Das Komma vor „dass“

Frage

Vor „dass“ steht immer ein Komma. Gibt es Ausnahmen zu dieser Regel?

Regeln sind gut, abgesehen davon (Komma?) dass es viele Ausnahmen gibt.

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

mit dass werden Nebensätze eingeleitet und entsprechend steht meistens ein Komma vor ihm. „Meistens“ ist nicht immer: Bei Aufzählungen kann dass ganz „kommalos“ sein, und bei mehrteiligen Nebensatzeinleitungen kann das Komma nicht unmittelbar vor dass, sondern vor dem ersten Teil der Einleitung stehen.

Kein Komma steht, wenn der mit dass eingeleitete Nebensatz nach z. B. und oder oder steht und Teil einer gleichrangigen Aufzählung ist:

Ich hoffe, dass es euch gefallen hat und dass ihr uns bald wieder einmal besucht.
Ich glaube, dass er gar nicht kommt oder dass er viel zu spät sein wird.
Das kann bedeuten, dass sie sich entweder tatsächlich nicht mehr erinnert oder dass sie lügt.

Siehe auch hier.

Wenn dass Teil einer mehrteiligen Nebensatzeinleitung ist, steht unmittelbar vor ihm häufig kein Komma. Zum Beispiel:

Das ist zu schön, als dass es wahr sein könnte.
Sie hat nichts gesagt, außer dass sie kurz weggehe.
Anstatt dass ihr nur zuschaut, könntet ihr uns auch helfen!
Sie haben mir alles erzählt, auch dass du mitgegangen bist.
Er war zufrieden, nur dass es nichts zu essen gab, hat ihn gestört.

Siehe auch hier.

Manchmal kann zwischen die Teile einer mehrteiligen Einleitung ein Komma gesetzt werden:

Angenommen[,] dass alles gutgeht, wie lange wird es dann dauern?
Etwas wusste ich damals noch nicht, nämlich[,] dass er verheiratet war.
Du kennst den Titel ihres Buches nicht, geschweige[,] dass du es gelesen hat.

Siehe auch hier.

Hiermit sind wir endlich bei Ihrem Beispiel. Hier sollte vor dass ein Komma stehen, weil der Nebensatz durch davon angekündigt wird und sozusagen zweimal im Satz erscheint:

Regeln sind gut, abgesehen davon, dass es schwierige Ausnahmen gibt.

Und zum letzen Mal für heute: Siehe auch hier.

In diesem Bereich ist es tatsächlich sehr schwierig, einfache Regeln zu formulieren!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

12 Kommentare

  1. Heidrun Schmidt schreibt:

    Juli 29, 2015 um 20:50

    Guten Abend,

    ich hätte eine Frage zur Kommasetzung bei „…, und dass das Haus brannte …“ Ich habe immer wieder Texte, die ich inhaltlich nicht verändern darf, weil es Diktate sind. Ich glaube auch, dass die Frage ist mit dem Hinweis auf § 72 beantwortet ist, dort heißt es: „Die folgenden Konjunktionen (z. B. und) verbinden gleichrangige Wörter, Wortgruppen oder Teilsätze, ohne dass ein Komma geschrieben wird.“

    Aber trifft es auch auf die Sätze zu, wie in diesem Beispiel, mich irritiert hier insbesondere die Konstellation „…,, und dass das …“:

    Das Haus brannte lichterloh, und dass das weit zu sehen war(,) und dass das jeder hörte(,) und dass das die Kinder freute(,) und dass das alles abbrannte, war allen bewusst.

    Wird hier ebenso nur das erste Komma gesetzt und alle weiteren nicht? Ein Rest an Unsicherheit bleibt?? Ich wäre glücklich, wenn ich ganz sicher sein könnte ;o)

    Viele Grüße
    H. Schmidt

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Juli 30, 2015 um 13:12

    Ich würde die Kommas wie folgt setzen:

    Das Haus brannte lichterloh, und dass das weit zu sehen war und dass das jeder hörte und dass das die Kinder freute und dass das alles abbrannte, war allen bewusst.

    Das erste und verbindet einen Hauptsatz und ein Satzgefüge, das mit einem Nebensatz beginnt. Es ist zwar fakultativ, aber doch sehr zu empfehlen, weil es die Gliederung des Gesamtsatzes verdeutlicht. Nach diesem ersten und folgt ein Satzgefüge, das aus einer Aufzählung von vier dass-Sätzen und einem Hauptsatz besteht. Wenn und in einer Aufzählung Nebensätze verbindet, steht kein Komma vor ihm (§ 72). Vgl.

    Allen war bewusst, dass das weit zu sehen war und dass das jeder hörte und dass das die Kinder freute und dass das alles abbrannte.

  3. Jan schreibt:

    November 4, 2015 um 11:55

    Wie ist es mit folgendem Satz?

    „Ich wünsche Dir alles Gute [Komma?] und [Komma?] dass Du noch lange leben wirst.“

    Ich plädiere für (nur) das zweite Komma, aber ich habe von anderen auch schon gehört, dass sie (nur) das erste Komma oder gar keins setzen würden. Was ist richtig?

  4. Dr. Bopp schreibt:

    November 4, 2015 um 13:10

    Dieser Satz kommt ganz ohne Kommas aus:

    Ich wünsche dir alles Gute und dass du noch lange leben wirst.

    Siehe hier.

  5. Jan schreibt:

    November 4, 2015 um 13:23

    Ah, danke 🙂 Wieder was gelernt

  6. Nutzer schreibt:

    April 3, 2016 um 22:45

    Danke, Herr Bopp, auch ich bin nun endgültig schlauer geworden.

  7. Can Sabanci schreibt:

    Juni 19, 2016 um 09:01

    Hallo zusammen.

    Was ist wenn es nur ein Satz, ohne Nebensatz ist?

    Schön das (dass?) es dich gibt!

    Danke
    Can

  8. Dr. Bopp schreibt:

    Juni 19, 2016 um 23:09

    Dann steht ein Komma:

    Schön, dass es dich gibt.

    Vgl. die nicht verkürzte Variante:

    [Es ist] schön, dass es dich gibt.

  9. T.D. schreibt:

    Oktober 30, 2016 um 10:23

    Wie steht es hier, was ist richtig? 🙂

    Danke, dass Ihr den Tag mit uns verbracht habt, und für Eure großzügigen und schönen Geschenke!

    Danke, dass Ihr den Tag mit uns verbracht habt und für Eure großzügigen und schönen Geschenke!

    Für mich wäre die erste Variante logischer.

  10. Dr. Bopp schreibt:

    Oktober 31, 2016 um 16:48

    Wenn ein Nebensatz und eine Wortgruppe durch und miteinander verbunden sind, steht zwischen ihnen kein Komma. Richtig ist hier also:

    Danke, dass Ihr den Tag mit uns verbracht habt und für Eure großzügigen und schönen Geschenke!

    Danke für Eure großzügigen und schönen Geschenke und dass Ihr den Tag mit uns verbracht habt!

    Siehe auch hier.

  11. B.S: schreibt:

    Februar 16, 2017 um 18:45

    Und wie wäre es hier:

    Die Botschaft, die sich zwischen den Zeilen befindet, ist (Komma?) dass die Leute nicht immer die Anderen für das Schlechte in ihrem Leben beschuldigen sollen.

    Soll es also 2 oder 3 Kommas im Satz geben?

  12. Dr. Bopp schreibt:

    Februar 21, 2017 um 12:35

    In diesem Satz steht vor und nach ist ein Komma:

    Die Botschaft, die sich zwischen den Zeilen befindet, ist, dass die Leute nicht immer den anderen die Schuld für das Schlechte in ihrem Leben geben sollen.

    Das Komma vor ist schließt den Relativsatz ab, das Komma nach ist trennt den dass-Satz ab. Keines von beiden kann weggelassen werden. Siehe auch hier.