Wird vor sich hingesummt oder vor sich hin gesummt?

Frage

Ich habe bei meiner Recherche zum folgenden Thema keine Antwort […] gefunden: das leidige „vor sich hin+Verb“.

Sie hat vor sich hin gesummt vs. Sie hat vor sich hingesummt

oder

während sie vor sich hinlächelt vs. während sie vor sich hin lächelt

Sowohl die Zusammen- als auch die Getrenntschreibung sind mir schon untergekommen. […] Was ist in solch einem Fall die korrekte Variante?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

wenn die Verbindung vor sich hin die Bedeutung ganz für sich [und wiederholt] hat, ist es üblich, hin vom Verb getrennt zu schreiben:

vor sich hin reden
vor sich hin jammern
weil ich manchmal einfach vor mich hin pfeife
Sie hat nur noch vor sich hin gejammert.
Hör auf, vor dich hin zu starren!

Für Ihre Beispiele bedeutet dies:

Sie hat vor sich ihn gesummt
während sie vor sich hin lächelt

Wenn vor sich hin diese Bedeutung hat, ist es eine eigenständige adverbiale Wendung (Frage: wie?), die üblicherweise nicht mit dem Verb zusammengeschrieben wird.

Man schreibt aber dann zusammen, wenn vor sich hin eine räumliche Bedeutung hat (wohin?):

etwas vor sich hinlegen
Ich habe den Koffer vor mich hingestellt
Wage es nicht, es einfach vor dich hinzuschmeißen!

Ich hoffe, dass Sie nicht allzu lange vor sich hin sinniert haben (für dieses etwas forcierte Wortspiel bitte ich um Verzeihung) und dass Sie nun besser verstehen, wie mit vor sich hin und einem Verb umzugehen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Informati-onen oder Informatio-nen?

Frage

Ich bin etwas verunsichert bezüglich der Silbentrennung des Worts „Informationen“. Die Singularform „Information“ ist mir klar: „In-for-ma-ti-on“. Wie steht es um die Pluralform? Ist „In-for-ma-ti-on-en“ korrekt oder „In-for-ma-tio-nen“?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

bei Mehrzahlformen auf -ionen kann sowohl nach dem i als auch nach dem o getrennt werden (vgl. amtl. Rechtschreibregelung, § 107):

a) Informati-onen
b) Informatio-nen

Wenn Sie alle möglichen Trennstellen angeben möchten, sieht das also so aus:

c) In-for-ma-ti-o-nen

Das gilt auch bei anderen Wörtern, bei denen ein paar Vokale innerhalb eines Wortes aufeinandertreffen. Man trennt dann (ungefähr) so, wie man die Wörter bei langsamem Vorlesen in Silben zerlegen kann**. Hier noch weitere Beispiele:

a) sozi-ale
b) sozia-le
c) so-zi-a-le

a) europä-ische
b) europäi-sche
c) eu-ro-pä-i-sche

a) na-iver
b) nai-ver
c) na-i-ver

a) Ma-ori
b) Mao-ri
c) Ma-o-ri

a) Mete-ore
b) Meteo-re
c) Me-te-o-re

a) Individu-alität
b) Individua-lität
c) In-di-vi-du-a-li-tät

a) Bedui-ne
b) Bedu-ine
c) Be-du-i-ne

Bis hier sind alle Beispiele Fremdwörter, doch auch bei einigen einheimischen Wörtern kommt diese Trennstellenvielfalt vor. Zum Beispiel:

a) Bäue-rin
b) Bäu-erin
c) Bäu-e-rin

a) treu-ere
b) treue-re
c) treu-e-re

a) frei-ere
b) freie-re
c) frei-e-re

Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert. Ins Zögern gerät man wohl deshalb, weil einige Trennstellen (zum Beispiel sozia-le, europäi-sche, nai-ver) recht gewöhnungsbedürftig aussehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** In Wörtern wie Informationen und soziale sind tio resp. zia bei normaler Sprechgeschwindigkeit zwar einsilbig, die genannte Trennregel gilt aber trotzdem (vgl. amtl. Rechtschreibregelung, § 107).

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Die Unterstützung und Zusammenarbeit mit den Managern?

Frage

[…] Es geht um den folgenden Punkt einer Aufzählung (Beschreibung, welche Aufgaben ein Manager zu erfüllen hat):

Unterstützung und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen

Ist es zulässig, das so zu formulieren? Ich habe bereits im Duden nachgesehen, bin mir aber nicht sicher, ob es sich hier um eine Ellipse handelt (es also korrekt wäre) oder nicht (und daher umformuliert werden müsste: „Unterstützung der und Zusammenarbeit mit den … Managern …“).

Antwort

Guten Tag Frau B.,

wenn eine Wortgruppe wie hier einmal ein Genitivattribut und einmal ein präpositionales Attribut ist, sollte sie nicht eingespart werden. Man muss wiederholen, was manchmal sehr umständlich ist, oder anders formulieren. Ein paar Beispiele:

nicht:
*das Interesse und die Beherrschung fremder Sprachen
*das Interesse für und die Beherrschung fremder Sprachen
sondern z. B.:
das Interesse für fremde Sprachen und ihre Beherrschung

nicht:
*die Fragen und die Antworten an die Nutzerinnen und Nutzer
*die Fragen der und die Antworten an die Nutzerinnen und Nutzer
sondern z. B.:
die Fragen der Nutzerinnen und Nutzer und ihre Beantwortung

nicht:
*Unterstützung und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen
*Unterstützung der und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen
sondern z. B.:
Unterstützung der lokalen Manager und Kooperation mit ihnen bei IT-/IS-Fragen

Dass das Genitivattribut sich auch sonst manchmal ziemlich eigenwillig und wenig kooperativ verhält, wenn es um die Einsparung wiederholter Wörter und Wortgruppen geht, sehen Sie zum Beispiel hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Was genau bedeutet »das Foto meiner Freundin«?

Frage

Der folgende Satz wurde beanstandet: „Ein Foto von unserem Mitarbeiter und passionierten Fotografen J. Jansen“. Die Verbesserung sollte lauten: „Ein Foto unseres Mitarbeiters und passionierten Fotografen J. Jansen“. Also wünschte sich der Klagende zwingend den Genitiv.

Dazu meine Frage: Gibt es eine eindeutige Unterscheidung des Kasus für die beiden Möglichkeiten, dass ein Bild die Person zeigt oder das Bild von einer Person fotografiert wurde?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

Es gibt keine Möglichkeit, bei einer Angabe dieser Art mit Hilfe der Fälle eindeutig anzugeben, ob die Person, die im Genitiv bzw. mit von angeführt wird, auf dem Foto abgebildet ist oder das Foto gemacht hat:

ein Foto meines besten Freundes (standardsprachlich)
= ein Foto von meinem besten Freund (umgangssprachlich)

In beiden Fällen kann der beste Freund die abgebildete Person oder der Fotograf sein. Es gibt sogar eine dritte Möglichkeit, nämlich dass der beste Freund der Besitzer des Fotos ist. Nur der weitere Zusammenhang kann entscheiden, was genau gemeint ist.

Mit Genitivattributen können sehr verschiedene Verhältnisse bezeichnet werden (siehe hier). Es ist deshalb nicht immer eindeutig, welche Art des Verhältnisses gemeint ist. Die folgenden Nomengruppen können verschieden interpretiert werden:

die Beschreibung des Angeklagten
= der Angeklagte beschreibt (Genitivus subiectivus)
= der Angeklagte wird beschrieben (Genitivus obiectivus)

das Foto meiner Freundin
= das Foto, das meine Freundin gemacht hat (Genitivus Auctoris)
= das Foto, auf dem meine Freundin abgebildet ist (Genitivus obiectivus)
= das Foto, das meiner Freundin gehört (Genitivus possessivus)

Der Satzzusammenhang sollte immer verdeutlichen, welche Interpretation die richtige ist. Wenn dies nicht der Fall ist, empfiehlt es sich, die Nomengruppe umzuformulieren oder zu ergänzen:

die Beschreibung durch den Angeklagte
die Beschreibung des Angeklagten durch den Zeugen

Für Ihr Beispiel bedeutet dies alles, dass Sie besser den Genitiv als von verwenden:

Ein Foto unseres Mitarbeiters und passionierten Fotografen J. Jansen

Da Herr Jansen als passionierter Fotograf vorgestellt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass er das Foto gemacht hat. Das ist vor allem dann der Fall, wenn keine Person auf dem Bild steht, die Herr Jansen sein könnte. Der Zusammenhang gibt in dieser Weise an, welche Art des Genitivs gemeint ist. Und falls es doch ein Foto sein sollte, auf dem J. Jansen zu sehen ist, dann müssten Sie genauer formulieren (z. B: Das Foto zeigt unseren Mitarbeiter und passionierten Fotografen J. Jansen).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn der Vorteil ein Nachteil ist: übervorteilen

Frage

Schon seit Längerem beschäftigt mich die Frage nach der Bedeutungsherkunft des Verbes „übervorteilen“. Zunächst scheint seine Bedeutung kontraintuitiv: Übervorteilen klingt danach, als bekomme man zu viel des Vorteils. Nach einer Benachteiligung klingt es gerade nicht.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

die Bedeutung jemanden benachteiligen, betrügen des Verbs übervorteilen ergibt sich tatsächlich nicht spontan aus seiner Form. Es klingt, wie Sie richtig sagen, eher nach einem Übermaß an Vorteil als nach einer Benachteiligung. Das liegt daran, dass dieses Verb zu einer Zeit entstanden ist, in der Vorteil auch etwas Negatives sein konnte. Eine der vielen Bedeutungen, die Vorteil hatte, war gemäß dem Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm:

[…] im engeren sinne bezeichnet es unredlichen gewinn, lug und trug im erwerbsleben: irs geytz, wuchers und allen vorteyl und finantzerey  (Luther); beschisz, vorteil, betrug (Zwingli); so von zinsen und wucher leben in allerley vorteil und buberey (Eberlin v. Günzburg) […]

Grimm, Vorteil, Bedeutung 7)

Auch die heute nicht mehr gebräuchliche Ableitung vorteilisch war alles andere als positiv: 

wer vortailisch ist, prauchet vil tüeck und hinderlist
(Wer „vorteilisch“ ist, braucht viel Tücke und Hinterlist)

Grimm, vorteilisch

Nun kommen wir zum Verb bevorteilen, das hier die größte Überraschung für mich war: Bis vor nicht allzu langer Zeit hatte es nämlich nicht die heutige positive Bedeutung. Nach dem grimmschen Wörterbuch bedeutete es noch Ende des 19. Jahrhunderts beeinträchtigen, betrügen:

dies wort ist kein gegensatz von benachtheiligen und drückt nicht aus einen in vortheil bringen, sondern das umgedrehte.

Grimm, bevortheilen

Das Verb bevorteilen wurde demnach nicht vom positiven Vorteil , sondern von Vorteil mit der Bedeutung unredlicher Gewinn, Lug und Trug  abgeleitet. Es wurde also in gleicher/ähnlicher Weise wie betrügen (von Trug) und benachteiligen (von Nachteil) gebildet. Später wurde es zu seinem Gegenteil umgedeutet, sehr wahrscheinlich weil wir heute Vorteil nur noch im positiven Sinne kennen. Wenn man heute bevorteilt wird, wird man begünstigt.

Und hiermit sind wir endlich bei übervorteilen. Auch dieses Verb wurde wahrscheinlich wie bevorteilen vom negativ beladenen Vorteil abgeleitet. Es bedeutete ungefähr jemanden mit Lug und Trug überwinden, überlisten und wurde somit wie sein Bedeutungsnachbar überlisten (von List) gebildet.

Leicht bis mittelschwer dramatisierend könnte man also sagen, dass das Wort Vorteil im Laufe seiner Geschichte auch eine negative Bedeutung erhalten hatte, die später wieder verlorenging. Nur im Verb übervorteilen hat Vorteil im Sinne von Lug und Trug, unredlicher Gewinn noch seine Spuren hinterlassen. 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp 

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Voll der Gnaden, Friede auf Erden und der Welten Lohn

Auch wenn der Titel es vielleicht nahelegt, geht es nicht um theologische Fragen. Es geht nur ganz weltlich darum, ob Gnaden, Frieden und Welten hier im Plural oder im Singular stehen.

Frage

Meine Frage betrifft die Formulierung „voll der Gnaden“, wie man sie in älteren Übersetzungen des Ave Maria findet (wohingegen heute meist „voll der Gnade“ verwendet wird). Meine Frage ist, was für eine Form „der Gnaden“ hier genau ist. Nach „voll“ steht ja bekanntlich Genitiv, also bleibt eigentlich nur die Frage nach dem Numerus. Nach moderner Morphologie wäre „der Gnaden“ eindeutig Plural, aber die Verwendung von „Gnade“ im Plural scheint mir sehr unüblich und im Lateinischen steht ja auch „gratia plena“ und nicht „gratiis plena“. […]

Antwort

Guten Tag Herr H.,

bei der Form Gnaden in älteren Texten und Wendungen ist es oft schwierig, zu entscheiden, ob es sich um eine Pluralform oder eine Singularform handelt. Einerseits wurde und wird das deutsche Gnade häufiger im Plural verwendet als das lateinische gratia. Andererseits wechselte Gnade zum Teil zur schwachen Deklination, das heißt, die Form Gnaden wurde auch als Singularform verwendet. Es ist deshalb schwierig, zu beurteilen, ob es sich bei Gnaden in voll der Gnaden um einen Plural oder einen Singular handelte. Im heutigen Deutschen kann es nur noch eine Pluralform sein, was die neueren Übersetzungen von gratia plena mit voll der Gnade erklärt. Mehr dazu lesen Sie zum Beispiel im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Eintrag Gnade, Punkt 5) und 6).

Gnade ist nicht das einzige weibliche Substantiv, dass auch im Singular mit schwachen Endungen verwendet wurde. Solche Formen haben noch in einigen Wendungen, Gedichten, Gebeten usw. „überlebt“:

von Gotten Gnaden
Friede auf Erden
dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden
auf Seiten der Gegenpartei
von Seiten der Klägerin
Undank ist der Welten Lohn

So viel von Seiten des Blogautors zur Formulierung voll der Gnaden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist oder sind es zwei Jahre her?

Frage

Warum sagt man: „Es ist zwei Jahre her“, und nicht: „Es sind zwei Jahre her“? Ist das Subjekt in diesem Satz nicht das Satzglied „zwei Jahre“?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die üblichste und akzeptierte Ausdrucksweise ist:

Es ist zwei Jahre her
Es ist einen Monat her

Man kann die Formulierung so analysieren:

es = Subjekt
ist her (liegt zurück) = Prädikat
zwei Jahre/einen Monat = adverbiale Bestimmung der Zeit  (im Akkusativ)

Das Subjekt es steht dabei stellvertretend für etwas vorher Gesagtes oder einen folgenden Nebensatz. Das erklärt den Singular des Verbs:

Es ist zwei Jahre her, dass ich sie zum letzten Mal gesehen habe.
Dass ich sie zum letzten Mal gesehen habe, ist zwei Jahre her.
Unser letztes Treffen ist zwei Jahre her.

Die Verbindung her sein wird also wie (zeitlich) zurückliegen verwendet.

Die folgende Art der Formulierung kommt aber auch vor:

Es sind zwei Jahre her
Ein Monat ist es her

Hier wird ist her wie ist in einem Gleichsetzungssatz verwendet (vgl. hier) und her sein hat die Bedeutung vergangen sein:

es = Subjekt/Prädikativ
sind/ist her ( sind/ist vergangen) = Prädikat
zwei Jahre/ein Monat = Prädikativ/Subjekt (im Nominativ)

Ob es zwei Jahre her ist oder zwei Jahre her sind, hängt davon ab, ob her sein wie zurückliegen oder ähnlich wie vergangen sein verwendet wird. Ich empfehle die erste Formulierung (Es ist zwei Jahre / einen Monat her).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ist oder sind tausendundeine Melodie in meinen Kopf?

Ist oder sind tausendundeine Melodie in meinen Kopf?

Frage

Was ist grammatikalisch richtig:

In meinem Kopf SIND tausendundeine Melodie
In meinem Kopf IST tausendundeine Melodie

Danke für Ihre schnelle Hilfe!

Antwort

Guten Tag Frau B.,

wieder einmal lautet die Antwort: Beides ist richtig.

Das Zahlwort tausendundein kann vor einem Substantiv ungebeugt bleiben. Dann steht das Substantiv im Plural:

tausendundein Melodien
tausendundein Geschichten
tausendundein Möglichkeiten
tausendundein Kinder (mit tausendundein Kindern)

Wenn eine solche Formulierung Subjekt des Satzes ist, steht das Verb „ganz normal“ im Plural:

In meinem Kopf sind tausendundein Melodien

In Ihrem Beispiel ist das aber nicht so. Das Zahlwort tausendundein kann vor einem Substantiv auch gebeugt werden. Dann steht das Substantiv im Singular (mehr dazu lesen Sie hier):

tausendundeine Melodie
tausendundeine Geschichte
tausendundeine Möglichkeit
tausendundein Kind (mit tausendundeinem Kind)

Wenn nun eine Formulierung dieser Art Subjekt des Satzes ist, entsteht eine gewisse Unsicherheit. Richtet sich das Verb nach der Einzahl des Substantivs (Melodie) oder nach dem pluralischen Sinn (tausend [Melodien] und eine Melodie)? Beides ist grammatisch vertretbar, beides kommt in der Sprachpraxis vor und beides gilt als richtig.

In meinem Kopf ist tausendundeine Melodie
In meinem Kopf sind tausendundeine Melodie

Hier noch ein paar Beispiele:

Es ließe sich tausendundeine Geschichte über das Krankenhaus erzählen
Tausendundeine Geschichte ranken sich durch diesen Dschungel
Tausendundeine Möglichkeit kam mir in den Sinn
Tausendundeine Möglichkeit bieten sich Ihnen dabei.
Tausendundein Kind wurde geboren
Es wurden innerhalb der Grenzen dieses neugeborenen unabhängigen Staates Indien nicht weniger als tausendundein Kind geboren

Es bietet/bieten sich hier also nicht gerade tausendundeine Möglichkeit an, aber immerhin mehr als nur eine.

Mit freundlichen Grüßen

Dr.  Bopp

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Ungewöhnliche zusammengesetzte Verben: zurückgratulieren, losmusizieren, weitersezieren,

Frage

Lassen sich aus allen Verben zusammengesetzte Verben bilden?

Auf Anhieb hätte ich mit „ja“ geantwortet. Ich habe mir dann aber eine lange Reihe Verben durch den Kopf gehen lassen auf der Suche nach Verben, die für Zusammensetzungen inkompatibel sind. Ich habe keine Zusammensetzung mit gratulieren, musizieren, studieren, sezieren, demonstrieren gefunden, aber an der Wortendung  -ieren kann es kaum liegen (einsortieren/ ich sortiere … ein oder auch hereinspazieren/ er spazierte herein).

Gibt es allgemein Verbeigenschaften, die der Bildung zusammengesetzter Verben im Wege stehen?

In diesem Zusammenhang: Warum hat das Deutsche trennbare Verben? Ich spreche sonst nur noch etwas Französisch, Japanisch, Italienisch und Englisch, welche alle ohne solche „halbfertigen“ Verbkonstruktionen auskommen.

Antwort

Guten Tag Frau T.,

im Prinzip können mit allen einfachen, d. h. untrennbaren Verben zusammengesetzte Verben gebildet werden (Ausnahme in der Rechtschreibung: sein). Nur die Bedeutung von Verb und/oder Vorsilbe und der allgemeine Gebrauch verhindern, dass für alle Verben alle möglichen zusammengesetzten Ableitungen vorkommen. Auch mit den Verben, die Sie anführen, lassen sich mit etwas Fantasie zusammengesetzte Verben bilden:

Endlich habe auch ich es geschafft.
Du darfst mir zurückgratulieren – Gratuliere mir zurück!
Und dann hat die Band laut losmusiziert – Die Band musizierte laut los
ein Stück einstudieren – Wann studieren wir das Stück ein?
Wir werden den Frosch nach der Pause weitersezieren – Wir sezieren ihn gleich weiter.
Bei ihm muss man jedes Detail einzeln heraussezieren. – Wie seziert man hier die Wahrheit heraus?
Jetzt hat es sich ausdemonstriert!

Die Tatsache, dass ein Wort nicht in den Wörterbüchern steht, bedeutet also bei Weitem nicht immer, dass es dieses Wort nicht gibt oder geben kann.

Warum das Deutsche trennbare Verben hat, lässt sich nicht in zwei Sätzen erklären. Es ist ein Wortstellungsphänomen, das sich im Laufe der Sprachentwicklung „so ergeben“ hat. Es hat unter anderem mit der Zweitstellung der konjugierten Verbform im Hauptsatz und der relativ großen Eigenbedeutung der trennbaren Partikeln zu tun. Auch im Niederländische gibt es trennbare Verben:

aufgeben – ich gebe auf
opgeven – ik geef op

ausgehen – ich gehe aus
uitgaan – ik ga uit

zurückkommen – ich komme zurück
terugkomen – ik kom terug

Im Englischen (und z. B. im Schwedischen) gibt es sie im Prinzip ebenfalls, aber dort steht die Partikel immer, also auch im Infinitiv oder in einem Nebensatz, hinter dem Verb:

aufgeben – ich gebe auf
give up – I give up
ge upp – jag ger upp

ausgehen – ich gehe aus
go out – I go out
gå ut – jag går ut

zurückkommen – ich komme zurück
come back – I come back
komma tillbaka – jag kommer tillbaka

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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„Jemand, der“ und „jemand, die“

Heute einmal etwas Einfaches zur geschlechtergerechten Sprache:

Frage

Seit gestern Nachmittag beschäftige ich mich mit der Frage, ob das Indefinitpronomen „jemand“ in Kombination mit „er“ oder „sie“ in einen Satz gehört.

[…] Zum Beispiel: „jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist“ oder „jemand, die zu oft denkt, dass sie lustig ist“?

Antwort

Guten Tag Herr U.,

wenn jemand allgemein eine unbestimmte Person bezeichnet, ist es üblich, mit männlichen Pronomen zu verweisen:

Jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist, kann ärgerlich sein.
Kennst du jemanden, der mich mit seinem Auto wegbringen könnte.

Wenn Sie lieber geschlechtergerechter formulieren, können Sie dieses allgemeine jemand besser vermeiden. Mögliche „Ausweichrouten“ sind je nach Kontext und Formulierungslaune:

Menschen/Leute, die zu oft denken, dass sie lustig sind, können ärgerlich sein.
Kennst du eine Person, die mich mit ihrem Auto wegbringen könnte?
Wer aus deinem Bekanntenkreis könnte mich mit dem eigenen Wagen wegbringen?

Wenn eine männliche Person gemeint ist, formuliert man so:

Er ist jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist.
Christian ist jemand, der dich mit seinem Auto wegbringen könnte.

Wenn eine weibliche Person gemeint ist, können ebenfalls männliche Verweiswörter verwendet werden:

Sie ist jemand, der zu oft denkt, dass er lustig ist.
Christine ist jemand, der dich mit seinem Auto wegbringen könnte.

Immer üblicher und meiner Meinung nach empfehlenswert ist aber die Verwendung von weiblichen Pronomen:

Sie ist jemand, die zu oft denkt, dass sie lustig ist.
Christine ist jemand, die dich mit ihrem Auto wegbringen könnte.

In dieser Weise können Sie je nach Satzzusammenhang einfach und korrekt formulieren, ohne jemand auf die Zehen zu treten.

Bitte beachten Sie, dass Canoonet bald nur noch unter www.canoonet.eu zu erreichen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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