Daten vom Laptop auf den Klapprechner migrieren

In der vergangenen Woche gab es in diesem Blog recht wenig zu lesen. Das lag unter anderem daran, dass ich einen neuen Rechner erhalten habe; so einen schönen metallfarbenen mit einem Apfel auf dem Deckel (ich will ja keine Reklame machen). Einen solchen tragbaren Rechner, den man auf- und zuklappen kann, nennt man im Allgemeinen einen Laptop oder ein Notebook. Mit dem neuen Gegenstand kamen neue Wörter auf, denn das Ding musste ja einen Namen haben. Nun sind weder der tragbare Rechner noch sein Name wirklich neu: Laptop und Notebook stehen schon in vielen deutschen Wörterbüchern. Die beiden Wörter sind klassische Beispiele dafür, wie neue Wörter in eine Sprache aufgenommen werden: Ein neues Phänomen taucht auf und muss benannt werden. Oft wird dabei wie in diesem Fall der Name von dort übernommen, wo das Phänomen herkommt.

Es gibt Leute, die es schade, schädlich oder sogar schändlich finden, dass zurzeit so viele neue englische Wörter aufkommen. Der Verein Deutsche Sprache will dieser Tendenz entgegenwirken, indem er unter anderem deutsche Übersetzungen oder Entsprechungen für „unnötige“ Anglizismen vorschlägt. Die meisten dieser Vorschläge sind zwar gut gemeint, haben aber meiner Meinung nach keine allzu großen Überlebenschancen. Die Sprachgemeinschaft lässt sich in der Regel nichts aufdrängen. Anders als viele der bekritisierten Anglizismen haben es, wenn überhaupt, nur sehr wenige der Gegenvorschläge in ein Wörterbuch geschafft.

Ein Vorschlag aber hat es mir angetan. Für Laptop und Notebook schlägt der VDS Klapprechner vor. Auch dieser Vorschlag ist nicht mehr ganz taufrisch, aber ich möchte ihn Ihnen doch noch einmal vorlegen, weil das Wort so schön ist. Es klingt gut und bezeichnet genau das, was ein Laptop ist: ein Rechner den man auf- und zuklappen kann. Schoßcomputer oder Mobilrechner können mich nicht begeistern, aber Klapprechner verdient es, in die deutsche Sprache aufgenommen zu werden. Deshalb will ich den VDS mit diesem Aufruf für einmal in seinem Bestreben unterstützen: Wenn Sie alle dieses Wort von jetzt an in Wort und Schrift verwenden, kann Klapprechner vielleicht schon bei der nächsten oder übernächsten Datenaktualisierung im CanooNet-Wörterbuch aufgenommen werden!

Neben diesen sofort als neu erkennbaren Wörtern, gibt es noch viel subtilere neue Wörter. Ein solches habe ich beim Übertragen der Daten vom alten auf den neuen Rechner entdeckt: migrieren. Dieses Verb gibt es fachsprachlich im Deutschen schon lange: Tierische Parasiten migrieren von einem Wirt auf den anderen; Erdöl oder Erdgas migriert vom Mutter- ins Speichergestein; halb Europa migrierte während der Völkerwanderungen von einem Ort zum anderen. In all diesen Anwendungen bedeutet migrieren so etwas wie wandern. Wie wandern ist es ist ein intransitives Verb, das heißt, es hat kein Akkusativobjekt (man kann nicht fragen: wen oder was migrieren?).

Beim Übertragen der Daten und Einstellungen habe ich festgestellt, dass man diesen Vorgang Migration nennt. Die Daten werden migriert. Man migriert die Daten. Das Erstaunliche und Neue daran ist, dass migrieren ein transitives Verb geworden ist: „Wen oder was migriert man?“ Hier hat sich ein neues Verb mit einer neuen Bedeutung und einer neuen Konstruktion „eingeschlichen“. Da es unter dem Deckmantel eines bestehenden Verbs auftritt, bemerkt man diesen Neuankömmling nämlich kaum. Es könnte sogar ein Anglizismus sein.

Neue Wörter können also in verschiedenster Weise auftauchen. Drei Beispiele haben wir gesehen: der Direktimport bei Laptop und Notebook, die Übersetzung oder Neuschöpfung bei Klapprechner und die Wiederverwendung von bestehendem Material mit neuer Funktion bei migrieren. Was man nicht alles entdeckt, wenn man Daten vom alten Laptop auf den neuen Klapprechner migriert!

11 Kommentare

  1. AbidiText schreibt:

    Oktober 19, 2009 um 19:22

    Wenn das Teil „Klapprechner“ hieße, hätte ich sicher davon abgesehen, eins zu kaufen. Zu sehr hätte es mich an mein altes Klappfahrrad erinnert, das sehr unbequem war und dessen Klappfunktion ich kein einziges Mal (wozu auch?) genutzt habe. Dazu hätte man sicher auch irgendwelche Schraubenzieher gebraucht, die ich dann bestimmt nicht zur Hand gehabt hätte. Im Ernst: Wer will seinen Mitnehm-PC erst operieren, bevor er ihn wieder in die Tasche steckt? Und überhaupt: Hieße die dann „Klapprechnertasche“? Wie unschick!

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 19, 2009 um 22:11

    Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe nichts gegen Anglizismen im Allgemeinen und nichts gegen das Wort Laptop im Besonderen. Natürlich ruft das Wort Klapprechner Assoziationen mit dem Wort Klappfahrrad hervor, aber 1. hatten Sie wohl ein sehr unpraktisches Klapprad und 2. ist nicht alles viel flitzender, was einen englischen Namen trägt. Es tönt nur so. Eine der ersten Assoziationen, die im Englischen bei laptop aufkommen können, ist lapdog. Das bedeutet Schoßhündchen. Dieses Wort in Kombination mit einer Tasche hat tatsächlich etwas Schickes, aber ich bin mir nicht sicher, ob das der Schick ist, den Sie meinen. Bitte um Entschuldigung, ich konnte es einfach nicht lassen. Natürlich geht es nicht darum, was ein Wort im Englischen bedeutet und wie es dort wirkt, sondern um den Eindruck, den es im Deutschen macht. Genau deshalb gefällt mir Klapprechner so gut: Das Wort hat so etwas unschick Bodenständiges. Das ist selbstverständlich nicht jedermanns Sache, und deshalb nehme ich es Ihnen auch keineswegs übel, dass Sie sich nicht an der „Kampagne“ beteiligen werden.

  3. Wolfgang Back schreibt:

    Oktober 20, 2009 um 21:46

    hallo dr. bopp, bitte gehen sie mit dem begriff klappcomputer nicht so um, als wäre der name auf ihrem mist gewachsen. in einer wdr computerclubsendung des jahres 1996 hat herr wolfgang rudolph als moderator diesen b egriff bereits öffentlich geprägt.

  4. Wolfgang Back schreibt:

    Oktober 20, 2009 um 22:09

    hallo herr dr. bopp.
    ich habe da eine Frage, die ich gerne beantwortet wüsste. Wenn man einen Podcast macht, was macht man da? Man macht einen (broadcast) für (i)pod. Podcast ist also ein Beitrag für Apple Geräte. Wenn nun jemand kein Apple Gerät besitzt, darf der dann überhaupt einen Podcast laden?
    Muss man eventuell auf AudioCast Aussendungen ausweichen? Ein solcher Audiocast wird von der erfolgreichen Sendung http://www.cczwei.de wöchentlich ins Netz gestellt.
    Bitte entsprechen Sie den Forderungen von Dr. Bopp und wählen nur noch deutsche Begriffe. AudioCast müssen wir deshalb noch umsetzen.: Mit \

  5. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 20, 2009 um 23:55

    Sehr geehrter Herr Back,

    zuerst möchte ich Sie dafür um Entschuldigung bitten, dass Ihr Kommentar offenbar auf rüde Weise unterbrochen wurde. Meine technischen Kenntnisse reichen leider nicht aus, um herauszufinden, woran das liegen könnte. Es hat eventuell etwas mit speziellen Anführungszeichen zu tun. Ich bin mir bewusst, dass das sehr ärgerlich für Sie sein muss.

    Ich wage es deshalb beinahe nicht mehr, Sie zu bitten, einen Beitrag erst etwas genauer zu lesen, bevor Sie darauf reagieren. Ich schreibe explizit, a) dass das Wort Klapprechner nicht mehr ganz taufrisch ist und b) dass ich es auf der Website des Vereins für Deutsche Sprache (VDS) gefunden hatte. Ich behaupte also nicht – wie Sie es so nett ausdrücken -, dass es auf meinem Mist gewachsen sei. Ich schreibe doch nur, dass mir dieser Begriff so gut gefällt, dass es mich freuen würde, wenn er doch noch durchbrechen würde.

    Ich habe auch nicht die Forderung gestellt, man möge nur noch deutsche Begriffe verwenden. In meinem obenstehenden Kommentar steht: „Um es gleich vorwegzunehmen: Ich habe nichts gegen Anglizismen im Allgemeinen und nichts gegen das Wort Laptop im Besonderen.“ Ich habe dies absichtlich an den Anfang des Kommentars gestellt, damit man nicht meint, dass ich mit prinzipiellen Anglizismenverächtern wie z.B. den Herren des VDS einverstanden sei. Meine Haltung gegenüber Anglizismen im Deutschen finden Sie in diesem Blogeintrag.

    Dort schreibe ich im Übrigen auch: „Die meiner Meinung nach ebenso fruchtlose wie uferlose Diskussion zu Sinn und Unsinn von Anglizismen und der Gefahr, die sie für die deutsche Sprache sein sollen, will ich hier bewusst nicht führen.“ Das finde ich immer noch.

  6. Marlene schreibt:

    Oktober 23, 2009 um 21:14

    Hallo!
    Ich freue mich regelmäßig, wenn ich meinen kleinen Computer nach getaner Arbeit so richtig mit Nachdruck zuklappen und in die Tasche stecken kann. Darum finde ich das Wort Klapprechner auch sehr ansprechend 😉
    Zumal ich mich schmerzhaft verspanne, wenn ich ihn wie einen laptop auf dem Schoß halten muss… und wie ein Notizbuch sieht er auch nicht aus…
    Schöne Grüße und danke für die hilfreiche Seite!

  7. Phil schreibt:

    Oktober 30, 2009 um 12:17

    Hallo!
    Den Vorschlag, einen Laptop „Klapprechner“ zu nennen, finde ich ganz reizvoll. Allerdings bleiben dann noch Bezeichnungen für die neuen „Netbooks“ offen…

    Im Französischen hat sich der Begriff „portable“ für den Laptop etabliert. Oder komplett: „Ordinateur portable“. Leider ist das Deutsche hier nicht so flexibel. „Tragbarer Rechner“ wäre im Alltagsgebrauch zu umständlich. „Tragbarer“ sicherlich auch…

    Um auf die Netbooks zu kommen: Im Québec wird das Netbook aus als „miniportable“ bezeichnet. Analog dazu könnte man ja von „Miniklapprechner“ sprechen…

  8. Bernard Brown schreibt:

    November 13, 2009 um 21:31

    Vielleicht sollte man eher über einen Mangel an (brauchbaren) Anglizismen klagen: \’Handy\‘ wäre ja ideal für den Computer-in-der-Hand, ist aber schon belegt, denn \’Mobil\‘ erinnerte wohl an Wohnmobil und \’Mobile\‘ an das Kinderzimmer. Für den Laptop wäre Lappy ja läppisch und Klappy noch schlimmer, wenn man bedenkt, dass \’clap\‘ im Englishen auch Tripper heißen kann und dass \’Happy clappy\‘ sich auf eine besonders ausgelassene Art Gottesdienst bezieht.
    Wie wäre es also mit Muschi, = \’Muschelcomputer\‘, der sich wie eine aktive Kamm- oder Jakobsmuschel öffnet und schließt … ?

  9. Michael schreibt:

    November 18, 2009 um 13:07

    Wobei zu Handy noch zu sagen wäre, dass es sich hier um einen ziemlich speziellen Anglizismus handelt – gewissermassen um einen, der in Deutschland gewachsen ist. Ein Handy ist meines Wissens nur in Deutschland und inzwischen zunehmend auch in der Schweiz die Bezeichnung für ein Mobiltelefon. Im englischsprachigen Raum wird der Begriff (als Bezeichnung fürs Mobiltelefon) nicht verstanden.

  10. Tom S. Fox schreibt:

    Februar 2, 2010 um 15:44

    „Deshalb will ich den VDS mit diesem Aufruf für einmal in seinem Bestreben unterstützen …“

    Dieser Satz kommt mir komisch vor, wie schlecht aus dem Englischen übersetzt. (for once — für einmal). Meinten Sie, dass Sie den VDS ausnahmsweise einmal in seinem Bestreben unterstützen wollen?

    Jedenfalls arbeite ich gerade an der Übersetzung eines Textes, in dem das Wort „laptop? vorkommt und hatte in Betracht gezogen, es mit „Klapprechner? zu übersetzen. Diese Überlegung habe ich aber verworfen, weil ich befürchtete, dass das Wort nicht weit genug verbreitet ist. Da ich nun aber Ihren Segen habe, werde ich meine Entscheidung noch einmal überdenken.

  11. Dr. Bopp schreibt:

    Februar 2, 2010 um 18:06

    Die Wendung für einmal ist kein schlecht übersetztes Englisch. Ich habe hier, ohne mir dessen bewusst zu sein, offenbar einen sogenannten Helvetismus verwendet. In der schweizerischen Standardsprache kann man auch für einmal sagen, wenn man ausnahmsweise einmal meint. Nach dem „Variantenwörterbuch des Deutschen“ kommt diese Wendung auch im luxemburgischen Deutsch vor. Es könnte sich hier also um einen Einfluss aus dem Französischen (pour une fois) handeln. Vielleicht ist es aber auch einfach eine rein deutschsprachige Variante.

    Zurück zum Klapprechner: Wenn es ein ganz „seriöser“ Text ist, würde ich Laptop und nicht Klapprechner verwenden. Das Wort Klapprechner gibt es – wie gesagt – schon länger, aber es ist leider (noch) nicht überall bekannt und akzeptiert. Es wird meist eher humorvoll verwendet.