Frechdachse, Probleme und auseinandersetzen

Frage

Wir schreiben und lesen viele Texte. Eine Frage taucht dabei in letzter Zeit öfters auf: Wie schreibt man auseinandersetzen? Oder auseinanderzusetzen? Eher zusammen oder getrennt? In deutschen Medien sieht man öfters die getrennte Schreibweise. Was ist hauptsächlich für die Schweiz und Deutschland gebräuchlich?

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

das Verb auseinandersetzen schreibt man zusammen. Dies gilt auch für die mit zu erweiterte Form auseinanderzusetzen. Regionale Unterschiede gibt es dabei nicht: Im gesamten deutschen Sprachraum und auch im Rest der Welt, sofern man Deutsch als Mutter- oder Fremdsprache verwendet, schreibt man dieses Verb zusammen. Die Zusammenschreibung gilt sogar für alle Bedeutungen. So kann man sowohl störende Schüler auseinandersetzen als auch sich mit einem Problem auseinandersetzen. Alle Wortformen von auseinandersetzen finden sie hier und mehr Informationen zur Rechtschreibung hier.

Weshalb finden Sie dann häufiger getrennt geschriebene Formen, obwohl sie nach der aktuellen Rechtschreibregelung falsch sind? Das liegt vielleicht unter anderem daran, dass Wörter wie auseinandersetzen eine ziemlich komplizierte Rechtschreibgeschichte hinter sich haben. Vor der Rechtschreibreform von 1996, also nach der alten Rechtschreibung, gab es zwei unterschiedliche Schreibungen:

Alte Schreibung:
auseinander setzen = voneinander getrennt setzen
sich auseinandersetzen mit = sich beschäftigen mit

Man musste also freche Schülerinnen auseinander setzen und sich dann mit der Frage auseinandersetzen, ob sie bestraft werden sollten.

Dann kam die Reform und alle Kombinationen von einem Verb mit einem Adverb auf -einander mussten getrennt geschrieben werden:

1996-2006
auseinander setzen = voneinander getrennt setzen
sich auseinander setzen mit = sich beschäftigen mit

Ein paar Jahre lang musste man also nicht nur freche Schüler auseinander setzen sondern sich dann auch mit der obengenannten Frage auseinander setzen.

Schließlich entschied die Reform der Reform, dass dann zusammengeschrieben werden muss, wenn die Hauptbetonung auf dem ersten Teil (hier auseinander) einer solchen Verbverbindung liegt.

Seit 2006
auseinandersetzen = voneinander getrennt setzen
sich auseinandersetzen mit = sich beschäftigen mit

Deshalb muss man heutzutage sowohl die Frechdachse auseinandersetzen als auch sich mit der Bestrafungsfrage auseinandersetzen.

Je mehr man sich mit dieser Frage auseinandersetzt, desto verwirrender wird es. Deshalb hier noch die ganz kurze Antwort: auseinandersetzen schreibt man nach der amtlichen Regelung zusammen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

2 Kommentare

  1. Bernard Brown schreibt:

    Oktober 14, 2008 um 16:32

    Schon wieder ein Beispiel für die Dummheit der Schreibreformierenden: nach zwei Verschlimmbesserungen sind wir schließlich schlechter dran als vor 1996!
    Damals war es ja allen klar, was der Unterschied zwischen Zusammen- und Nichtzusammenschreibung zu bedeuten hatte, zumal das auch dem etwas unterschiedlichen Sprachrhymus entspricht .
    Um die ROLLE des Wortes geht es, ob es als Verbelement empfunden und deshalb zusammengeschrieben wird, und eben nicht darum, ob er ursprünglich als Adverb, Präposition oder auch als Hauptwort zu bezeichnen wäre. Wir sollten also ruhig nach wie vor radfahren und skilaufen, denn Rad und Ski (genau wie früher Statt usw) hatten sich schon lange vor 1996 zu Verbelemente entwickelt; aber leider leuchtet den Bürokraten nicht ein, daß eine Sprache nur als Werdeprozeß zu verstehen ist.
    BB

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 15, 2008 um 17:17

    Ich zitiere und kommentiere ein paar Aussagen des vorhergehenden Kommentars und wende mich dabei direkt an Herrn Brown:

    „Damals war es ja allen klar, was der Unterschied zwischen Zusammen- und Nichtzusammenschreibung zu bedeuten hatte“

    Worauf stützen Sie diese Aussage? War das damals allen klar? Mir war es bestimmt nicht klarer als heute. Damals wusste ich einfach nicht, dass ich es nicht weiß, und „dank“ der Reform weiß ich jetzt, dass ich es nicht weiß… Aber vielleicht war (und bin) ich ja einfach dümmer als alle andern.

    „zumal das auch dem etwas unterschiedlichen Sprachrhymus entspricht“

    Worauf stützen Sie diese Aussage? Ich persönlich kann in den folgenden Beispielen keinen Unterschied bei der Aussprache der Form „auseinandersetzen“ entdecken:
    – sich mit den Kindern auseinandersetzen
    – die Kinder auseinandersetzen
    Können Sie es?

    „denn Rad und Ski (genau wie früher Statt usw) hatten sich schon lange vor 1996 zu Verbelemente entwickelt“

    Das mag bis zu einem gewissen Grad stimmen, aber warum gilt das nicht auch für Auto, Bus, Rollschuh, Tandem, Schlitten usw. Welche zusätzlichen Kriterien müsste „Auto“ erfüllen um wie „rad“ als Verbelement empfunden zu werden, das man dann mit „fahren“ zusammenschreibt? Das Problem ist ja gerade, dass man bei der Getrennt- und Zusammenschreibung nicht genau bestimmen kann, was ein Verbelement und was ein selbständiges Wort ist. Einfach festzustellen, dass etwas zusammengeschrieben wird, wenn es ein Verbelement ist, ist eine einleuchtend klingende Regel, die einem aber bei konkreten Schreibfragen keinen Schritt weiterhilft. Wieso ist „rad“ in „radfahren“ ein Verbelement und „Auto“ in „Auto fahren“ nicht? Und wenn „Auto“ dann doch neu zum Verbelement würde, weshalb nicht auch „Bus“ und „Rollschuh“? Weil es (nicht) so „empfunden“ wird?

    „leider leuchtet den Bürokraten nicht ein, daß eine Sprache nur als Werdeprozeß zu verstehen ist“

    Woraus schließen Sie das? Man schreibt doch nach der neuen Rechtschreibung z.B. „heimkommen“, „kopfrechnen“, „standhalten“ und „teilnehmen“. Irgendwie haben die Reformer offenbar doch begriffen, dass ein Substantiv im Laufe der Sprachentwicklung eine andere Rolle erhalten kann. Sie legen einfach die Grenze zwischen Substantiv und verblasstem Substantiv an einer anderen, aus ihrer Sicht leichter zu bestimmenden Stelle, als Sie es offenbar gerne sähen.

    Es geht mir hier nicht darum, die Reform zu verteidigen. Ich bin einfach der Meinung, dass man, wenn man schon soweit geht, jemanden der Dummheit zu bezichtigen, etwas stichhaltigere Argumente liefern sollte.