Es schneit

Es schneit wieder einmal. In den vergangenen Jahren wurde die kalte Jahreszeit vor allem in tieferen Lagen ihrem Namen oft nicht gerecht, aber nun wintert es richtig, wie es sich gehört. Wenn Sie nun vermuten, dass ich beim heutigen Schneefall etwas über Skirennen, globale Erwärmung oder verspätete Züge schreibe, täuschen Sie sich. Mir ist das Wörtchen es aufgefallen. Es geht also um das es in zum Beispiel:

Es schneit.
Es wintert.
Es geht also um …

Wahrscheinlich wissen viele, dass dieses es ein sogenanntes unpersönliches es ist. Es gibt nichts und niemanden, der oder das schneien, wintern oder in diesem Sinne um etwas gehen würde. Dieses es hat also weder Inhalt noch Bedeutung. Wozu dient es denn, wenn es nichts bedeutet?

Das unpersönliche es hat mit dem Satzbau des Deutschen zu tun. Es gibt verschiedene Regeln, wie ein grammatisch korrekter deutscher Satz auszusehen hat. Einige dieser Regeln sind sehr stark, andere wiederum sind eher schwache Tendenzen. Eine sehr starke Regel lautet, dass ein Satz ein konjugiertes Verb und ein Subjekt haben muss, nach dem sich die Verbform richtet. Diese Regel ist so stark, dass wir ein völlig inhaltsleeres Wörtchen benutzen müssen, nur damit sie eingehalten wird. Auch wenn wir beim besten Willen nicht bestimmen können, wer oder was schneit, können wir nicht einfach das Subjekt weglassen. Nein, wir müssen ein es einfügen, weil es nun einmal keine subjektlosen Sätze geben darf.

Nun könnte man meinen, dass dies wieder so etwas typisch Deutsches sei: eine Regel, die so streng gehandhabt wird, dass man sogar Wörter für nicht Bestehendes bemüht, nur um sie einhalten zu können. Das Klischee stimmt aber insofern nicht, als das Deutsche hier unter den europäischen Sprachen nicht allein steht. Während zum Beispiel das Italienische und Spanische ohne die Nennung eines Subjekts auskommen,

Nevica.
Está nevando.

muss man z. B. im Englischen, Französischen, Niederländischen und Schwedischen wie im Deutschen ein unpersönliches Wörtchen für das Subjekt verwenden:

It is snowing.
Il neige.
Het sneeuwt.
Det snöar.

Im Weiteren gibt es „sogar“ im Deutschen Ausnahmen zu dieser Muss-Regel: Wenn man gewisse intransitive Verben im Passiv verwendet, stehen sie manchmal ganz ohne Subjekt. Nicht einmal ein es ist in ihnen zu finden:

Dem Manne kann geholfen werden.
Überall wird gelacht und gesungen.

Hier zeigt sich wieder einmal mehr, dass das Deutsche gar nicht so streng und strikt ist: keine Regel ohne Ausnahme. Mehr zum Wörtchen es finden Sie hier. Ich werde jetzt geeignetes Schuhwerk für einen Spaziergang durch den Schnee anziehen. Inzwischen hat es nämlich aufgehört zu schneien.

2 Kommentare

  1. Tom S. Fox schreibt:

    Februar 2, 2010 um 10:10

    Ist das unpersönliche Es nicht vielmehr darauf zurückzuführen, dass im Deutschen das Verb an zweiter Stelle stehen muss?

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Februar 2, 2010 um 11:21

    So könnte man auch argumentieren. Das würde aber noch nicht gleich erklären, warum das unpersönliche es in den folgenden Sätzen nicht wegfallen darf:

    Schneit es?
    Heute schneit es stärker als gestern.

    Im Fragesatz muss das Verb an erster Stelle stehen. Im zweiten Satz steht ein anderes Satzglied vor dem Verb an erster Stelle. In beiden Fällen ist es also nicht notwendig, für die Stellung des Verbs im Satz ein unpersönliches es einzufügen. Das es kann aber (außer in den oben erwähnten Passivsätzen) trotzdem nicht weggelassen werden. Es muss verwendet werden, weil der Satz sonst kein Subjekt hätte.

    Das Argument der obligatorischen Verbzweitstellung ist dann schlagkräftiger, wenn es um das es als Platzhalter für das Subjekt geht:

    Es steht jemand vor der Tür.

    Hier garantiert das es, dass das Verb an zweiter Stelle steht. Sobald ein anderes Satzglied an die erste Stelle tritt oder wenn das Verb selbst an erster Stelle stehen darf, fällt dieses es weg:

    Vor der Tür steht jemand.
    Steht jemand vor der Tür?

    Mehr zum Wörtchen es finden sie hier.