Wie antiquiert sind Widernisse?

Hinweis

Das vielleicht etwas antiquiert wirkende, aber immer noch gebräuchliche Wort „Widernis“ fehlt mir in Ihrer hilfreichen Datenbank.

Reaktion

Sehr geehrter Herr B.,

vielen Dank für den Hinweis! Zuerst habe ich mich ein bisschen gewundert, dass das Wort Widernis nicht in Canoonet zu finden ist. Schließlich kommt mir vor allem der Plural Widernisse recht bekannt vor. Es ist zwar kein Wort, das mir täglich mindestens fünfmal begegnet, aber auch kein äußerst seltenes lexikalisches Unikum. Mein Erstaunen wuchs, als ich feststellte, dass das Wort auch in keinem anderen der mir zur Verfügung stehenden Wörterbücher steht. Nur das Wörterbuch der Gebrüder Grimm erwähnt es 1960, allerdings mit der Bemerkung:

in hist. wbb. nicht gebucht und auch literar. nur selten bezeugt

Widernis stand also 1960 nicht in historischen Wörterbüchern und in literarischen Texten war es offenbar nur selten zu finden. Das Wort scheint früher nicht allzu populär gewesen zu sein.

Der Ngram Viewer von Google erlaubt es, größere Mengen von Büchern und Zeitschriften nach einem bestimmten Wort zu durchsuchen. Ich habe dies einmal für Widernisse und die Dativform Widernissen für die Zeitspanne 1850 bis 2000 getan:

So beliebt war das Wort also früher gar nicht. Es kommt in der gemessenen Zeitspanne erst ab ca. 1875 ein paarmal vor. Wenn man dem Graphen weiter glauben darf, erlebte Widernisse(n) Ende der Dreißigerjahre des letzten Jahrhunderts einen bescheidenen Höhepunkt, ging seine Verwendung danach ein paar Jahrzehnte zurück und wird es seit den Neunzigerjahren wieder relativ häufig verwendet.

Könnte es sein, dass Widernisse nur antiquiert wirkt, es aber im Gegenteil gar nicht ist? Wir werden auf jeden Fall genauer prüfen müssen, ob das Wort es nicht doch verdient, in Canoonet aufgenommen zu werden. Vor allem der Plural Widernisse scheint ja „neuerdings“ vergleichsweise häufig vorzukommen.

Ich wünsche Ihnen ein gutes neues Jahr, das möglichst frei von Widernissen sein möge!

Dr. Bopp

4 Kommentare

  1. Yoav Sapir schreibt:

    Dezember 30, 2012 um 12:25

    Zu einem bestimmten Eintrag auf der »Wortschatz«-Website der Uni Leipzig kann man nicht verlinken, aber »Widernisse« ist da registriert:

    ————-

    Wort: Widernisse
    Anzahl: 2
    Häufigkeitsklasse: 21 (d.h. der ist ca. 2^21 mal häufiger als das gesuchte Wort)
    Morphologie: wid|er|niss|e
    Grammatikangaben: Wortart: Substantiv
    Stammform: Widernis
    Links zu anderen Wörtern:

    Antonym von: Nisse, nisse

    Beispiel(e):
    Denn schlechte Zeiten haben diese Frau und dieser Mann in den letzten 35 Jahren reichlich erlebt – und dennoch durch alle Widernisse zueinander gestanden. (Quelle: welt.de vom 11.04.2005)
    Analystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz bestätigte die Bayer-Aktie trotz aller Widernisse mit „Outperform“. (Quelle: handelsblatt.com vom 15.06.2006)

    Signifikante Kookkurrenzen für Widernisse: Keine Wörter gefunden.

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 2, 2013 um 15:57

    Vielen Dank für den Hinweis auf:
    http://wortschatz.uni-leipzig.de/cgi-bin/wort_www.exe?site=1&Wort=Widernisse

    Ich hatte hier unsorgfältigerweise nur nach dem Singular Widernis gesucht. Die morphologische Analyse und das Antonym Nisse (Widernisse wird hier als Gegenteil von Nisse angegeben) zeigen, dass es sich zweifellos um einen automatisch erzeugten Eintrag handeln muss. Der Eintrag ist im Übrigen aufgrund von nur zwei Fundstellen aus den Jahren 2005 und 2006 erstellt worden.

  3. Holger schreibt:

    Januar 4, 2014 um 22:55

    Vielen Dank für das neue Wort. Aber was heißt es denn eigentlich? Und welches „populärere“ Wort würde es denn ersetzen? Widrigkeiten? Hindernisse? Vielen Dank für die Aufklärung vorab.

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 5, 2014 um 10:17

    Widernisse bezeichnet in der Regel Widerwärtigkeiten, Widrigkeiten, Bedrängnisse (vgl. die Angaben in Grimm, auf die schon im Artikel verwiesen wird). Ob das Wort ein anderes ersetzt oder verdrängt, kann ich nicht beurteilen.