Gibt es „wettbar“?

Frage

Gibt es das Wort „wettbar“? Im Duden habe ich keinen entsprechenden Eintrag gefunden.

Antwort

Sehr geehrte Frau O.,

wenn ein Wort nicht im Duden (oder einem anderen Wörterbuch wie zum Beispiel Canoonet) steht, bedeutet das nicht unbedingt, dass es das Wort nicht gibt. Kaum jemand würde wohl behaupten, dass es die Wörter Badezimmertür, Abwaschbürste oder (ich habe gerade an ausstehende Gartenarbeiten gedacht) verpflanzbar nicht gibt. Keines von ihnen steht aber im Duden. So findet man in den Wörterbüchern auch bei Weitem nicht alle Ajektive auf ­bar (vgl. hier). Wie steht es nun mit wettbar?

Das Adjektiv wettbar ist mit bar vom Verb wetten abgeleitet. Bei transitiven Verben drückt das Suffix bar in der Regel aus, dass die Verbhandlung mit jemandem oder etwas gemacht werden kann:

anwendbar, lieferbar, verpflanzbar

Bei intransitiven Verben drückt es aus, dass die Verbhandlung durch jemanden oder etwas gemacht werden kann:

brennbar, gerinnbar

Manchmal drückt bar auch aus, dass etwas für die Verbhandlung geeignet ist:

tanzbar

Das Wort wettbar kommt nur selten vor, und zwar als Bildung der dritten Art. Bei Wettbüros u. Ä. wird es offenbar in Verbinung mit z. B. Rennen oder Spiel verwendet: Wenn ein Rennen wettbar ist, kann man auf dessen Ausgang wetten.

Zusammenfassend würde ich sagen, dass wettbar ein Fachwort aus dem Wettgeschäft ist, das in der Allgemeinsprache nicht oder nur sehr selten vorkommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

5 Kommentare

  1. Hugh schreibt:

    Mai 3, 2012 um 14:42

    Interesting analysis, but how do you know that the lady was asking nach der Sinn „to bet“, as you posted her question above she is a bit ambiguous. Couldn’t „wettbar“ come from English „wet bar“ meaning a place were alcoholic drinks are served?

  2. Christian schreibt:

    Mai 3, 2012 um 16:13

    Da fällt mir doch gleich die merkwürdige Werbesprachschöpfung „unkaputtbar“ ein, die es tatsächlich in den Duden geschafft hat.

    *ggg*

    Christian

  3. Dr. Bopp schreibt:

    Mai 4, 2012 um 08:12

    Ein Lehnwort wie dieses (wet bar) würde man aller Wahrscheinlichkeit nach mit nur einem t und mit großem Anfangsbuchstaben schreiben, also zum Beispiel Wet Bar oder Wetbar. Es gibt keinen Grund, das t zu verdoppeln, und auch eifrige Anglizismenliebhaber und -liebhaberinnen schreiben Substantive in der Regel groß. Ausschließen kann man natürlich nichts. Frau O. könnte auch eine Wettbar gemeint haben, das heißt eine Bar, in der man wetten kann. Aber auch das halte ich, nicht nur wegen der Kleinschreibung, für unwahrscheinlich.

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Mai 4, 2012 um 08:39

    Ja, das berühmt-berüchtigte unkaputtbar. Es ist falsch gebildet (mit -bar kann eigentlich nur von Verben abgeleitet werden), fällt entsprechend auf und ist trotzdem sofort verständlich. Eine für Werbezwecke äußerst gelungene Wortschöpfung! Inzwischen hat es sich auch in der Umgangssprache breitgemacht, wenn auch oft noch mit scherzhaftem Unterton. Die Zeit wird zeigen, ob uns unkaputtbar erhalten bleiben wird oder ob es wieder verschwindet, wenn die Wirkung des Neuen und Witzigen einmal nachgelassen hat.

  5. Julia schreibt:

    Mai 13, 2012 um 17:25

    Nur eine kurze Zwischenfrage: Wenn ich z.B. sage „Ich könnte darauf wetten“ – is es dann wettbar??