Was ist das „schön“ in „sich schön machen“?

Trotz des heutigen Rosenmontags hier kein buntes Karnevalstreiben, kein ausgelassener Faschingstrubel und keine fröhliche Fasnachtsfeier, sondern trockene Syntax.

Frage

Ich habe einen Zweifel im Zusammenhang mit folgendem Satz:

Ich mache mich schön für das Fest.

Welche syntaktische Funktion hat das Wort „schön“ in diesem Satz, Attribut oder Adverb?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wie das „schön“ in „Ich mache mich schön“ genau genannt werden soll, darüber sind sich die verschiedenen Grammatiken nicht einig. Zuerst aber dazu, was es nicht ist:

Es ist keine Adverbialbestimmung, denn es bezieht sich nicht auf das Verb, sondern auf das Objekt des Satzes. In

Ich schminke mich schnell

ist „schnell“ eine Adverbialbestimmung (der Art und Weise). Es gibt an, wie das Schminken geschieht. In

Ich mache mich schön

ist „schön“ keine Adverbialbestimmung, denn es bezieht sich nicht auf die Verbhandlung, sondern auf das Akkusativobjekt „mich“.

In Ihrem Satz ist „schön“ auch kein Attribut, denn ein Attribut gehört, sehr grob gesagt, zu einem Nomen, Adjektiv oder Adverb und kann nur zusammen mit diesem verschoben werden. Hier bestimmt „schön“ zwar „mich“ näher, aber die beiden Elemente bilden zusammen kein Satzglied.

In „Ich mache mich schön“ ist „schön“ ein Prädikativ im weiteren Sinne, das heißt ein Prädikativ, das nicht bei einem Kopulaverb (sein, werden, bleiben; finden, halten für u. a. m.), sondern bei einem Vollverb steht. Ein Prädikativ bildet zusammen mit dem Verb das Prädikat des Satzes, das heißt die zentrale Einheit des Satzes, von der andere Satzzeile wie Subjekt, Objekte und Adverbialbestimmungen abhängig sind.

Je nach Grammatik wird ein Prädikativ wie dieses „schön“ Resultatsprädikativ, Objektsprädikativ bei kausativen Verben, freies Prädikativ, Resultativprädikativ, resultatives Objektsprädikativ oder sogar Prädikativkomplement in der Transitivierungskonstruktion genannt. Was damit gemeint ist, sieht man am besten anhand einiger Beispiele:

Du hast das Spielzeug kaputt gemacht.
Trinkt eure Gläser leer!
Das Eiweiß steif schlagen
Der Hund beißt das Kaninchen tot.
Der Prinz küsst Dornröschen wach.
Wir liefen uns die Füße wund.

Die Verbhandlung bewirkt ein Resultat, und zwar beim Akkusativobjekt. Das Spielzeug ist danach kaputt, die Gläser sind leer, die Sahne steif usw. Die zentrale Einheit des Satzes ist kaputt machen, leer trinken, steif schlagen, tot beißen, wach küssen bzw. wund laufen. Dass das Prädikativ und das Verb  eng zusammengehören sieht man indirekt auch daran, dass solche „resultative Verbverbindungen“ auch zusammengeschrieben werden können: kaputtmachen, leertrinken, steifschlagen, totbeißen, wachküssen bzw. wundlaufen.

Eine eindeutige Antwort, wie das „schön“ in Ihrem Beispiel genannt wird, kann ich Ihnen hier also nicht geben. Es sollte aber hoffentlich ein bisschen klarer sein, welche Funktion es im Satz hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

K.