Archiv für Rechtschreibung

Macht Backen oder backen glücklich?

Es geht hier um Groß- oder Kleinschreibung, weniger um die therapeutische Wirkung des Backens.

Frage

Wird bei dem Satz „Backen macht glücklich” das Wort „Backen“ als Substantiv oder Verb gewertet? Warum?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

da Backen am Anfang des Satzes steht, sieht man bei Backen macht glücklich tatsächlich nicht, ob es sich a) um eine Verbform oder b) um eine Substantivierung handelt. Man schreibt sowieso ein großes B. Wenn man den Satz so umformuliert, dass der Infinitiv im Satzinneren steht, oder wenn man es einfach wissen möchte, wird es etwas komplizierter: Beides ist möglich. Das sieht man zum Beispiel dann, wenn man den Infinitiv erweitert:

a) Gemeinsam backen macht glücklich.
b) Gemeinsames Backen macht glücklich.

Ein Infinitivsatz, der die Rolle des Subjekts hat, kann ohne zu stehen:

[Zu] backen macht glücklich.
Einen Kuchen [zu] backen macht glücklich.

Andererseits kann ein substantivierter Infinitiv ohne Artikel stehen:

[Das] Backen macht glücklich.
[Das] Kuchenbacken macht glücklich.

Es ist also in Ihrem Satz nicht klar, ob vor dem Infinitiv zu oder das ergänzt werden soll. Entsprechend sind beide Interpretationen, Verbform und Substantivierung, möglich.

Ob backen/Backen wirklich glücklich macht, hängt wohl auch davon ab, wie gerne man in der Küche Teig rührt und knetet. Wenn man es mag, kann es das zurzeit dringend empfohlene Zuhausebleiben für Backende und „Bebackte“ bestimmt etwas angenehmer gestalten.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn Klammern und andere Satzzeichen aufeinandertreffen

Frage

Ich benötige Ihren Rat zum abschließenden Punkt innerhalb einer Klammer. Anbei ein konkretes Beispiel:

An welchen Dienstleistungen wären Sie zusätzlich interessiert? (Bitte markieren Sie alle zutreffenden Antworten.)

Antwort

Guten Tag Frau M.,

wenn ein ganzer Satz eingeklammert wird und er nicht in einen anderen Satz eingebettet ist, wird der Schlusspunkt innerhalb der Klammer geschrieben:

An welchen Dienstleistungen wären Sie zusätzlich interessiert? (Bitte markieren Sie alle zutreffenden Antworten.)

Ihr Beispiel ist der Fall, bei dem das Eingeklammerte am wenigsten mit einem anderen Satz zu tun hat. Häufig sind Zusätze oder Nachträge in Klammern enger in einen übergeordneten Satz eingebettet. Wie steht es dann mit den Klammern und den anderen Satzzeichen? Es folgt eine kurze Übersicht über die verschiedenen Möglichkeiten:

  • Wenn das Eingeklammerte eine Frage oder ein Ausruf ist, wird das Frage- oder Ausrufezeichen vor der abschließenden Klammer geschrieben:

Ich weiß, dass ich das Buch noch habe (bloß wo?) und werde es dir zurückgeben, sobald ich es gefunden habe.
Unser Geheimnis (du weißt doch noch welches?) bleibt weiterhin unter uns.
Das Problem war (schon wieder!), dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Dann habe ich mir (Mann, das tat weh!) mit dem Hammer auf den Daumen gehauen.

  • Ein abschließender Punkt wird innerhalb der Klammern nicht geschrieben, wenn das Eingeklammerte in einen anderen Satz eingebettet ist:

Dann behauptete er (niemand glaubte ihm), er habe die Frau noch nie gesehen.
Die Schlussfolgerungen der Kommission sind sehr interessant (der vollständige Kommissionsbericht ist in der Beilage zu finden). Wir sind der Meinung, dass wir sie übernehmen sollten.

  • Wenn der Zusatz oder Nachtrag als selbstständige Texteinheit aufgefasst wird und nicht in einen anderen Satz eingebettet ist, schreibt man den Punkt innerhalb der Klammern. Das ist der Fall, der in Ihrer Frage vorkommt:

Die Schlussfolgerungen der Kommission sind sehr interessant. (Der vollständige Kommissionsbericht ist in der Beilage zu finden.) Wir sind der Meinung, dass wir sie übernehmen sollten.
An welchen Dienstleistungen wären Sie zusätzlich interessiert? (Bitte markieren Sie alle zutreffenden Antworten.)

  • Zum Schluss noch die Satzzeichen, die zum übergeordneten Satz gehören. Das ist im Prinzip ganz einfach: Man setzt sie gleich, wie wenn das Eingeklammerte nicht stünde:

Das Problem war (schon wieder!), dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
vgl. Das Problem war, dass jemand den Waschküchenschlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Dann behauptete er (niemand glaubte ihm): „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“
vgl. Dann behauptete er: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Kurz zusammengefasst: Sowohl innerhalb als außerhalb der Klammern werden alle Satzzeichen geschrieben. Eine Ausnahme gibt es allerdings (sonst wäre es ja viel zu einfach!): Der Schlusspunkt vor der abschließenden Klammer fällt weg, wenn das Eingeklammerte in einen anderen Satz eingebettet ist.

So viel zu den Klammern und den anderen Satzzeichen. (Hier können Sie alles noch einmal nachlesen.)

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der heilige Placidus und der heilige Sigisbert sind zusammen die Heiligen Placidus und Sigisbert

Frage

Wie erkläre ich meinem Kunden, dass „die heiligen Placidus und Sigisbert“ nicht geht? Meine Änderung in „die Heiligen Placidus und Sigisbert“ wurde leider nicht akzeptiert.

Antwort

Guten Tag Frau M.,

es stimmt, dass man „heilig“ als Adjektiv kleinschreibt:

der heilige Placidus
der heilige Sigisbert

Trotzdem ist in Ihrem Beispiel tatsächlich nur die Großschreibung möglich. Das liegt daran, dass ein Artikel oder Adjektiv im Plural sich nicht auf zwei Substantive in der Einzahl beziehen kann.

Nicht:
*die festen Wille und Charakter
*die großen Burg und Kirche
*die kleinen Mark und Sophia
*die heiligen Placidus und Sigisbert

Sondern:
der feste Wille und [der feste] Charakter
die große Burg und die große Kirche
der kleine Mark und die kleine Sophia
der heilige Placidus und der heilige Sigisbert

Möglich sind allerdings Formulierungen mit einem Substantiv im Plural, dem eine zweiteilige Apposition folgt:

die Kinder Mark und Werner
die Kleinen Mark und Sophia
die Einsiedler Placidus und Sigisbert

Entsprechend muss in dieser Formulierung „Heiligen“ ein Substantiv sein und sollte großgeschrieben werden:

die Heiligen Placidus und Sigisbert

Häufig wird aber (auch in katholischen und anderen kirchlichen Kontexten) trotzdem „die heiligen Petrus und Paulus“ statt „die Heiligen Petrus und Paulus“ geschrieben. Nach der Grammatik und der Rechtschreibregelung ist diese Kleinschreibung nicht korrekt. Sie könnte höchstens als fachsprachliche Schreibung angesehen werden, aber für eine begründete Aussage kenne ich mich in dieser Fachsprache leider zu wenig gut aus.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn der Bindestrich fehl am Platz ist: von der High Society bis zur Smart Factory

Heute einmal etwas Kurzes und Einfaches:

Frage

Die Wörterbücher verzeichnen die Schreibweise „Big Data“ ohne Bindestrich (z. B. hier). Kann ich dieses Muster (Big = Adjektiv; Data = Substantiv) auch auf das Wort „Smart Factory“ übertragen oder ist hier die Schreibweise mit Bindestrich korrekt?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

hier ist der Bindestrich nach der amtlichen Regelung nicht möglich. Angebracht ist bei Verbindungen dieser Art die Getrenntschreibung und manchmal auch die Zusammenschreibung.

Substantivische Wortverbindungen aus dem Englischen, die aus einem Adjektiv und einem Substantiv bestehen, werden getrennt geschrieben:

High Society
Public Domain
Human Resources
Big Data

Dabei werden beide Teile der Verbindung mit großen Anfangsbuchstaben geschrieben. Wenn das Adjektiv die Hauptbetonung trägt, kann auch zusammengeschrieben werden:

Big Band o. Bigband
Small Talk o. Smalltalk
Smart Phone o. Smartphone
Smart Factory (o. Smartfactory)

Das zusammengeschriebene „Smartfactory“ steht in Klammern, weil es zwar nach der Regel möglich ist, aber offenbar kaum vorkommt.

Die entsprechende Regel finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn-Dann-Prinzip oder Wenn-dann-Prinzip: Groß und klein in Bindestrichzusammensetzungen

Frage

[…] Es geht dabei um das Wort „Wenn-dann-Prinzip“. Das Wort wird im wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhang verwendet: „Die Essenz der digitalen Verträge basiert auf dem Wenn-dann-Prinzip.“ Eigentlich habe ich an der Schreibweise keinen Zweifel, allerdings ist mir aus der Psychologie die sehr häufig vorkommende Schreibweise „Wenn-Dann-Beziehung bekannt“, die sich so selbst in Lexika findet. […] Ist diese Schreibweise falsch oder zumindest nicht mit den amtlichen Regeln konform?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

Sie haben recht. Bei der Groß- und Kleinschreibung in Zusammensetzungen mit Bindestrich gelten nämlich diese Regeln:

Nomen werden in Zusammensetzungen mit Bindestrich immer großgeschrieben (§ 55.2, vgl. hier):

Mehrzweck-Eckschrank
Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
Client-Server-Architektur
400-Meter-Lauf

Amerika-freundlich**
Fett-triefend**
UV-Strahlen-beständig**
Vitamin-C-reich**

Nicht-Nomen werden großgeschrieben, wenn sie am Anfang von Zusammensetzungen mit Bindestrich stehen, die als Ganzes Nomen sind (§ 55.1, vgl. hier)*:

Dritte-Welt-Laden
Soll-Wert (o. Sollwert)
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
das Sowohl-als-auch
das In-der-Nase-Bohren (vgl. hier)

Sonst werden Nicht-Nomen in Zusammensetzungen mit Bindestrich kleingeschrieben:

Analog-digital-Konverter
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
Mund-zu-Mund-Beatmung
Oben-ohne-Lokal
das Sowohl-als-auch
zum Aus-der-Haut-Fahren (vgl. hier)

Vor allem diese letzte Regel wird häufiger nicht eingehalten, wie auch das Beispiel in Ihrer Frage zeigt.

Nach der amtlichen Regelung korrekt ist somit tatsächlich:

das Wenn-dann-Prinzip
die Wenn-dann-Beziehung

Die Schreibungen „Wenn-Dann-Prinzip“ und „Wenn-Dann-Beziehung“ sind nicht regelkonform und müssten zum Beispiel in einem Schüleraufsatz rot angestrichen werden. Wenn sie in der Fachsprache üblich sind, weicht – so banal kann man es ausdrücken – die fachsprachlich übliche Schreibung von der regelkonformen Schreibung ab. Das kommt recht häufig vor, sodass Ihr aufkommender Zweifel gut verständlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Ausnahmen:
Kleingeschriebene Abkürzungen und als Kleinbuchstaben zitierte Einzelbuchstaben bleiben auch am Wortanfang klein: pH-Wert, kg-Preis, i-Punkt, s-Genitiv, x-Achse.
Zitierte Wortformen werden in Verbindungen mit Bindestrich auch am Wortanfang kleingeschrieben: dass-Satz (o. Dasssatz), oder-Frage (o. Oderfrage).

** Wenn ohne Bindestrich geschrieben: amerikafreundlich, fetttriefend, strahlenbeständig, vitaminreich.

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Das fehlende Wort zwischen „links“ und „rechts“

Frage

Die Bildzeile unter einem Bild in einem Text enthält oft die Namen der Abgebildeten und den Zusatz (links), (rechts), (Mitte). […] Und da wundere ich mich, dass man zwar „rechts“ und „links“ kleinschreibt, aber „Mitte“ groß. Oder ist das ein Irrtum? Mir erscheint „Max (links), Tina (mitte), Svenja (rechts)“ logischer. Darf ich „mitte“ kleinschreiben?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Großschreibung von „Mitte“ ist korrekt. Das sieht man etwas besser, wenn man die Zusätze ausformuliert:

Max (links) = Max, links stehend
Tina (Mitte) = Tina, in der Mitte stehend
Svenja (rechts) = Svenja, rechts stehend

Sie können deshalb „mitte“ nicht kleinschreiben. Was hier fehlt, ist ein griffiges und vor allem gebräuchliches Adverb, das die Position zwischen „links“ und „rechts“ angibt. Wir verwenden dafür meist „in der Mitte“, das vom Wortaufwand her eigentlich besser zwischen „auf der rechten Seite“ und „auf der linken Seite“ passt. Für eine konsequente Kleinschreibung könnten Sie zum Beispiel auf „mittig“ oder „dazwischen“ ausweichen, aber das erste Worte trifft nicht ganz die Bedeutung und das zweite ist bei Bildunterschriften u. Ä. einfach nicht üblich.

Das Fehlen eines gängigen Adverbs führt zu der für das Auge inkonsequenten Klein- und Großschreibung „links – Mitte – rechts“, die Sie ein wenig irritiert. Das gilt auch in der Politik, wo man ebenfalls von „links“ und „rechts“ (vgl. hier) und von „die Mitte“ spricht und wo ein Ausweichen auf „dazwischen“ gar nicht in Frage kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss

Frage

In welchem der folgenden Sätze muss/kann ein Komma vor dem Infinitiv stehen:

Er hat es versäumt(,) nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) sofort nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Antwort

Guten Tag Frau W.,

das Komma bei Infinitivgruppen ist im Allgemeinen eine nicht allzu komplizierte Angelegenheit. Sie haben aber ein Beispiel gefunden, bei dem man doch etwas länger nachdenken kann.

Im zweiten Satz muss das Komma stehen. Die Infinitivgruppe wird durch das Verweiswort es angekündigt. Dann gilt als Grundregel, dass man ein Komma setzen muss:

Er hat es versäumt, sofort nachzufragen.

Zu dieser Grundregel gibt es die Ausnahme, dass das Komma fakultativ ist, das heißt nicht gesetzt werden muss, wenn der bloße Infinitiv mit zu steht. Im ersten Satz ist das Komma deshalb fakultativ:

Er hat es versäumt, nachzufragen.
Er hat es versäumt nachzufragen.

Das alles kann man hier Nachlesen [Abschnitt c) und unter Ausnahme zu b) und c)].

Nicht ganz so einfach ist es beim dritten Satz.

Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Wenn man genauer hinschaut, ist nämlich nicht ganz klar, ob wir es mit einem „bloßen Infinitiv“ zu tun haben oder nicht. Man kann argumentieren, dass nachzufragen allein steht, weil der Rest zu einem anderen Nebensatz gehört. Das Komma vor nachzufragen ist dann fakultativ. Man kann aber auch grammatisch strenger argumentieren, dass der ob-Satz eine Erweiterung des Infinitivs ist. Das Komma vor nachzufragen ist dann obligatorisch. (Das Komma vor ob muss sowieso stehen.)

Wer auf Nummer ganz sicher gehen will, wählt hier die Schreibung mit Komma, die ja immer richtig ist. Ich halte aber die Schreibung ohne Komma nicht für falsch, denn es liegt hier meiner Meinung nach ein „bloßer Infinitiv“ vor.

Er hat es versäumt, nachzufragen, ob das korrekt ist.
Er hat es versäumt nachzufragen, ob das korrekt ist.

Ebenso zum Beispiel:

Es ist gut, zu wissen, dass es auch anders geht.
Es ist gut zu wissen, dass es auch anders geht.

Natürlich freut es mich, zu hören, dass alles geklappt hat.
Natürlich freut es mich zu hören, dass alles geklappt hat.

Sie warteten ungeduldig darauf, zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.
Sie warteten ungeduldig darauf zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.

Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Am Berg dem Himmel näher kommen oder näherkommen?

Frage

Heißt es „Am Berg dem Himmel näherkommen“ oder „Am Berg dem Himmel näher kommen“?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

man schreibt Verbindungen von näher und einem Verb getrennt, wenn mit näher eine geringere örtliche oder zeitliche Distanz ausgedrückt wird:

Du kannst ruhig näher treten.
Sie kamen dem Abgrund immer näher.
Wir sind dem Ziel unserer Reise schon näher gekommen.
Als der Termin näher rückte, wurden sie nervös.

Zusammengeschrieben wird dann, wenn näher und das Verb zusammen in einem übertragenen Sinne verwendet werden, der sich nicht direkt aus den Bedeutungen der einzelnen Teile ergibt:

Die beiden sind sich wieder nähergekommen.
(näherkommen = vertrauter werden)
Ich habe ihm früher nähergestanden.
(näherstehen = in engerer Beziehung stehen)
Sie wollte den Schülern das Theater näherbringen.
(näherbringen = vertraut machen)
Bevor ich Ihrem Anliegen nähertrete, möchte ich …
(nähertreten = seine Aufmerksamkeit einer Sache zuwenden)
Ich glaube, dass es näherliegt, es selbst zu tun, als jemanden zu beauftragen.
(näherliegen = sich eher anbieten)

Sie haben hier also die Wahl, je nachdem, ob man am Berg dem Himmel näher kommt, weil man sich auf größerer Höhe befindet, oder ob man am Berg dem Himmel näherkommt, weil man durch diese Erfahrung mit dem Himmlischen oder etwas Himmlischem vertrauter wird. Beides ist möglich.

Wie geschrieben wird, hängt hier also von der Bedeutung ab. Rein rechtschreiblich wird es dann schwierig oder eigentlich unlösbar, wenn als Wortspiel beides gemeint ist. Da die Feinheiten der Schreibung von Verbindungen wie näher+Verb nicht allen gleich gut bekannt sind, sollte es sich ohnehin unabhängig von Getrennt- oder Zusammenschreibung aus dem weiteren Zusammenhang ergeben, was genau gemeint ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das Komma, wenn der Nebensatz Subjekt ist

Eigentlich ist das Komma bei Nebensätzen ganz einfach. Dennoch kommen in bestimmten Fällen manche ins Zweifeln:

Frage

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie wieder einmal einen Knoten lösen könnten: Ist hier ein Komma nach „produzieren“ zwingend erforderlich?

Wie wir produzieren(,) ist vor allem auch eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Antwort

Guten Tag Herr V.,

das Komma nach produzieren muss stehen. Es trennt den mit wie eingeleiteten Nebensatz ab. Nebensätze werden auch dann durch ein Komma abgetrennt, wenn sie wie hier im übergeordneten Satz die Rolle des Subjekt haben (Wer oder was ist eine Frage der unternehmerischen Haltung?):

Wie wir produzieren, ist vor allem auch eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Hier weitere Beispiele von Satzgefügen mit einem Subjektnebesatz:

Dass er gekommen ist, erstaunt uns.
Ob er die Wahrheit sagt, wird bezweifelt.
Wann sie aus den Ferien zurückkommen, ist unbekannt.
Wer nicht mitkommt, verpasst viel.

Vor allem wenn Subjektnebensätze wie hier an erster Stelle stehen, zweifeln manche, ob ein Komma stehen muss. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der verbleibende Satz aussieht, als würde ihm etwas fehlen, nämlich das Subjekt. Hier kommt aber eine Kommaregel zur Anwendung, die eigentlich ganz einfach und sehr stark ist: Nebensätze werden durch Kommas abgetrennt. Das gilt unabhängig davon, welche Rolle der Nebensatz im Gesamtsatz hat – und Nebensätze können viele verschiedene Funktionen haben:

Akkusativobjekt: Sie lernen, wie sie ein Dokument sichern müssen.
Dativobjekt: Ich verrate das Geheimnis nur, wem ich wirklich vertraue. (selten)
Genitivobjekt: Sind Sie sich (dessen) bewusst, dass Rauchen schädlich ist?
Präpositionalobjekt: Wir zweifeln (daran), ob dies die richtige Lösung ist.
Adverbialbestimmung: Wenn es regnet, spielen die Kinder spielen im Haus.
Attribut: Hunde, die bellen, beißen nicht.
Prädikativ: Alles bleibt, wie es ist.
Subjekt: Wie wir produzieren, ist eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Dass der Nebensatz Subjekt ist, befreit uns nicht von der Kommapflicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Komma vor „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“?

Frage

Eine Kommafrage zu:

Ich gehe heute schwimmen, und wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino.

Muss das Komma vor „und“ stehen oder ist es freigestellt? Welcher Paragraph der amtlichen Regelung entscheidet, was hier gilt?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

es ist zu empfehlen, hier vor und ein verdeutlichendes Komma zu verwenden. Die Kommas in Ihrem Satz sind also richtig gesetzt:

Ich gehe heute schwimmen, und wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino.

Dieses Komma ist aber nicht obligatorisch, das heißt, es kann auch weggelassen werden:

Ich gehe heute schwimmen und wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino.

Mit und werden hier zwei selbstständige Sätze verbunden, von denen der zweite mit einem Nebensatz beginnt:

  • Ich gehe heute schwimmen
  • und
  • Wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino

Dann greift § 73 der amtlichen Rechtschreibregelung, der sagt:

Bei der Reihung von selbständigen Sätzen, die durch und […] verbunden sind, kann man ein Komma setzen, um die Gliederung des Ganzsatzes deutlich zu machen.

Genau das tut das Komma vor und in Ihrem Satz wie auch in den folgenden Beispielen. Es verdeutlicht die Struktur des relativ komplexen Satzes:

Ich bin spät nach Hause gekommen, und weil ich Hunger hatte, habe ich mir noch ein Spiegelei gebacken.
Wenn du recht hast, ist es gut, und wenn ich recht habe, ist es auch gut.
Da waren die Kinder herzlich froh und gingen zusammen nach Hause, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Wie bereits gesagt, gilt allerdings das Folgende: In diesen Fällen ist das Komma vor und nicht obligatorisch, und wenn Sie es lieber weglassen, verstoßen Sie gegen keine Regel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (4)