Archiv für Rechtschreibung

Wird vor sich hingesummt oder vor sich hin gesummt?

Frage

Ich habe bei meiner Recherche zum folgenden Thema keine Antwort […] gefunden: das leidige „vor sich hin+Verb“.

Sie hat vor sich hin gesummt vs. Sie hat vor sich hingesummt

oder

während sie vor sich hinlächelt vs. während sie vor sich hin lächelt

Sowohl die Zusammen- als auch die Getrenntschreibung sind mir schon untergekommen. […] Was ist in solch einem Fall die korrekte Variante?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

wenn die Verbindung vor sich hin die Bedeutung ganz für sich [und wiederholt] hat, ist es üblich, hin vom Verb getrennt zu schreiben:

vor sich hin reden
vor sich hin jammern
weil ich manchmal einfach vor mich hin pfeife
Sie hat nur noch vor sich hin gejammert.
Hör auf, vor dich hin zu starren!

Für Ihre Beispiele bedeutet dies:

Sie hat vor sich ihn gesummt
während sie vor sich hin lächelt

Wenn vor sich hin diese Bedeutung hat, ist es eine eigenständige adverbiale Wendung (Frage: wie?), die üblicherweise nicht mit dem Verb zusammengeschrieben wird.

Man schreibt aber dann zusammen, wenn vor sich hin eine räumliche Bedeutung hat (wohin?):

etwas vor sich hinlegen
Ich habe den Koffer vor mich hingestellt
Wage es nicht, es einfach vor dich hinzuschmeißen!

Ich hoffe, dass Sie nicht allzu lange vor sich hin sinniert haben (für dieses etwas forcierte Wortspiel bitte ich um Verzeihung) und dass Sie nun besser verstehen, wie mit vor sich hin und einem Verb umzugehen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Informati-onen oder Informatio-nen?

Frage

Ich bin etwas verunsichert bezüglich der Silbentrennung des Worts „Informationen“. Die Singularform „Information“ ist mir klar: „In-for-ma-ti-on“. Wie steht es um die Pluralform? Ist „In-for-ma-ti-on-en“ korrekt oder „In-for-ma-tio-nen“?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

bei Mehrzahlformen auf -ionen kann sowohl nach dem i als auch nach dem o getrennt werden (vgl. amtl. Rechtschreibregelung, § 107):

a) Informati-onen
b) Informatio-nen

Wenn Sie alle möglichen Trennstellen angeben möchten, sieht das also so aus:

c) In-for-ma-ti-o-nen

Das gilt auch bei anderen Wörtern, bei denen ein paar Vokale innerhalb eines Wortes aufeinandertreffen. Man trennt dann (ungefähr) so, wie man die Wörter bei langsamem Vorlesen in Silben zerlegen kann**. Hier noch weitere Beispiele:

a) sozi-ale
b) sozia-le
c) so-zi-a-le

a) europä-ische
b) europäi-sche
c) eu-ro-pä-i-sche

a) na-iver
b) nai-ver
c) na-i-ver

a) Ma-ori
b) Mao-ri
c) Ma-o-ri

a) Mete-ore
b) Meteo-re
c) Me-te-o-re

a) Individu-alität
b) Individua-lität
c) In-di-vi-du-a-li-tät

a) Bedui-ne
b) Bedu-ine
c) Be-du-i-ne

Bis hier sind alle Beispiele Fremdwörter, doch auch bei einigen einheimischen Wörtern kommt diese Trennstellenvielfalt vor. Zum Beispiel:

a) Bäue-rin
b) Bäu-erin
c) Bäu-e-rin

a) treu-ere
b) treue-re
c) treu-e-re

a) frei-ere
b) freie-re
c) frei-e-re

Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert. Ins Zögern gerät man wohl deshalb, weil einige Trennstellen (zum Beispiel sozia-le, europäi-sche, nai-ver) recht gewöhnungsbedürftig aussehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** In Wörtern wie Informationen und soziale sind tio resp. zia bei normaler Sprechgeschwindigkeit zwar einsilbig, die genannte Trennregel gilt aber trotzdem (vgl. amtl. Rechtschreibregelung, § 107).

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Eine 7,5 in Worten

Nachdem vor einer Woche die Frage beantwortet wurde, wie man den 2 000 024. Besucher in Worten ausdrückt (der zweimillionenvierundzwanzigste Besucher), geht es heute noch einmal darum, wie ein bestimmter Zahlentyp in Worten geschrieben wird:

Frage

Ich habe gelesen: „Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?“ Müsste es nicht „eine sieben Komma fünf“ sein?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

man schreibt sieben Komma fünf und acht, wenn es um die Zahlen geht (sieben Komma fünf Meter; sieben Komma fünf plus acht …). Nach § 57 (4) der amtlichen Rechtschreibregelung müssen aber substantivierte Grundzahlen als Bezeichnung von Ziffern großgeschrieben werden. Die angeführten Beispiele sind:

Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich vor der Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf. Sie hat lauter Einsen im Zeugnis. Er würfelt eine Sechs.

Daraus ergibt sich, dass man in Ihrem Satz eine Acht großschreiben muss. Konsequenterweise ist dann auch eine 7,5 eine Substantivierung, die großgeschrieben wird. Und weil man Substantive zusammenschreibt, sollte diese Substantivierung nicht nur groß-, sondern auch in einem Wort geschrieben werden: eine Siebenkommafünf. Der Satz, den Sie anführen, ist also richtig geschrieben:

Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?

Möglich wäre auch die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen (aber ob sie wirklich verdeutlichend sind?):

Ist das eine Sieben-Komma-fünf oder eine Acht?

Sie können auch die Schreibung mit Ziffern erwägen. Das ist bei komplexeren Zahlen häufig eine einfacher lesbare Variante:

Ist das eine 7,5 oder eine 8?

Ich hoffe, dass diese Antwort eine Siebenkommafünf verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn Fünftklässler/-innen mit 5. geschrieben werden

Frage

Ist neben der ersten Variante eine weitere Form korrekt und aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Die Fünftklässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.
Die 5. Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.
Die 5.- Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.
Die 5. – Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht.

Antwort

Guten Tag Herr A.,

keine der drei weiteren Vorschläge kann als richtig angesehen werden. Es handelt sich um einen Zusammensetzung mit einer Zahl. Dann gilt die Regel, dass mit Bindestrich geschrieben wird, und zwar ohne Leerschritt vor oder nach dem Bindestricht (vgl. hier).

Bei großzügiger Interpretation der Regel ergibt sich die folgende Schreibung:

Die 5.-Klässler/-innen habe morgen keinen Unterricht

Wer etwas weniger großzügig ist als ich, stolpert vielleicht darüber, dass 5. in der Regel für fünfte und nicht für endungsloses fünft steht. Hinzu kommt, dass die Bindestrichschreibung in Fällen wie dem folgenden das Schreiben (und Lesen?) eher kompliziert als vereinfacht:

Die 3.- bis 5.-Klässler/-innen haben morgen keinen Unterricht

Ich würde deshalb die Schreibung mit Buchstaben vorziehen:

Die Fünftklässler/-innen habe morgen keinen Unterricht
Die Dritt- bis Fünftklässler/-innen haben morgen keinen Unterricht

Wenn Sie statt –klässler lieber –klässer oder –klassler sagen, gilt bei der Schreibung mit einer Zahl genau dasselbe:

Die 5.-Klässer/-innen habe morgen keinen Unterricht
Die 5.-Klassler/-innen habe morgen keinen Unterricht

Und wenn Ihnen nun nichts mehr richtig gefallen will, gibt es auch noch diese Möglichkeit:

Die Schülerinnen und Schüler der 5. Klasse haben morgen keinen Unterricht

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp (der schon sehr, sehr lange kein 5.-Klässler/Fünftklässler mehr ist)

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Kein Bindestrich bei »nicht«: Nichteinschreiten, Nichtfachleute, nichteuropäisch

Zusammensetzungen mit nicht werden häufig mit Bindestrich geschrieben, obwohl dies in der Rechtschreibregelung nicht so vorgesehen ist.

Frage

Angenommen, das Wort „das Einschreiten“ soll mit „nicht“ verbunden werden, dann müsste das Negationswort doch direkt mit dem Substantiv verbunden werden, oder sehe ich das falsch? Korrekt müsste es also heißen: „das Nichteinschreiten“.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

es stimmt tatsächlich, dass man nach der Rechtschreibregelung Verbindungen mit nicht und einem substantivierten Infinitiv zusammenschreibt (vgl. hier).

nicht + substantivierter Infinitiv

das Nichteinschreiten

das Nichteinhalten des Vertrages
Rückgabe der Ware bei Nichtgefallen
Nichtwissen schützt nicht vor Strafe

Wird hingegen eine substantivierte Infinitivgruppe verneint, dann besteht sie aus mehr als zwei Elementen und wird entsprechend mit Bindestrichen geschrieben (vgl. hier).

nicht + subtantivierte Infinitivgruppe

das Gefühl des Nicht-gewollt-Seins
das Nicht-mehr-warten-Können

Das ist übrigens der einzige Fall, in dem die Rechtschreibregelung bei Zusammensetzungen mit nicht die Schreibung mit einem Bindestrich vorsieht. So schreibt man nicht nur nicht und substantivierte Infinitive zusammen (Nichteinhalten, Nichtwissen), sondern im Prinzip alle Verbindungen mit nicht und einem Substantiv (vgl. hier).

nicht + Substantiv

Nichteinhaltung
Nichterfolg
Nichtfachleute
Nichtedelgase
Nichteuropäer/Nichteuropäerin
Personen und Nichtpersonen
Nichtmuttersprachler/Nichtmuttersprachlerin

Hier wird allerdings entgegen der Grundregel häufig mit Bindestrich geschrieben. Noch häufiger kommt der in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehene Bindestrich bei der Kombination von nicht mit einem Adjektiv vor. Für diesen Fall bestimmt die amtliche Regelung (§36.2.3) ausdrücklich, dass entweder zusammen- oder getrennt geschrieben wird (vgl. hier).

nicht + Adjektiv

nicht eheliche/nichteheliche Kinder
nicht europäisch/nichteuropäisch
nicht geschäftsfähig/nichtgeschäftsfähig
eine nicht kontrastive/nichtkontrastive Verneinung
nicht leitende/nichtleitende Materialien
nicht tumorbedingte/nichttumorbedingte Schmerzen

Siehe auch hier.

Bei absichtlichem oder nicht absichtlichem/nichtabsichtlichem Nichteinhalten dieser Regeln wird man sicher nicht gleich des Nicht-schreiben-Könnens bezichtigt, aber wenn Sie sich lieber nicht der Nichtbeachtung der Regeln schuldig machen wollen, kommen Sie bei nicht fast immer ohne Bindestriche aus.

Das Meiste können Sie hier in konzentrierterer Form nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Dehnungszeichen

Frage

Das Dehnung-h und das Dehnungs-e (nach einem i) kennt jeder. Das Dehnungs-c kennen nur wenige (z. B. Mecklenburg, Dortmund-Brackel). Gibt es weitere Dehnungsbuchstaben? Warum gibt es im Deutschen eine solche Vielfalt?

Antwort

Guten Tag Herr M.,

im heutigen Deutschen dienen tatsächlich nur noch die Buchstaben h und e als Dehnungs- oder Längenzeichen. Das Dehnungs-h kommt nach allen Vokalen vor:

Sahne, Strähne, kehren, ihr, hohl, Föhn, Ruhm, Bühne

Das Dehnungs-e wird heute nur noch nach i verwendet:

Biene, lieben, schwierig

Nur noch selten kommen andere Dehnungszeichen vor, zum Beispiel:

  • In Laer, Soest o. Gelsenkirchen-Buer gibt das e an, dass a, o resp. u lang gesprochen wird [Laar, Soost, Buur]
  • In Voigt, Boisheim o. Buisdorf gibt das i an, dass o resp. u lang gesprochen wird [Voogt, Boosheim, Buusdorf]
  • In Pouch wird das o vor u lang gesprochen wird [Pooch]
  • In Teltow o. Pankow wird das o vor w lang gesprochen [Teltoo, Pankoo]

Diese Dehnungszeichen stammen aus der Zeit, in der die deutsche Rechtschreibung noch nicht normiert war und es von Region zu Region oder sogar von Schreiber zu Schreiber unterschiedliche Schreibweisen gab. Sie sind nach der Normierung der Rechtschreibung verschwunden, außer in einigen Eigenamen wie den oben zitierten.

Das gilt auch für das c in zum Beispiel Mecklenburg (Ausgesprochen mit langem e [Meeklen…], heute aber auch häufig der Schreibweise folgend mit kurzem e) und Brackel [Braakel]. Auch dieses c stammt aus „vornormierter“ Zeit. Es ist allerdings kein eigentliches Längenzeichen. Es stammt aus einer Zeit, in der man Konsonanten gerne häufte, das heißt, ck steht hier eigentlich für ein einfaches k. Solche Buchstabenhäufungen gab es auch bei anderen Buchstaben. Einige haben in Eigennamen „überlebt“, zum Beispiel in Schwartzkopff, Kneipp, Württemberg, Creutzfeldt.

Diese besonderen Dehnungszeichen sind also Überbleibsel aus früheren Zeiten, in denen die Schrift noch nicht normiert war. Das erklärt einerseits ihre Vielfalt und andererseits, warum sie nur noch in einigen wenigen Eigennamen vorkommen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp
(ohne Dehnungszeichen, dafür mit doppeltem p und griechisch inspiriertem ph im Vornamen)

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Mit Ergänzungs- oder keinem Strich?

Heute wieder einmal etwas zu den kleinen Tücken des sonst gar nicht so komplizierten Ergänzungsstrichs:

Frage

Können Sie mir bitte sagen, ob die Kombination von „wahrnehmen“ und „ernst nehmen“ hier so mit Bindestrich nach „wahr-“ korrekt ist oder ob es eine andere Version gibt:

Es ist wichtig, möglichst authentisch zu sein, um von anderen wahr- und ernst genommen zu werden.

Antwort

Guten Tag K.,

wenn in einer Aufzählung ein gemeinsamer Wortteil weggelassen wird, schreibt man an dessen Stelle einen Ergänzungsstrich (so wird der Bindestrich genannt, wenn er diese Funktion hat). Zum Beispiel:

Groß- und Kleinschreibung
= Großschreibung und Kleinschreibung

Vor- und Nachteile
= Vorteile und Nachteile

ein- oder ausladen
= einladen oder ausladen

zwei- bis dreimal
= zweimal bis dreimal

Softwareentwicklung und -vermarktung
= Softwareentwicklung und Softwarevermarktung

Software-Entwicklung und -Vermarktung
= Software-Entwicklung und Software-Vermarktung

zusammennieten oder -leimen
= zusammennieten oder zusammenleimen

Das ist wahrscheinlich nicht neu für Sie, aber es kann ja nicht schaden, ab und zu einmal auch Einfacheres zu wiederholen. Siehe auch hier.

Dann kommen wir nun zu Ihrem Spezialfall: Für einen weggelassene Wortteil schreibt man auch dann einen Ergänzungsstrich, wenn er im anderen Teil der Aufzählung als selbstständiges Wort erscheint. Sie haben es also richtig gemacht:

um von anderen wahr- und ernst genommen zu werden
= wahrgenommen und ernst genommen

Ebenso zum Beispiel:

Die Verbindung kann zusammen- oder getrennt geschrieben werden
= zusammengeschrieben oder getrennt geschrieben

die Ecken auseinander- und nach unten ziehen
= auseinanderziehen und nach unten ziehen

Natur- und synthetische Gewebe
= Naturgewebe und synthetische Gewebe

Standard- und individuelle Lösungen
= Standardlösungen und individuelle Lösungen

Dreht man die Reihenfolge in einer solchen Aufzählung um, kommt man ohne einen Ergänzungsstrich aus, denn er steht nie für ganze weggelassene Wörter:

Die Verbindung kann getrennt oder zusammengeschrieben werden
= getrennt geschrieben oder zusammengeschrieben

die Ecken nach unten und auseinanderziehen
= nach unten ziehen und auseinanderziehen

synthetische und Naturgewebe
= synthetische Gewebe und Naturgewebe

individuelle und Standardlösungen
= indidivuelle Lösungen und Standardlösungen

Auch der Binde- oder eben Ergänzungsstrich kann so seine kleinen Tücken haben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Quak, quak; ja, ja; nein, nein – und das laut, fröhlich oder empört

Frage

Ich bin unsicher, wie ich folgende Interjektion schreiben soll:

Am Teich hören sie ein lautes Quak, quak.

Oder müsste man dies dann wie bei einer Konjunktion handhaben, also: „ein lautes Quak-quak“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wie so oft, wenn man zweifelt, gibt es mehr als eine Möglichkeit. Die erste schlagen Sie in Ihrer Frage vor:

Am Teich hören sie ein lautes Quak-quak.

Sie können also „quak, quak“ als substantivierte mehrteilige Interjektion behandeln. Dabei werden die einzelnen Elemente durch einen Bindestrich verbunden, wie das ähnlich auch bei zum Beispiel das Sowohl-als-auch, das Teils-teils geschieht.

Sie könnten den Entenlaut aber auch sozusagen als direktes, in den Satz integriertes Zitat mit Anführungszeichen schreiben:

Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak“.
Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak!“.

Das ist die Version, die ich wählen würde, denn man geht gleich vor wie bei mehrteiligen Ausrufen wie den folgenden:

ein fröhliches „ja, ja“
mit einem empörten „nein, nein!“
ein zögerndes „so, so“
Niemand hörte sein „Hilfe! Hilfe!“
ein verzweifeltes „Nein, nein, tu das nicht!“

Und wenn Sie nun mit einem bedenklichen „hm, hm“ zum Schluss kommen, dass die Rechtschreiblage hier nicht gerade eindeutig ist, antworte ich mit einem „Ja, ja, das stimmt“. Doch Enten, Fröschen und anderen Wesen, die „quak, quak“ sagen, ist das wahrscheinlich nicht so wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Variantenski fahren oder variantenskifahren?

Viele zieht es über die Weihnachtsfeiertage in die Berge. Frau W.s Frage passt gut hierzu:

Frage

Heute hätte ich eine kurze Frage:

Ski- und Snowboardfahrer, die außerhalb der markierten Pisten variantenskifahren, tun dies auf eigenes Risiko.

Müsste die Schreibweise nicht „Variantenski fahren“ (analog zu „Ski fahren“) lauten ?

Antwort

Hier komme auch ich ins Zweifeln. Am besten formuliert man anders, aber wenn es denn so sein soll, würde ich die Zusammenschreibung empfehlen.

Bei Ski fahren ist wie bei Auto fahren, Rad fahren oder Schlittschuh laufen der erste Teil der Verbindung das Mittel, dessen man sich bedient. Bei variantenskifahren ist dies nicht der Fall (wenn ich alles richtig verstehe, fährt man dabei nicht auf einem Variantenski genannten Gerät den Berg hinunter). Ich würde das Verb deshalb wie die Verben eislaufen, marathonlaufen oder delfinschwimmen zusammenschreiben: Skifahrer, die variantenskifahren.

Der Satz, den Sie zitieren, ist also meiner Meinung nach richtig geschrieben.

Aber: Nach der Rechtschreibregelung, § 33 E, kann neben marathonlaufen und delfinschwimmen auch Marathon laufen (ich laufe Marathon) und Delfin schwimmen (ich schwimme Delfin) geschrieben werden. Ich wage es deshalb nicht, die Getrenntschreibung Variantenski fahren (ich fahre Variantenski[??]) als grundsätzlich falsch zu bezeichnen. Nur zusammen schreibt man im Übrigen die Substantivierungen das Variantenskifahren, beim Variantenskifahren.

Wirklich wichtig ist sowieso nicht die Getrennt- oder Zusammenschreibung, sondern dass man das Variantenskifahren, wenn überhaupt, nur unter genauer Berücksichtigung des Geländes, des Wetters und der Lawinenlage betreibt.

Ob Sie in den nächsten Tagen auf oder neben der Piste Ski fahren, sich an einem Strand tummeln, zu Hause feiern oder aber arbeiten müssen: frohe Weihnachten!

Dr. Bopp

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Das neue Jahr und das Neue Jahr

Zwischen Nikolaustag und zweitem Adventssonntag komme ich wieder einmal auf eines der orthografischen Lieblingsthemen im Monat Dezember zurück. Viele machen sich derzeit ans Aufstellen und Versenden von Weihnachts- und Neujahrswünschen. Wie Sie sie versenden, das überlasse ich natürlich ganz Ihnen. Wie Sie sie verfassen übrigens auch. Nur wenn Sie Zweifel bei der richtigen Schreibung Ihrer Wünsche auf Karten oder weniger traditionell mit digitalen Mitteln haben, kann ich Ihnen eventuell eine kleine Hilfestellung leisten.

Es geht natürlich um das n oder eben N. Wünscht man alles Gute zum neuen Jahr oder alles Gute zum Neuen Jahr? Die Antwort ist einfach, der Anlauf etwas länger:

Bis zur jüngsten Anpassung der Rechtschreibregelung im letzten Jahr (vgl. hier) galt nur die Kleinschreibung als richtig:

bis 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr
Alles Gute zum neuen Jahr!
Ein gutes neues Jahr!
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr

Dann hat die Regelung sich an den offenbar weitverbreiteten Rechtschreibungehorsam in diesem Bereich angepasst und eingeführt, dass das Adjektiv in festen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen „bei Benennung für besondere Anlässe und Kalendertage“ großgeschrieben werden kann (§ 63 E4):

seit 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr oder
Glückwünsche zum Neuen Jahr

Alles Gute zum neuen Jahr! oder
Alles Gute zum Neuen Jahr!

Ein gutes neues Jahr! oder
Ein gutes Neues Jahr!

Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr oder
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr

Ob Sie Ihre Neujahrswünsche mit großem N oder kleinem n schreiben, spielt nun also keine Rolle mehr. Beides ist regelkonform. Zu beachten ist allerdings, dass die Möglichkeit der Großschreibung nur für neu/Neu gilt, nicht für andere Adjektive wie froh, gesegnet, schön, glücklich, gesund und was sonst noch an Gutem und Positivem vor Weihnachten und neues/Neues Jahr stehen kann.

Ich wünsche eine schöne und rechtschreibzweifelfreie Fortsetzung der Adventszeit!

Dr. Bopp

PS: Nach demselben neuen Paragraphen konnte ich übrigens meinen Eltern im Herbst dieses Jahres nicht nur zur diamantenen Hochzeit, sondern auch zur Diamantenen Hochzeit gratulieren. Das habe ich nicht schriftlich gemacht, und angesichts einer Ehe, die 60 Jahre hält, ist die Frage nach der Groß- und Kleinschreibung des Adjektivs ohnehin von nicht allzu großer Bedeutung.

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