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Sind die Wochentage Eigennamen?

Frage

Sind Wochentage nicht auch Eigennamen? Wenn nein, weshalb nicht? Wenn ja, weshalb werden sie auf dieser Seite nicht erwähnt und weshalb heißt es dann nicht „An Sonntag gehen wir in die Berge“, sondern „Am Sonntag gehen wir in die Berge“? Vor Eigennamen wird doch kein Artikel benötigt.

Antwort

Guten Tag Herr W.,

die Bezeichnungen für die Wochentage sind keine eigentlichen Eigennamen, sondern Zeitbegriffe. Deshalb werden sie nicht auf der Seite, die Sie erwähnen, aufgeführt. Mit Sonntag wird nicht ausschließlich ein einzelner, einmalig vorkommender Tag bezeichnet. Jede Woche hat einen Sonntag.

Die Bezeichnungen für die Wochentage sind den Eigennamen aber sehr ähnlich. So kann man sie ohne Artikel und ohne Präposition verwenden, wenn ein ganz bestimmter Tag wie zum Beispiel der soeben vergangene oder der erstfolgende so bezeichnete Tag gemeint ist:

Mittwoch fahre ich in die Stadt
Ich bin Montag angekommen
Ihr habt bis Mittwoch Zeit
in der Nacht von Montag auf Dienstag

Ebenfalls ohne Artikel z. B.:

Heute ist Dienstag

Sonst werden sie in der Regel mit Artikel verwendet, meist auch dann, wenn der soeben vergangene oder der erstfolgende so genannte Tag gemeint ist:

Am Mittwoch fahre ich in die Stadt
Ich bin am Montag angekommen
Ihr habt bis zum Mittwoch Zeit
in der Nacht vom Montag auf den Dienstag

Dass Ihr Zweifel sehr berechtigt ist, zeigt sich auch darin, wie die Wochentage in anderen Sprachen behandelt werden: Im Englischen werden sie wie Eigennamen großgeschrieben (Today is Tuesday), im Französischen aber wie „gewöhnliche“ Substantive klein (Aujourd’hui, c’est mardi).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie der ganze Satz, so der Auslassungssatz

Frage

Bei uns kam heute die Frage auf, ob das Komma bei dieser Redensart erforderlich ist. Eine Google-Suche lieferte mitunter selbst Buchtitel ohne Komma.

Wie der Vater so der Sohn.
Wie der Vater, so der Sohn.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

das Komma sollte gesetzt werden. Es handelt sich um einen Auslassungssatz (einen unvollständig formulierten Satz). Auslassungssätze werden bei der Kommasetzung in der Regel wie vollständige Sätze behandelt:

Wie der Vater ist, so ist auch der Sohn.
Wie der Vater, so der Sohn.

Hier einige ähnliche Fälle:

Wie du mir, so ich dir.
Heute so, morgen anders.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Ende gut, alles gut.

Und hier ein paar weniger sprichwortartige Beispiele:

Ich weiß nicht, was tun.
Schön, dass du da bist.
Hauptsache, ihr seid gesund.
Wie gestern am Telefon besprochen, hier mein Bericht.

Natürlich geht es nicht ohne Zweifels- und andere Fälle. Nach der Rechtschreibregelung können „formelhafte Nebensätze“ (stark verkürzte Nebensätze mit wenn und wie) auch ohne Komma stehen:

Wenn nötig, schicken wir Ihnen ein anderes Exemplar.
Wenn nötig schicken wir Ihnen ein anderes Exemplar.

Sie sollten, wenn möglich, sofort kommen.
Sie sollten wenn möglich sofort kommen.

Wie bereits gesagt, sind sie gestern abgereist.
Wie bereits gesagt sind sie gestern abgereist.

Immer ohne Komma stehen Vergleiche mit als oder wie, die keine Nebensätze sind. Sie gelten nicht als Auslassungssätze, auch wenn man sie als solche interpretieren könnte (vgl. hier):

Das ging besser als erwartet.
Du fährst schneller als nötig.
Sie ist genauso schlau wie er.
Wie schon letztes Jahr machten sie auch dieses Jahr wieder mehr Gewinn.

Im Prinzip gilt aber, dass Auslassungssätze bei der Kommasetzung gleich behandelt werden wie vollständig ausformulierte Sätze. Wie der ganze Satz, so der Auslassungssatz.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Walnuss und der Walfisch

Auch diesen Herbst sind zwei Eichhörnchen fleißig damit beschäftigt, auf einer erstaunlich geraden Linie über eine Hecke, einen Felsenbirnenbaum, einen japanischen Ahorn und das Garagendach des einen Nachbarn, Walnüsse vom Walnussbaum des anderen Nachbarn in den Wald zu befördern, wo sie ihre Beute wahrscheinlich irgendwo als Wintervorrat vergraben. Das hat dieses Jahr bei mir nicht nur zu amüsiert-bewunderndem Zuschauen, sondern auch zur folgenden Frage geführt: Woher kommt das Wal- in Walnuss?

Der Name hat mir der Herkunft der Nuss zu tun: Sie ist aus Italien und/oder Frankreich zu uns gelangt und wurde im Unterschied zur einheimischen Haselnuss *walhnut genannt. Ins heutige Deutsch übertragen bedeutet dies welsche Nuss oder Welschnuss. Das Adjektiv welsch wird heute in der Schweizer Alltagssprache noch für aus dem Welschland, das heißt aus der französischen Schweiz Stammende und Stammendes verwendet. Allgemeindeutsch bedeutete es aus dem romanischen Bereich (insbesondere Italien, Frankreich und Spanien) stammend. Ursprünglich ist das Adjektiv eine Ableitung vom Namen eines keltischen Stammes (Volcae/*Walhos). Zuerst wurden damit die Kelten bezeichnet und nach der Eroberung durch die Römer die romanische Bevölkerung Galliens, aber auch die Bewohner Italiens. Der langen Erklärung Höhepunkt: Sprachgeschichtlich ist die Walnuss mit Namen wie Wales, Cornwall, Wallonien und Welschland verwandt.

Hat die Walnuss auch etwas mit dem Wal oder umgangssprachlich auch Walfisch genannten Meeressäugetier zu tun? Höchstwahrscheinlich nicht. Der genaue Ursprung des Wortes Wal ist zwar ungewiss, aber die Erklärungen haben alle etwas mit Fischnamen und nichts mit welsch zu tun. Und auch der Name des Schweizer Kantons Wallis hat eine andere Herkunft. Er liegt zwischen den Bergen und leitet seinen Namen von vallis, dem lateinischen Wort für Tal, ab.

Wenn die Walnuss auch nichts mit dem Walfisch zu tun hat, war ich doch überrascht, dass ihre historische Wortverwandtschaft von Wales über Wallonien bis ins Welschland anzutreffen ist. Den Eichhörnchen wird das allerdings eher egal sein.

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Knifflige Adjektivbeugung: „dessen eines fehlende[s?] Bein“

Keine Angst, hier werden keine Insekten gequält, Frösche seziert oder frankensteinsche Monster zusammengesetzt. Es geht nur um ein fehlendes Tischbein und die Adjektivbeugung.

Frage

Ich habe mal wieder eine knifflige Frage und komme leider nicht weiter. Ist der folgende Satz grammatikalisch richtig?

Unruhig flackernde Kerzen standen auf einem Tisch, dessen eines fehlendes Bein durch einen Stapel Bücher ersetzt worden war.

Ich bin der Meinung, es müsste „… dessen eines fehlende Bein ersetzt …“ heißen.

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Antwort ist einfach: Der Satz ist mit dessen eines fehlendes Bein richtig formuliert. Etwas schwieriger ist die Erklärung, weshalb das so ist. Es geht um die Adjektivbeugung nach dessen und ein Zahlwort, das wie ein Artikel aussieht und sich wie ein Adjektiv verhält.

Auch wenn eines wie ein unbestimmter Artikel aussieht, ist es hier ein Zahlwort, das wie ein Adjektiv gebeugt wird. Es kann wie ein Adjektiv starke und schwache Endungen annehmen:

schwache Endung:
das eine Bein
dieses eine Bein
der eine Traum
dieser eine Traum

starke Endung:
sein eines Bein
dessen eines Bein
sein einer Traum
dessen einer Traum

Wie die Beispiele zeigen, wird ein Adjektiv – und in diesem Fall das Zahlwort ein… – nach dessen wie nach zum Beispiel sein stark gebeugt (vgl. hier und hier)

Das gilt auch auch für ein nachfolgendes Adjektiv, das heißt, ein weiteres Adjektiv wird gleich gebeugt (parallele Beugung):

schwache Endung:
das eine fehlende Bein
dieses eine fehlende Bein
der eine große Traum
dieser eine große Traum

starke Endung:
sein eines fehlendes Bein
dessen eines fehlendes Bein
sein einer großer Traum
dessen einer großer Traum

Der Satz ist also so, wie Sie in zitiert haben, richtig formuliert:

Unruhig flackernde Kerzen standen auf einem Tisch, dessen eines fehlendes Bein durch einen Stapel Bücher ersetzt worden war.

Es ist aber nicht sehr erstaunlich, dass Sie hier ins Zweifeln geraten sind. Formulierungen wie diese kommen nur selten vor. Weiter werden bei der Beugung von Adjektiven nach dessen und deren viele unsicher. Und wenn man dann einmal angefangen hat, darüber nachzudenken, hilft es nicht viel, dass eines ein Zahlwort ist, das wie ein Artikel aussieht und sich wie ein Adjektiv verhält.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Von „seit“ und „ab“

Frage

Wir lektorieren Texte [..] und es gibt eine Frage, die uns (und andere Lektoren, wie wir festgestellt haben) beschäftigt: der Gebrauch von „ab“ und „seit“ bei Angaben von Zeitspannen. Ich war stets der Meinung, dass „seit“ das Präsens verlangt, weil es sich immer um Umstände handelt, die noch andauern:

Seit 1992 ist er Geschäftsführer …,

Mit „ab“, und das ist bei historischen Texten ja meistens der Fall, wird eine Zeitspanne in der Vergangenheit ankündigt:

Ab 1938 war er Geschäftsführer

Auch wenn es evtl. nicht erwähnt wird, ist sehr wahrscheinlich, dass er es nicht mehr ist, daher Imperfekt.

Nicht möglich ist meiner Meinung nach:

Seit 1938 war er Geschäftsführer“

[…]

Antwort

Guten Tag Frau K.,

die Verwendung von ab und seit ist etwas komplexer, als sie oft dargestellt wird. Fangen wir mit seit an:

Die Präposition seit dient a) der Angabe eines Zeitpunktes, an dem etwas angefangen hat, das noch andauert, oder b) der Angabe eines Zeitraumes, an dessen Beginn etwas angefangen hat, das noch andauert:

a) Seit 2009 ist er Geschäftsführer
b) Seit 10 Jahren ist er Geschäftsführer

Der Zeitpunkt, an dem etwas noch andauert, ist häufig der Sprechzeitpunkt, was die häufige Verwendung des Verbs im Präsens erklärt:

Seit 2009 ist er Geschäftsführer
Seit 10 Jahren ist er Geschäftsführer
(In beiden Fällen ist er jetzt immer noch Geschäftsführer)

Ich kenne sie schon seit meiner Kindheit.
(Ich kenne sie jetzt immer noch)

Sie wohnen schon seit der Jahrtausendwende im gleichen Haus
(Sie wohnen jetzt immer noch in diesem Haus)

Er raucht schon seit über zwanzig Jahren
(Er raucht jetzt immer noch)

Der Zeitpunkt, an dem etwas immer noch fortdauert, kann aber auch in der Vergangenheit liegen:

Er war seit 1930 Geschäftsführer, als der Krieg ausbrach
(Er war bei Kriegsausbruch immer noch Geschäftsführer)

Sie traf dort einen Mann, der seit 10 Jahren Geschäftsführer war
(Er war immer noch Geschäftsführer, als sie ihn traf)

Die Nachbarin, die ich schon seit meiner Kindheit kannte, zog plötzlich aus
(Zum Zeitpunkt des Auszugs kannte ich die Nachbarin noch)

Sie wohnten schon seit der Jahrtausendwende im gleichen Haus, aber niemand grüßte sie
(Zum Zeitpunkt, an dem niemand sie grüßte, wohnten sie immer noch in diesem Haus)

Er rauchte schon seit über zwanzig Jahren, als er beschloss, damit aufzuhören
(Zum Zeitpunkt seines Beschlusses rauchte er noch)

Ob die Formulierung

Seit 1938 war er Geschäftsführer

möglich ist oder nicht, hängt somit vom weiteren Kontext ab. Die Wortstellung legt nahe, dass die Formulierung nicht richtig ist, aber unmöglich ist sie nicht:

Seit 1938 war er Geschäftsführer, als er 1945 endlich auch Mitinhaber wurde.
[üblicher: Er war seit 1938 Geschäftsführer, als er 1945 …]

Nicht richtig ist die Verwendung von seit, wenn die Zeitangabe nicht im Zusammenhang mit etwas noch Andauerndem gemacht wird. In den folgenden Sätzen sollte deshalb nicht seit verwendet werden:

*Seit 1938 war er Geschäftsführer. Er leitete den Betrieb zehn Jahre lang. *Seit 1948 war er dann …

Sie wohnten *seit der Jahrtausendwende einige Jahre im Zentrum. Heute wohnen sie wieder außerhalb der Stadt

Hier sollte mit ab oder von … an formuliert werden:

Ab 1938 war er Geschäftsführer. Er leitete den Betrieb zehn Jahre lang. Von 1948 an war er dann …

Sie wohnten ab der Jahrtausendwende einige Jahre im Zentrum. Heute wohnen sie wieder außerhalb der Stadt

Die Präposition seit verlangt also nicht unbedingt das Präsens. Sie sollte aber im Zusammenhang mit etwas zu einem bestimmten Zeitpunkt noch Andauerndem verwendet werden.

Ist dies nicht der Fall und soll dennoch angegeben werden, wann etwas angefangen hat oder anfängt, dann kommen – wie die Beispiele oben zeigen – ab oder von … an ins Spiel. Das ist auch der Grund, weshalb Lehrbücher manchmal angeben, ab stehe bei Angaben in der Zukunft. Das ist tatsächlich häufig der Fall. Etwas, das noch nicht angefangen hat, kann in der Regel nicht noch andauern, so dass seit nicht in Frage kommt:

Ab nächster Woche gehen alle wieder zur Schule
Wir werden vom nächsten Monat an mehr für das Abonnement bezahlen
Wer weiß, ob es Canoonet ab Januar 2020 noch geben wird?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Doppelte Reflexivpronomen sind standhaft: sich sich, dich dich, euch euch

Frage

Der Satz

Ihm wurde ein hochrangiger Posten versprochen, falls sich der selbst vom Thron gestoßene Sohn aus der Politik zurückziehe.

ist mit Sicherheit nicht korrekt. Aber wie müsste man es richtig machen? […]

Antwort

Guten Tag Herr H.,

der Satz ist tatsächlich nicht richtig formuliert. Es fehlt im etwas, wie auch diesen Sätzen etwas fehlt:

*Sie haben sich nicht an die Anweisungen haltend prompt verirrt.
*Dann begann das sich langweilende Publikum zu beklagen.
*Der Fluss windet sich immer erweiternd durch die grüne Landschaft.
*Ich bemühe mich nicht in Details zu verlieren.
*Schämt euch über andere lustig zu machen!

Wenn in einem Satz zwei Verbformen vorkommen, die beide ein Reflexivpronomen fordern, müssen beide Pronomen genannt werden – auch dann, wenn Ihr Korrekturprogramm vorschlägt, eines der beiden zu streichen. Es muss deshalb richtig heißen:

Sie haben sich, sich nicht an die Anweisungen haltend, prompt verirrt.
Dann begann das sich langweilende Publikum sich zu beklagen.
Der Fluss windet sich, sich immer erweiternd, durch die grüne Landschaft.
Ich bemühe mich mich nicht in Details zu verlieren.
Schämt euch euch über andere lustig zu machen!

Auch in Ihrem Satz fehlt ein sich. Außerdem sollte hier nicht das einfache Partizip gestoßene, sondern gestoßen habende stehen:

Ihm wurde ein hochrangiger Posten versprochen, falls sich der sich selbst vom Thron gestoßen habende Sohn aus der Politik zurückzieht.

Lange Partizipgruppen dieser Art sind aber sperrig und wenig lesefreundlich. Es ist hier sicher besser, eine andere Formulierung zu wählen. Je nach zeitlichen Verhältnissen zwischen dem Zeitpunkt des Versprechens und dem Zeitpunkt des Thronverzichts zum Beispiel:

Ihm wurde ein hochrangiger Posten versprochen, falls der Sohn, der sich selbst vom Thron gestoßen hatte, sich aus der Politik zurückziehe.
Ihm wurde ein hochrangiger Posten versprochen, falls sich der Sohn selbst vom Thron stoße und sich aus der Politik zurückziehe.

So bemüht man sich sich deutlich auszudrücken. Auch dieser (vor)letzte Satz zeigt, dass es stilistisch manchmal besser ist, umzuformulieren, wenn nicht weggelassen werden darf.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Neck Dissection, Neck-Dissection oder Neckdissection – Wie schreibt man Zusammensetzungen aus dem Englischen?

Frage

Meine Kolleginnen und ich fragen uns, ob man den aus dem Englischen kommenden medizinischen Begriff „Neck-Dissection“ zwingend mit Bindestrich schreiben muss, und wenn ja, wieso bzw. wenn nein, wieso nicht. […]

Antwort

Guten Tag Frau N.,

wenn Sie diesen englischen Begriff im Deutschen verwenden und sich an die Rechtschreibregelung halten wollen oder müssen, schreiben Sie zusammen oder mit Bindestrich:

Neckdissection
Neck-Dissection

Aus dem Englischen übernommene Zusammensetzungen von zwei Substantiven werden im Prinzip gleich behandelt wie „gewöhnliche“ deutsche Zusammensetzungen: Sie werden zusammengeschrieben (siehe hier). Längere und unübersichtliche Zusammensetzungen können auch mit Bindestrich geschrieben werden (siehe hier). Die Getrenntschreibung entspricht nicht den Regeln der amtlichen Rechtschreibregelung. Kurzum, es ist eigentlich ganz einfach.

Trotzdem halten sich sehr viele sehr oft nicht an diese Regeln und schreiben die Zusammensetzung wie im Englischen getrennt. Es könnte daran liegen, dass englische Begriffe nicht nur deshalb verwendet werden, weil sie für passender, treffender oder besser als deutsche Entsprechungen gehalten werden. Sie bringen auch ein gewisses Standing mit sich, das – vermeintlich oder tatsächlich – bei der ursprünglichen Getrenntschreibung besser zur Geltung kommt. Manche denken vielleicht auch, dass man Begriffe aus dem Englischen nicht „einfach so“ an die deutsche Rechtschreibung anpassen darf oder dass sie dadurch unleserlich werden. Das alles sind aber nur Spekulationen. Weniger spekulativ ist die folgende Liste mit einigen allgemein- und fachsprachlichen Zusammensetzungen, die mehr oder weniger häufig in deutschen Texten auftauchen:

Getrennt
nach RS-Regelung
nicht korrekt
Zusammen
nach RS-Regelung
korrekt
Mit Bindestrich
nach RS-Regelung
korrekt
Authoring Tool Authoringtool Authoring-Tool
Beach Volleyball Beachvolleyball Beach-Volleyball
Boarding Pass Boardingpass Boarding-Pass
Bungee Jumping Bungeejumping Bungee-Jumping
Case History Casehistory Case-History
Cloud Computing Cloudcomputing Cloud-Comupting
Content Manager Contentmanager Content Manager
Crowd Funding Crowdfunding Crowd-Funding
Customer Support Customersupport Customer-Support
Data Mining Datamining Data-Mining
Desktop Computer Desktopcomputer Desktop-Computer
Drag Queen Dragqueen Drag-Queen
Elevator Pitch Elevatorpitch Elevator-Pitch
Escape Room Escaperoom Escape-Room
Event Manager Eventmanager Event-Manager
Feasibility Study Feasibilitystudy Feasibility-Study
Field Worker Fieldworker Field-Worker
Food Truck Foodtruck Food-Truck
Gender Mainstreaming Gendermainstreaming Gender-Mainstreaming
Hair Styling Hairstyling Hair-Styling
Health Food Healthfood Health-Food
Home Office Homeoffice Home-Office
Internet Provider Internetprovider Internet-Provider
Junk Food Junkfood Junk-Food
Key Account Keyaccount Key-Account
Keynote Speaker Keynotespeaker Keynote-Speaker
Killer Application Killerapplication Killer-Application
Master Copy Mastercopy Master-Copy
Mirror Site Mirrorsite Mirror-Site
Muscle Shirt Muscleshirt Muscle-Shirt
Name Dropping Namedropping Name-Dropping
Neck Dissection Neckdissection Neck-Dissection
Package Deal Packagedeal Package-Deal
Party Service Partyservice Party-Service
Poker Face Pokerface Poker-Face
Quality Management Qualitymanagement Quality-Management
Sales Manager Salesmanager Sales-Manager
Science Fiction Sciencefiction Science-Fiction
Ticket Hotline Tickethotline Ticket-Hotline
User Account Useraccount User-Account
Voice Mail Voicemail Voice-Mail
Web Service Webservice Web-Service
Whale Watching Whalewatching Whale-Watching

Wenn Sie sich einfach nicht mit der zusammengeschrieben Variante anfreunden können (was in Fällen wie Feasibilitystudy oder Gendermainstreaming sicher verständlich ist), haben Sie immer die Möglichkeit, die Schreibung mit Bindestrich anzuwenden. Damit bewegen Sie sich rechtschreiblich auch auf Schulen und Ämtern noch im rotstiftsicheren Bereich.

Es geht mir hier nicht darum, die Verwendung englischer Begriffe dieser Art zu verteidigen oder zu verurteilen. Das ist eine andere Diskussion. Ich möchte nur darauf hinweisen, wie aus dem Englischen ins Deutsche übernommene Begriffe nach den geltenden Rechtschreibregeln geschrieben werden sollten. Sie können sich daran halten, aber Sie müssen es nicht tun (außer auf Schulen und Ämtern).

So viel zu den aus zwei Substantiven bestehenden Zusammensetzungen. Zu entlehnten Bildungen wie Same-Day-Surgery, Due Diligence, Chill-out-Room oder Kiss-and-ride-Zone komme ich vielleicht ein andermal.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Präpositionen, die manchmal zu Adverbien werden: unter, über, bis zu

Frage

Ich habe eine Frage zum Fall nach „unter“. Es heißt „Betriebe mit unter zehn Mitarbeitern“. Sagt man auch „Betriebe, die unter zehn Mitarbeitern beschäftigen“ oder ist „Betriebe, die unter zehn Mitarbeiter beschäftigen“ richtig? […]

Antwort

Guten Tag Frau T.,

heißt es unter zehn Mitarbeitern oder unter zehn Mitarbeiter? Diese Frage lässt sich gar nicht so einfach beantworten.

Wenn unter vor einer Zahlenangabe steht, hat es oft keinen Einfluss auf den Fall des nachfolgenden Wortes. Das ist dann der Fall, wenn unter durch weniger als ersetzt oder weggelassen werden kann. Man verwendet unter dann nicht als Präposition, die einen bestimmten Fall verlangt, sondern als Adverbialbestimmung.

Die Kinder sind unter sechs Jahre alt
Kinder von unter sechs Jahren

Nach unter steht dann der gleiche Fall, wie wenn unter weggelassen oder durch weniger als ersetzt wird:

Die Kinder sind [weniger als] sechs Jahre alt
Kinder von [weniger als] sechs Jahren

Das gilt auch für Ihr Beispiel. Auch hier ist unter eine Adverbialbestimmung und deshalb steht einmal der Dativ (abhängig von mit) und einmal der Akkusativ (Akkusativobjekt zu beschäftigen):

Betriebe mit unter zehn Mitarbeitern
Betriebe, die unter zehn Mitarbeiter beschäftigen

Betriebe mit [weniger] als zehn Mitarbeitern
Betriebe, die [weniger als] zehn Mitarbeiter beschäftigen

Das Gleiche gilt übrigens auch für über und bis zu vor Zahlenangaben. Wenn sie durch eine andere Adverbialbestimmung ersetzt oder weggelassen werden können, haben sie keinen Einfluss auf den Kasus.

über:

Diese Städte haben über 100 000 Einwohner
Städte mit über 100 000 Einwohnern

Diese Städte haben [mehr als] 100 000 Einwohner
Städte mit [mehr als] 100 000 Einwohnern

bis zu:

Es kann bis zu einen Monat dauern
Es ist mit Wartezeiten von bis zu einem Monat zu rechnen

Es kann [maximal] einen Monat dauern
Es ist mit Wartezeiten von [höchstens] einem Monat zu rechnen

Wir haben es hier mit Präpositionen zu tun, die zu Adverbien werden können. Mehr dazu finden Sie hier, hier und hier. Und hier steht, dass auch zwischen sich manchmal ganz ähnlich verhält. Kleine Wörtchen können für großen Erklärungsaufwand sorgen, wenn man genauer wissen möchte, wie sie sich verhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Auch politisch bleiben „links“ und „rechts“ klein

So bestimmt lässt sich das allerdings nur sagen, wenn mit klein die Kleinschreibung gemeint ist.

Frage

Ich frage mich nun schon länger, ob man im politischen Kontext die politischen Koordinaten „links“ und „rechts“ auch großschreiben kann. Wenn ich recht sehe, wäre dieses Beispiel eindeutig in der Kleinschreibung:

Die Gesellschaft rückt nach rechts.

Doch was ist mit solchen Formulierungen:

Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Kann man dann auch großschreiben?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die Adverbien links und rechts werden immer kleingeschrieben. Das gilt auch dann, wenn sie gewisse Merkmale eines Substantivs haben:

Er kann rechts und links nicht auseinanderhalten.
Der Wagen kam von rechts.
An dieser Kreuzung gilt rechts vor links.
Dort musst du nach rechts abbiegen.
Die schwarze Katze lief von links nach rechts über die Straße.
Sie schreibt mit links.

Auch im politischen Sinne sollten links und rechts kleingeschrieben werden:

Nach jeder Wahl wechselten links und rechts einander ab.
Die Gefahr kommt von rechts.
der Kampf gegen links
Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Ob räumlich oder politisch gemeint, rechts und links schreibt man im Prinzip klein. – Nur mit einem Artikelwort drängt sich die Großschreibung dann doch auf:

Du weißt schon, dass dein Rechts mein Links ist?
Meinst du dein Rechts oder mein Rechts?!

Aber auch dann würde ich eher die Kleinschreibung in Anführungszeichen wählen:

Du weißt schon, dass dein „rechts“ mein „links“ ist?
Meinst du dein „rechts“ oder mein „rechts“?!

Doch wenn es um Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit rechts und links geht, ist es meist keine gute Idee, zusätzlich die Groß- und Kleinschreibung herbeizuziehen. Das Konfliktpotenzial ist auch ohne die Rechtschreibung groß genug – beim Autofahren wie in der Politik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die leere Stelle in der Tabelle: der Dativ von „was?“

Heute geht es um eine Frage, die mir nicht schriftlich gestellt wurde. Wie fragt man nach einem Dativobjekt, das keine Person ist? Konkret wollte man wissen, wie man nach einer Sache fragen kann, der eine andere Sache entspricht. Zum Beispiel:

Ihre Aussage entspricht den Tatsachen.

Wie kann man nach dem Dativ den Tatsachen fragen?

Relativ einfach ist die Antwort auf die Frage, wie man nicht fragen kann: nicht mit wem, das nur für Personen verwendet werden kann, aber erstaunlicherweise auch nicht mit was:

nicht: *Wem entspricht Ihre Aussage?
nicht: *Was entspricht Ihre Aussage?

Standardsprachlich bleibt hier nur das oft etwas unbeholfen klingende welcher Sache oder eine andere Formulierung:

Welcher Sache entspricht Ihre Aussage?
Womit stimmt Ihre Aussage überein?

Ebenso zum Beispiel:

Zucker schadet den Zähnen.
nicht: Was schadet Zucker?
sondern z. B.: Wofür ist Zucker schädlich?

Ich stimme deinem Vorschlag zu.
nicht: Was stimme ich zu?
sondern z. B.: Womit bin ich einverstanden?

Sie näherten sich langsam dem Eingang der Höhle.
nicht: Was näherten sie sich langsam?
sondern z. B.: Welchem Ort näherten sie sich langsam?

Es gibt bei den Fragewörtern wer und was eine Leerstelle in der Tabelle:

Person Nichtperson
Nominativ  wer was
Akkusativ wen was
Dativ wem
Genitiv wessen  wessen

Das „Loch“ beim Dativ von Nichtpersonen entspricht allerdings nicht wirklich gähnender Leere. Umgangssprachlich wird nämlich häufig doch was verwendet, vor allem wenn ein Präposition den Dativ verlangt. Standardsprachlich sollten allerdings die Fragewörter der Form wo[r]- stehen:

Mit was stimmt Ihre Aussage überein?
Von was redest du?
Um was handelt es sich?

Um entrüsteten Kommentaren vorzubeugen (welcher Sache vorzubeugen? / was zu verhindern?), möchte ich nochmals betonen, dass hier standardsprachlich mit wo[r]- formuliert werden sollte:

Womit stimmt Ihre Aussage überein?
Wovon redest du?
Worum handelt es sich?

Die leere Stelle in der Tabelle gibt es also vor allem in der Standardsprache. Die Umgangssprache stört sich weniger an solchen „Inkonsequenzen“.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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