderasse – ein Vorstehhund – gezüchtet worden ist, der man den Namen „Weimaraner“ gegeben hat. Deswegen verkünden seit einiger Zeit übereifrige „Sprachhüter“ die Auffassung, man müsse Weimarer sagen, um nicht mit dem Hund verwechselt zu werden. In der Presse findet man lediglich noch die Schreibweise Weimarer für die Einwohner von Weimar. Und die Stadtführer getrauen es sich auch nicht mehr, Weimaraner zu sagen, weil sie angeblich von den Touristen nicht verstanden werden. Was sagt der Linguist zu dieser […] Meinung? […]

Antwort

Guten Tag Herr W.,

es gibt bei der Bildung von Einwohnernamen keine festen Regen. Deshalb gilt: Richtig ist, was üblich ist.

Üblich scheint heutzutage vor allem (oder fast nur noch?) Weimarer zu sein. Da ich aus einer ganz anderen Gegend komme und leider noch nie auch nur in der Nähe von Weimar gewesen bin, kenne ich das Wort vor allem als Adjektiv in Weimarer Republik. Das heißt aber nicht, dass Weimaraner falsch ist. Es ist nur nicht mehr so gebräuchlich.

Das Argument, Weimaraner sei falsch, weil dieses Wort eine Hunderasse bezeichne und deshalb nicht auch Einwohnername sein könne, ist nicht sehr schlagkräftig. Schließlich sind nicht alle Rottweiler Hunde, nicht alle Hannoveraner Pferde, nicht alle Berliner Pfannkuchen, nicht alle Frankfurter Würstchen und nicht alle Perser Teppiche. Dass eine Einwohnerbezeichnung auch für etwas anderes verwendet wird, schließt also keineswegs aus, dass sie weiterhin auch als Einwohnerbezeichnung dienen kann.

Das gilt auch dann, wenn es für einen Ort mehr als nur eine Einwohnerbezeichnung gibt. So gibt es den Steinhäger, einen Wachholderschnaps, der aus Steinhagen kommt, einem Ort, in dem Steinhagener und Steinhagenerinnen oder eben Steinhäger und Steinhägerinnen wohnen.

Kurzum, in Weimar wohnen Weimaraner und Weimaranerinnen, die heutzutage allerdings meistens Weimarer und Weimarerinnen genannt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Komma nach eigenem Gutdünken, zum Beispiel(,) wenn es um „zum Beispiel“ geht

Frage

Braucht es ein Komma nach „zum Beispiel“, wenn anschließend ein Nebensatz folgt, oder darf es weggelassen werden? Beispiele:

Du wirst noch viel mehr lernen (zum Beispiel wie man schriftliche Arbeiten am Computer verfasst).
Würdige auch „kleine Erfolge“, z. B. dass sich eine Note verbessert hat.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

die Antwort kann hier ganz kurz ausfallen: Wenn zum Beispiel, z. B. oder beispielsweise einen Nebensatz anschließen, kann nach ihnen ein Komma stehen, es wird aber häufig nicht gesetzt. Beides ist korrekt:

Ohne Komma:

Du wirst noch viel mehr lernen (zum Beispiel wie man schriftliche Arbeiten am Computer verfasst).
Würdige auch „kleine Erfolge“, z. B. dass sich eine Note verbessert hat.
Das kann zu Problemen führen, beispielsweise wenn mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten.

Mit Komma:

Du wirst noch viel mehr lernen (zum Beispiel, wie man schriftliche Arbeiten am Computer verfasst).
Würdige auch „kleine Erfolge“, z. B., dass sich eine Note verbessert hat.
Das kann zu Problemen führen, beispielsweise, wenn mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten.

Vgl. die Angaben zur Rechtschreibung von Beispiel und beispielsweise in Canoonet.

Auch bei der Kommasetzung hat man also manchmal eine Wahl, zum Beispiel(,) wenn es um zum Beispiel geht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare