Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Zwei aktuelle Ereignisse, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, sind das nordkoreanisch-amerikanische Trump-Kim-Spitzentreffen in Singapur und der neue Name der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Auch auf den zweiten und dritten Blick ist kaum ein Zusammenhang erkennbar – dafür braucht es schon einen Blog über Grammatik und Rechtschreibung des Deutschen. In diesem Fall geht es um die Rechtschreibung: Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Namen von Ländern, Regionen usw. die mit einer Himmelsrichtung beginnen, werden im Deutschen in der Regel zusammengeschrieben:

Nordkorea, Nordirland, Nordbayern
Südkorea, Südafrika, Südtirol
Ostasien, Ostösterreich, Ostfriesland
Westeuropa, Westdeutschland, die Westschweiz
Südostasien, Südwestafrika, Nordwestmecklenburg
Ostwestfalen

Dabei macht es nichts aus, ob ein Staat oder eine Region gemeint ist, ob es sich um einen offiziellen oder einen inoffiziellen Namen handelt oder ob es den entsprechenden Namen mit der gegenüberliedgenden Himmelsrichtung ebenfalls gibt. Deshalb war ich etwas erstaunt, dass in fast allen Pressemitteilungen der neue Name des Republik im Herzen Südosteuropas mit einem Bindestrich geschrieben wird:

Republik Nord-Mazedonien

Ich hätte nämlich erwartet, dass man hier – wie sonst auch – ohne Bindestrich auskommen würde:

Republik Nordmazedonien

Was bei Nordkorea, Südkorea, Südafrika und noch nicht so lange auch Südsudan möglich ist bzw. früher bei Nord- und Südvietnam oder Ost- und Westdeutschland möglich war, sollte doch auch bei Nordmazedonien zu keinen größeren Leseschwierigkeiten führen.

Das waren natürlich erst die ersten Presseberichte, wer weiß, wie sich die Schreibung des Namens einbürgern wird. Und um auf einer richtig schön nörglerischen Note zu enden: immer noch besser Nord-Mazedonien mit einem (meiner Meinung nach überflüssigen) Bindestrich als das ebenfalls in einigen Meldungen stehende (eindeutig falsch geschriebene) *Nord Mazedonien!

PS: Bei der automatischen Rechtschreibprüfung ist mir aufgefallen, worauf die Schreibung mit Bindestrich (oder gar die Getrenntschreibung) u. a. zurückzuführen sein könnte: Das Prüfprogramm lässt nur Nord-Mazedonien und Nord Mazedonien durch, Nordmazedonien hingegen wird als Fehler angemerkt …

4 Kommentare »

  1. Winfried schreibt:

    Juni 14, 2018 um 09:08

    Wenn man mit Google nach den beiden Schreibweisen sucht, ist auch die Schreibweise mit Bindestrich häufiger:
    „Nord-Mazedonien“ – 37100 Treffer
    „Nordmazedonien“ – 6110 Treffer

    Bei Wikipedia stehen beide Schreibweisen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Streit_um_den_Namen_Mazedonien

  2. Dr. Bopp schreibt:

    Juni 14, 2018 um 09:44

    Die Zukunft wird weisen, welche Schreibweise sich offiziell und inoffiziell durchsetzen wird. Auch die Möglichkeit, dass sowohl Nordmazedonien als auch Nord-Mazedonien verwendet wird (so wie in Wikipedia), ist bestimmt nicht auszuschließen. Varianten gibt es ja sehr häufig. Meine Empfehlung: Nordmazedonien; Begründung siehe oben.

  3. Michael Eluki schreibt:

    Dezember 31, 2019 um 04:42

    Da geht es nicht um’s Durchsetzen, sondern schlicht um die verbindliche Festschreibung der Schreibweise in der DIN EN ISO 3166-1 . Da das aber inkl regelmäßiger Updates einiges kostet, empfiehlt sich die in der Regel auch sehr zeitnah vom Auswärtigen Amt als offizielle amtliche Schreibweise übernommene Version (https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/) Die Suche dort ist insoweit fehlertolerant, als dass bei Änderungen von Staatsnamen auch die Eingabe eines historischen Namens auf die entsprechende Seite mit aktuellem Namen führt.

    Von Wikipedia möchte ich als langjähriger Autor dort dringend abraten. Dort steht nicht unbedingt das was richtig ist, sondern das, was der durchsetzungsfähigsten Gruppe am meisten zur Nase steht. Irgendwelche Normen interessieren da manchmal herzlich wenig, was auch nicht selten offen gesagt wird: „Die deutsche Wikipedia hat sich nach niemanden zu richten“ und ähnliches. Manchmal werden auch formalistische Gründe vorgeschoben und sehr beliebt ist auch die Deutschtümelei. So wird seid 15 Jahren hartnäckigst das Lemma „Elfenbeinküste“ durchgeboxt, statt den offiziellen und auch in Deutschland amtlichen Namen „Côte d’Ivoire“ zu verwenden, zumal Präsident Houphouët-Boigny Ende 1985 verfügte, dass der Landesname nur noch mit dem französischen Namen Côte d’Ivoire geführt und nicht in andere Sprachen übersetzt werden darf. Genauso verbohrt wird am Namen Swasiland festgehalten, obwohl der Staat seit eineinhalb Jahren offiziell und auch amtlich in den D-A-CH-Ländern „Eswatini“ heißt. Und so gibt es etliche Länder (und auch Städte und anderes) bei denen eine starke wohl z.T. auch xenophob angehauchte Gruppe ihren Gusto durchdrückt.

  4. Dr. Bopp schreibt:

    Januar 3, 2020 um 15:18

    Auch bei der Vewendung von Ländernamen in der Allgemeinsprache gilt, dass sich die Allgemeinsprache nicht unbedingt an die Terminologien der Fachsprachen zu halten hat. Man kann die offiziellen und amtlichen Listen des Auswärtigen Amtes, des Außenministeriums bzw. des Departementes für auswärtige Angelegenheiten oder die DIN EN ISO 3166-1 als solche fachsprachliche Listen bezeichnen. Wer sich daran halten will oder muss, sollte dies tun. Allgemein verbindlich sind diese Listen nicht, vor allem dann nicht, wenn im allgemeinen Sprachgebrauch eine andere Form üblich ist. Côte d’Ivoire wird außerhalb amtlicher und diplomatischer Kontexte immer noch hauptsächlich Elfenbeinküste genannt. Das ist nicht falsch, so wie es auch nicht falsch ist Schraubenzieher zu sagen, obwohl es gemäß einer DIN nur Schraubendreher gibt. Vgl. hier.

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