Schicksalhaftigkeit und andere „fehlende“ Wörter

Frage

Ich wüsste gerne, ob das Wort „Schicksalhaftigkeit“ korrekt ist. Bei den mit -igkeit endenden Wörtern auf Canoonet finde ich es leider nicht.

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

das Wort Schicksalhaftigkeit ist korrekt. Wenn eine Sache schicksalhaft ist, kann man von deren Schicksalhaftigkeit sprechen.

Die Wahlbeteiligung für den Reichstag lag bei etwa 84 Prozent und trug der von allen Seiten beschworenen »Schicksalhaftigkeit« Rechnung.
Er ist überzeugt von der Schicksalhaftigkeit dieser großen Liebe und sagt: „Mit Michaela war es schon vor 19 Jahren Liebe auf den ersten Blick.“
Es scheint mir wichtig, dass man die Gestaltbarkeit des Lebens mit der Schicksalhaftigkeit des Alters kombiniert.
Beispielsätze aus: Wortschatz-Portal der Universität Leibzig

Im Prinzip kann von allen Adjektiven auf …haft ein Substantiv der Form …haftigkeit gebildet werden. Lange nicht alle diese möglichen Bildungen sind in Wörterbüchern verzeichnet. Weitere Beispiele von nicht in (allen) Wörterbüchern verzeichneten Substantiven dieser Form:

Amateurhaftigkeit
Bruchstückhaftigkeit
Engelhaftigkeit
Fieberhaftigkeit
Frühlingshaftigkeit [endlich!]
Heldenhaftigkeit
Instinkthaftigkeit
Zwanghaftigkeit
usw.

Ich möchte hier wieder einmal erwähnen, dass Wörterbücher nicht alle möglichen Wörter auflisten können. So sind auch bei Weitem nicht alle möglichen Zusammensetzungen von Substantiven oder alle Verbableitungen mit …bar und …ung in Wörterbüchern zu finden.

Das Umgekehrte muss deshalb immer wieder betont werden: Wenn ein Wort nicht im Wörterbuch steht, heißt das keineswegs zwangsläufig, dass es ein Wort nicht gibt. Die Wortbildungskraft unserer Sprache ist viel zu lebendig und zu mächtig, als dass sie sich in ein Wörterbuch – und sei es noch so groß und digital – packen ließe. Die Regel, dass ein Wort nur dann „gültig“ ist, wenn es im Wörterbuch steht, kann deshalb höchstens beim Scrabble-Spielen angewandt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.