Archiv für Grammatik

Die Unterstützung und Zusammenarbeit mit den Managern?

Frage

[…] Es geht um den folgenden Punkt einer Aufzählung (Beschreibung, welche Aufgaben ein Manager zu erfüllen hat):

Unterstützung und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen

Ist es zulässig, das so zu formulieren? Ich habe bereits im Duden nachgesehen, bin mir aber nicht sicher, ob es sich hier um eine Ellipse handelt (es also korrekt wäre) oder nicht (und daher umformuliert werden müsste: „Unterstützung der und Zusammenarbeit mit den … Managern …“).

Antwort

Guten Tag Frau B.,

wenn eine Wortgruppe wie hier einmal ein Genitivattribut und einmal ein präpositionales Attribut ist, sollte sie nicht eingespart werden. Man muss wiederholen, was manchmal sehr umständlich ist, oder anders formulieren. Ein paar Beispiele:

nicht:
*das Interesse und die Beherrschung fremder Sprachen
*das Interesse für und die Beherrschung fremder Sprachen
sondern z. B.:
das Interesse für fremde Sprachen und ihre Beherrschung

nicht:
*die Fragen und die Antworten an die Nutzerinnen und Nutzer
*die Fragen der und die Antworten an die Nutzerinnen und Nutzer
sondern z. B.:
die Fragen der Nutzerinnen und Nutzer und ihre Beantwortung

nicht:
*Unterstützung und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen
*Unterstützung der und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen
sondern z. B.:
Unterstützung der lokalen Manager und Kooperation mit ihnen bei IT-/IS-Fragen

Dass das Genitivattribut sich auch sonst manchmal ziemlich eigenwillig und wenig kooperativ verhält, wenn es um die Einsparung wiederholter Wörter und Wortgruppen geht, sehen Sie zum Beispiel hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Was genau bedeutet »das Foto meiner Freundin«?

Frage

Der folgende Satz wurde beanstandet: „Ein Foto von unserem Mitarbeiter und passionierten Fotografen J. Jansen“. Die Verbesserung sollte lauten: „Ein Foto unseres Mitarbeiters und passionierten Fotografen J. Jansen“. Also wünschte sich der Klagende zwingend den Genitiv.

Dazu meine Frage: Gibt es eine eindeutige Unterscheidung des Kasus für die beiden Möglichkeiten, dass ein Bild die Person zeigt oder das Bild von einer Person fotografiert wurde?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

Es gibt keine Möglichkeit, bei einer Angabe dieser Art mit Hilfe der Fälle eindeutig anzugeben, ob die Person, die im Genitiv bzw. mit von angeführt wird, auf dem Foto abgebildet ist oder das Foto gemacht hat:

ein Foto meines besten Freundes (standardsprachlich)
= ein Foto von meinem besten Freund (umgangssprachlich)

In beiden Fällen kann der beste Freund die abgebildete Person oder der Fotograf sein. Es gibt sogar eine dritte Möglichkeit, nämlich dass der beste Freund der Besitzer des Fotos ist. Nur der weitere Zusammenhang kann entscheiden, was genau gemeint ist.

Mit Genitivattributen können sehr verschiedene Verhältnisse bezeichnet werden (siehe hier). Es ist deshalb nicht immer eindeutig, welche Art des Verhältnisses gemeint ist. Die folgenden Nomengruppen können verschieden interpretiert werden:

die Beschreibung des Angeklagten
= der Angeklagte beschreibt (Genitivus subiectivus)
= der Angeklagte wird beschrieben (Genitivus obiectivus)

das Foto meiner Freundin
= das Foto, das meine Freundin gemacht hat (Genitivus Auctoris)
= das Foto, auf dem meine Freundin abgebildet ist (Genitivus obiectivus)
= das Foto, das meiner Freundin gehört (Genitivus possessivus)

Der Satzzusammenhang sollte immer verdeutlichen, welche Interpretation die richtige ist. Wenn dies nicht der Fall ist, empfiehlt es sich, die Nomengruppe umzuformulieren oder zu ergänzen:

die Beschreibung durch den Angeklagte
die Beschreibung des Angeklagten durch den Zeugen

Für Ihr Beispiel bedeutet dies alles, dass Sie besser den Genitiv als von verwenden:

Ein Foto unseres Mitarbeiters und passionierten Fotografen J. Jansen

Da Herr Jansen als passionierter Fotograf vorgestellt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass er das Foto gemacht hat. Das ist vor allem dann der Fall, wenn keine Person auf dem Bild steht, die Herr Jansen sein könnte. Der Zusammenhang gibt in dieser Weise an, welche Art des Genitivs gemeint ist. Und falls es doch ein Foto sein sollte, auf dem J. Jansen zu sehen ist, dann müssten Sie genauer formulieren (z. B: Das Foto zeigt unseren Mitarbeiter und passionierten Fotografen J. Jansen).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Ist oder sind es zwei Jahre her?

Frage

Warum sagt man: „Es ist zwei Jahre her“, und nicht: „Es sind zwei Jahre her“? Ist das Subjekt in diesem Satz nicht das Satzglied „zwei Jahre“?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die üblichste und akzeptierte Ausdrucksweise ist:

Es ist zwei Jahre her
Es ist einen Monat her

Man kann die Formulierung so analysieren:

es = Subjekt
ist her (liegt zurück) = Prädikat
zwei Jahre/einen Monat = adverbiale Bestimmung der Zeit  (im Akkusativ)

Das Subjekt es steht dabei stellvertretend für etwas vorher Gesagtes oder einen folgenden Nebensatz. Das erklärt den Singular des Verbs:

Es ist zwei Jahre her, dass ich sie zum letzten Mal gesehen habe.
Dass ich sie zum letzten Mal gesehen habe, ist zwei Jahre her.
Unser letztes Treffen ist zwei Jahre her.

Die Verbindung her sein wird also wie (zeitlich) zurückliegen verwendet.

Die folgende Art der Formulierung kommt aber auch vor:

Es sind zwei Jahre her
Ein Monat ist es her

Hier wird ist her wie ist in einem Gleichsetzungssatz verwendet (vgl. hier) und her sein hat die Bedeutung vergangen sein:

es = Subjekt/Prädikativ
sind/ist her ( sind/ist vergangen) = Prädikat
zwei Jahre/ein Monat = Prädikativ/Subjekt (im Nominativ)

Ob es zwei Jahre her ist oder zwei Jahre her sind, hängt davon ab, ob her sein wie zurückliegen oder ähnlich wie vergangen sein verwendet wird. Ich empfehle die erste Formulierung (Es ist zwei Jahre / einen Monat her).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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0,5 Prozent ist oder 0,5 Prozent sind?

Frage

Wenn 0,5 Prozent das Subjekt eines Satzes ist, steht dann die Personalform im Singular oder im Plural?

Antwort

Guten Tag Herr J.,

Beispiele helfen mir immer, eine Frage genauer zu verstehen. Auch hier lautet die Antwort nämlich nicht einfach Singular oder Plural.

Wenn eine Prozentangabe mit einer Zahl, die nicht 1 ist, Subjekt des Satzes ist, steht das Verb standardsprachlich in der Regel im Plural:

1 Prozent (der Bevölkerung) hat zugestimmt

10 Prozent haben zugestimmt
30 Prozent der Befragten lehnen den Neubau ab
24,5 Prozent der Flüge sind interkontinental

Das gilt auch für Dezimalzahlen, die kleiner als 1 sind:

0,5 Prozent enthielten sich der Stimme
0,7 Prozent der Delegierten enthielten sich der Stimme
Nur 0,3 Prozent waren dafür

Wie immer gibt es aber auch Ausnahmen: In einem Gleichsetzungssatz (vgl. hier) kann auch der Singular stehen:

0,5 Prozent ist/sind kein gutes Resultat
63 Prozent ist/sind eine überraschend große Mehrheit

Und auch dann, wenn ein Substantiv im Nominativ auf Prozent folgt, kann das Verb im Singular und im Plural stehen:

0,5 Prozent einmaliger Verlust bedeutet/bedeuten nicht gleich den Untergang der Firma.
15 Prozent Strom wird/werden dadurch gespart.

Ob Singular oder Plural, Ihnen steht/stehen hoffentlich 100% Wochenende bevor.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wer gewinnt, der Genitivus subiectivus oder der Genitivus obiectivus?

Frage

Ich bin Deutschlehrerin in Spanien […]. Letzthin tauchten in meiner Klasse folgende Sätze auf:

Die Medizin bekämpft mit Erfolg die Infektionskrankheiten
→ die erfolgreiche Bekämpfung der Medizin gegen die Infektionskrankheiten

Die Medizin bekämpft mit Erfolg Infektionskrankheiten
→ die erfolgreiche Bekämpfung der Medizin gegen Infektionskrankheiten

Die Umformungen sind so nicht richtig, aber wie erkläre ich, warum?

Antwort

Guten Tag Frau C.,

bei der Substantivierung von Verbgruppen gibt es keine allgemeingültigen Regeln, die sich auf alle Verben anwenden ließen. Einige Regelmäßigkeiten gibt es aber dennoch. Eine davon betrifft die Substantivierung von Verben mit einem Akkusativobjekt:

Bei einer Substantivierung wird das Akkusativobjekt zum Genitivattribut (oder von-Attribut, siehe hier):

ein Rätsel lösen → das Lösen eines Rätsels
die Funktion erklären → die Erklärung der Funktion
Fahrräder verkaufen → der Verkauf von Fahrrädern

In gleicher Weise auch:

die Infektionskrankheiten bekämpfen → die Bekämpfung der Infektionskrankheiten
Infektionskrankheiten bekämpfen → die Bekämpfung von Infektionskrankheiten

Und nun kommen wir zur Hürde, die Ihre Schüler und Schülerinnen nicht richtig zu nehmen wussten. Neben dem soeben erwähnten Genitivus obiectivus, der dem Akkusativobjekt in der Verbkonstruktion entspricht, gibt es auch den Genitivus subiectivus. Er entspricht dem Subjekt des Verbs, das substantiviert wird:

Die Rose verwelkt → das Verwelken der Rose
Der Mensch denkt → das Denken des Menschen
Die Lehrerin erklärt → die Erklärung der Lehrerin

Der Zug kommt pünktlich in Münster an → die pünktliche Ankunft des Zuges in Münster
Die Medizin kämpft gegen Infektionskrankheiten → der Kampf der Medizin gegen Infektionskrankheiten

Bei diesen Beispielen ist das kein Problem. Die Schwierigkeit entsteht dann, wenn ein Verb mit einem Akkusativobjekt substantiviert wird. Welcher Satzteil wird dann zum Genitivattribut: das Subjekt, das Objekt oder beide?

In Ihrer Klasse wurde das Subjekt zum Genitivattribut gemacht. Die Lösung mit zwei Genitivattributen wurde zu Recht ausgeschlossen. Das Akkusativobjekt, das auch noch irgendwie eingebunden werden musste, wurde wahrscheinlich unter Einfluss des Verbs kämpfen mit gegen angeschlossen:

Die Medizin bekämpft mit Erfolg die Infektionskrankheiten.
→ *Die erfolgreiche Bekämpfung der Medizin gegen die Infektionskrankheiten

Der Fehler hierbei ist, dass in einem solchen Fall nicht das Subjekt, sondern immer das Akkusativobjekt die Rolle als Genitivobjekts übernimmt. Das Subjekt wird dann häufig mit durch angeschlossen:

Die Lehrerin erklärt die Funktion → die Erklärung der Funktion durch die Lehrerin
Der Händler verkauft neue Fahrräder → der Verkauf neuer Fahrräder durch den Händler

Ebenso:

Die Medizin bekämpft mit Erfolg die Infektionskrankheiten
→ Die erfolgreiche Bekämpfung der Infektionskrankheiten durch die Medizin

Die Medizin bekämpft mit Erfolg Infektionskrankheiten
→ Die erfolgreiche Bekämpfung von Infektionskrankheiten durch die Medizin

Das Akkusativobjekt gewinnt also immer das Rennen um die Rolle als Genitivattribut, wenn eine Verbgruppe substantiviert wird. Das Subjekt muss dann, wenn überhaupt, anders eingebunden werden. In diesem Sinne: Gewinner ist der Genitivus obiectivus.

So weit die Analyse des Fehlers durch den Blogautor.

Mir freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Prototypen mit Elektromotor oder Prototypen mit Elektromotoren?

Frage

Ich würde gerne wissen, ob hier der Singular „mit Elektromotor“ korrekt ist:

Verschiedene Hersteller haben 2018 auf der Internationalen Automobil-Ausstellung für Nutzfahrzeuge Prototypen mit Elektromotor/mit Elektromotoren vorgestellt.

Meines Erachten sind die Prototypen (jeweils) mit einem Elektromotor ausgestattet und nicht mit Elektromotoren, also mehreren in einem Prototyp, sodass ich deshalb hier den Singular für korrekt halte, was sich jedoch unschön liest.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

um es kurz zu fassen: Beide Formulierungen sind möglich und keine der beiden ist wirklich eindeutig. Eine feste Regel gibt es nicht. Meist geht aus dem Zusammenhang hervor, was genau gemeint ist.

Nur der Kontext oder unsere Kenntnis des Fachgebietes kann entscheiden, ob es sich bei Prototypen mit Elektromotor um mehrere Prototypen handelt, die sich einen Elektromotor teilen, oder um mehrere Prototypen mit je einem Motor. Auch die Mehrzahl ist nicht eindeutig: Prototypen mit Elektromotoren können je einen Elektromotor oder mehrere Elektromotoren pro Prototyp haben. Die Formulierung allein macht dies nicht eindeutig.

Das „Problem“ ist hier, dass uns nur zwei Numeri zur Verfügung stehen, der Singular und der Plural, es aber drei verschiedene Verteilmöglichkeiten gibt:

– mehrere Prototypen mit einem gemeinsamen Motor
– mehrere Prototypen mit je einem Motor
– mehrere Prototypen mit je mehreren Motoren

Es ist nicht möglich, diese drei Varianten nur mit Hilfe der beiden Numeri eindeutig anzugeben. Wenn der Kontext und die voraussetzbare Kenntnis nicht ausreichen, muss genauer formuliert werden. Häufig kann dabei das Wörtchen je wertvolle Dienste leisten.

Dass Sie nicht der Einzige sind, der sich Gedanken zu dieser Frage macht, zeigen zwei ältere Blogartikel. Sie beschäftigen sich mit Menschen, die ein Haus/Häuser besitzen, und der Frage, ob unsere Vorfahren sich in ihrem Grab oder in ihren Gräbern umdrehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein Dativ, der sich als Genitiv ausgibt

Frage

Mal wieder eine Frage, die ich nicht beantworten kann:

Das ist die Untersuchung, während der man völlig ruhig liegen muss.
Das ist die Untersuchung, während deren man völlig ruhig liegen muss.

Müsste der zweite Satz nicht der korrekte sein, da „während“ ja immer noch eine Genitivpräposition ist? Warum aber klingt mir der erste dann deutscher in den Ohren?

Antwort

Guten Tag Herr D.,

wer nach während nur den Genitiv akzeptiert, sagt und schreibt:

Das ist die Untersuchung, während derer/deren man völlig ruhig liegen muss.

Auf während folgt hier ein Relativpronomen. Da dieses Relativpronomen sich auf Untersuchung bezieht, muss es ein weiblicher Singular sein. Da es von während abhängig ist, sollte es im Genitiv stehen. Die entsprechende Form ist derer oder deren (siehe hier).

Viel häufiger trifft man aber tatsächlich während der an, obwohl der hier ein Dativ ist (vgl. die Untersuchung, mit der man ...):

Das ist die Untersuchung, während der man …

Das liegt wahrscheinlich daran, dass der weibliche Singular der als bestimmter Artikel nicht nur Dativ, sondern auch Genitiv sein kann (vgl. mit der Untersuchung; während der Untersuchung). Aus diesem Grund fällt es nicht so auf, dass die weibliche Singularform der als Relativpronomen eigentlich ein Dativ ist, der streng genommen nicht auf während folgen darf.

Beim männlichen Pronomen geschieht diese „Verwechslung“ viel weniger: Nach während steht viel häufiger dessen als dem, dem man den Dativ viel besser ansieht, als dies bei der Form der der Fall ist .

Das ist ein Test, während dessen …

Bei der Beurteilung, ob eine Untersuchung, während der … akzeptabel ist oder nicht, stellt sich also die folgende Frage: Hat die Regel „recht“ (während derer/deren) oder der allgemeine Gebrauch (während der)?

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Je mehr Geld, desto ein größeres oder ein desto größeres Haus?

Frage

Ist in dem folgenden Satz der Satzbau korrekt?

Je mehr Geld du investieren wirst, desto ein größeres Haus kannst du bauen.

Antwort

Guten Tag Herr B.,

mit je … desto und je … umso werden zwei sich in gleichen Maße verändernde Geschehen miteinander in Bezug gebracht. Der sich verändernde Grad wird durch ein Adjektiv oder Adverb im Komparativ ausgedrückt.

Je schneller ihr arbeitet, desto/umso schneller werdet ihr fertig sein.
Je weiter man ins Landesinnere vordringt, desto/umso weniger Europäer trifft man.

Die Konjunktion je leitet einen Nebensatz ein (Verb an letzter Stelle). Mit desto oder umso wird ein Hauptsatz eingeleitet (Verb an zweitere Stelle). Das Adjektiv oder Adverb steht immer unmittelbar nach je respektive desto und umso.

Je mehr Geld du investierst, desto/umso größere Autos kannst du dir leisten.

In Ihrem Satz kommt nun ein unbestimmter Artikel hinzu, der für Probleme sorgt. Der unbestimmte Artikel steht vor dem Adjektiv. Steht desto jetzt als Konjunktion ganz am Anfang (desto ein größeres) oder, wie es die oben genannte Regel fordert, unmittelbar vor dem Adjektiv (ein desto größeres)? Die Antwort lautet:

Je mehr Geld du investieren wirst, ein desto/umso größeres Haus kannst du bauen.
Je mehr man mit ihnen sprichst, einen desto/umso besseren Eindruck erhält man von ihnen.
Je schneller man fährt, eine desto/umso höhere Buße muss man bezahlen

Das gilt auch für je in Kombination mit einem unbestimmten Artikel:

Ein je größeres Spektrum genutzt wird, desto/umso höher ist die erreichbare Datenrate.

Da viele – auch ich – Formulierungen wie ein desto größeres, eine umso höhere stilistisch nicht sehr gelungen finden, wird oft auf eine andere Formulierung ausgewichen. Zum Beispiel:

Je mehr Geld du investieren wirst, desto größer ist das Haus, das du bauen kannst.
Je mehr man mit ihnen spricht, desto besser lernt man sie kennen.
Je schneller man fährt, desto höher wird die zu bezahlende Buße.
Je größer das genutzte Spektrum ist, desto größer wird die erreichbare Datenrate.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Kinder sind drei und ein Jahr(e?) alt

Frage

Können Sie mir beantworten, welcher der zwei Formulierungen der Vorzug zu geben ist:

Meine zwei Kinder sind 3 und 1 Jahre alt.
Meine zwei Kinder sind 3 und 1 Jahr alt.

Oder geht Ihres Erachtens nur: „3 Jahre und 1 Jahr alt“?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

Wenn ein Substantiv in einer Aufzählung mehr als einmal erscheint und dabei unterschiedliche Attribute bei sich hat, muss es nur einmal genannt werden. Das gilt auch dann, wenn das Substantiv nicht immer dieselbe Form hat.

Anders und weniger genau, dafür hoffentlich leichter verständlich formuliert heißt das: Wenn ein Substantiv in einer Aufzählung ausgelassen wird, formuliert man gleich, wie wenn kein Wort weggelassen würde:

Meine Kinder sind drei und ein Jahr alt (drei [Jahre] und ein Jahr alt)
Meine Kinder sind ein und drei Jahre alt (ein [Jahr] und drei Jahre alt)

Ebenso zum Beispiel:

Gibt es nur eine oder mehrere Wahrheiten?
Kann es mehrere oder nur eine Wahrheit geben?
sowohl das große als auch die kleinen Zelte
sowohl die kleinen als auch das große Zelt
mit einer oder mehreren Personen
mit mehreren oder nur einer Person

Es ist eigentlich ganz einfach. Sie sind vielleicht deshalb unsicher geworden, weil es häufiger vorkommt, dass zuerst der Singular und dann der Plural genannt wird:

ein und drei Jahre alt
mit einer oder mehreren Personen

Die umgekehrte Reihenfolge trifft man weniger häufig an. Sie ist deshalb möglicherweise ein bisschen gewöhnungsbedürftiger:

drei und ein Jahr alt
mehrere oder nur eine Person

Sie können aber stolz und grammatisch korrekt sagen, dass Ihre Kinder drei und ein Jahr alt sind.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Die Seilbahn und ihre Vorgängerin

Frage

Manchmal stolpere ich beim Lesen über Formulierungen wie diese:

Die Seilbahn fasst dreimal so viele Passagiere wie ihre Vorgängerin
Die XY-Aktie war die größte Verliererin im DAX
Die dunkle Materie ist Herrscherin des Universums

Ist es nicht so, dass Wörter, die mit -in enden, Frauen bezeichnen, und ist es daher nicht im Grunde falsch, so zu formulieren? Ist es Gender-Sprache?

Die alternativen Formulierungen wären:

Die Seilbahn fasst dreimal so viele Passagiere wie ihr Vorgänger
Die XY-Aktie war der größte Verlierer im DAX
Die dunkle Materie ist Herrscher des Universums

Antwort

Guten Tag Herr G.,

es ist im Deutschen möglich und üblich, weibliche Substantive auf -in, die im Prinzip Personenbezeichnungen sind, auch für weibliche Sachbezeichnungen zu verwenden:

Antragstellerin ist die Universität
die Stadtverwaltung als Arbeitgeberin

Es ist ebenfalls möglich, die entsprechende männliche Bezeichnung zu verwenden:

Antragsteller ist die Universität
die Stadtverwaltung als Arbeitgeber

Die Zitate in Ihrer Frage sind also mit Vorgängerin, Verliererin und Herrscherin richtig formuliert, sie könnten aber auch mit Vorgänger, Verlierer und Herrscher stehen. Siehe auch hier und hier.

Diese Verwendung weiblicher Substantive auf -in hat ihren Ursprung übrigens nicht in der geschlechtergerechten Sprache. Es gab sie schon, bevor von Gendern die Rede war:

Allein die wahre Weisheit ist die Begleiterin der Einfalt.
Kant, Träume eines Geistersehers, erläutert durch Träume der Metaphysik, 1766

Erfahrung bleibt des Lebens Meisterin
Goethe, Die natürliche Tochter, 1803. 4. Akt, 2. Szene

Die Vernunft ist des Herzens größte Feindin
Casanova (1725 – 1798), Memoiren. Vollständige Ausgabe in der Übertragung von Heinrich Conrad, 1911

Es könnte sein, dass die Aufmerksamkeit für die geschlechtergerechte Sprache dafür sorgt, dass diese Art der Formulierung häufiger vorkommt, doch dazu liegen mir leider keine Angaben vor. Mangelnde Information ist hier die Spielverderberin.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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