Was ist das „schön“ in „sich schön machen“?

Trotz des heutigen Rosenmontags hier kein buntes Karnevalstreiben, kein ausgelassener Faschingstrubel und keine fröhliche Fasnachtsfeier, sondern trockene Syntax.

Frage

Ich habe einen Zweifel im Zusammenhang mit folgendem Satz:

Ich mache mich schön für das Fest.

Welche syntaktische Funktion hat das Wort „schön“ in diesem Satz, Attribut oder Adverb?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wie das „schön“ in „Ich mache mich schön“ genau genannt werden soll, darüber sind sich die verschiedenen Grammatiken nicht einig. Zuerst aber dazu, was es nicht ist:

Es ist keine Adverbialbestimmung, denn es bezieht sich nicht auf das Verb, sondern auf das Objekt des Satzes. In

Ich schminke mich schnell

ist „schnell“ eine Adverbialbestimmung (der Art und Weise). Es gibt an, wie das Schminken geschieht. In

Ich mache mich schön

ist „schön“ keine Adverbialbestimmung, denn es bezieht sich nicht auf die Verbhandlung, sondern auf das Akkusativobjekt „mich“.

In Ihrem Satz ist „schön“ auch kein Attribut, denn ein Attribut gehört, sehr grob gesagt, zu einem Nomen, Adjektiv oder Adverb und kann nur zusammen mit diesem verschoben werden. Hier bestimmt „schön“ zwar „mich“ näher, aber die beiden Elemente bilden zusammen kein Satzglied.

In „Ich mache mich schön“ ist „schön“ ein Prädikativ im weiteren Sinne, das heißt ein Prädikativ, das nicht bei einem Kopulaverb (sein, werden, bleiben; finden, halten für u. a. m.), sondern bei einem Vollverb steht. Ein Prädikativ bildet zusammen mit dem Verb das Prädikat des Satzes, das heißt die zentrale Einheit des Satzes, von der andere Satzzeile wie Subjekt, Objekte und Adverbialbestimmungen abhängig sind.

Je nach Grammatik wird ein Prädikativ wie dieses „schön“ Resultatsprädikativ, Objektsprädikativ bei kausativen Verben, freies Prädikativ, Resultativprädikativ, resultatives Objektsprädikativ oder sogar Prädikativkomplement in der Transitivierungskonstruktion genannt. Was damit gemeint ist, sieht man am besten anhand einiger Beispiele:

Du hast das Spielzeug kaputt gemacht.
Trinkt eure Gläser leer!
Das Eiweiß steif schlagen
Der Hund beißt das Kaninchen tot.
Der Prinz küsst Dornröschen wach.
Wir liefen uns die Füße wund.

Die Verbhandlung bewirkt ein Resultat, und zwar beim Akkusativobjekt. Das Spielzeug ist danach kaputt, die Gläser sind leer, die Sahne steif usw. Die zentrale Einheit des Satzes ist kaputt machen, leer trinken, steif schlagen, tot beißen, wach küssen bzw. wund laufen. Dass das Prädikativ und das Verb  eng zusammengehören sieht man indirekt auch daran, dass solche „resultative Verbverbindungen“ auch zusammengeschrieben werden können: kaputtmachen, leertrinken, steifschlagen, totbeißen, wachküssen bzw. wundlaufen.

Eine eindeutige Antwort, wie das „schön“ in Ihrem Beispiel genannt wird, kann ich Ihnen hier also nicht geben. Es sollte aber hoffentlich ein bisschen klarer sein, welche Funktion es im Satz hat.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn-Dann-Prinzip oder Wenn-dann-Prinzip: Groß und klein in Bindestrichzusammensetzungen

Frage

[…] Es geht dabei um das Wort „Wenn-dann-Prinzip“. Das Wort wird im wirtschaftswissenschaftlichen Zusammenhang verwendet: „Die Essenz der digitalen Verträge basiert auf dem Wenn-dann-Prinzip.“ Eigentlich habe ich an der Schreibweise keinen Zweifel, allerdings ist mir aus der Psychologie die sehr häufig vorkommende Schreibweise „Wenn-Dann-Beziehung bekannt“, die sich so selbst in Lexika findet. […] Ist diese Schreibweise falsch oder zumindest nicht mit den amtlichen Regeln konform?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

Sie haben recht. Bei der Groß- und Kleinschreibung in Zusammensetzungen mit Bindestrich gelten nämlich diese Regeln:

Nomen werden in Zusammensetzungen mit Bindestrich immer großgeschrieben (§ 55.2, vgl. hier):

Mehrzweck-Eckschrank
Hochgeschwindigkeits-Internetzugang
Client-Server-Architektur
400-Meter-Lauf

Amerika-freundlich**
Fett-triefend**
UV-Strahlen-beständig**
Vitamin-C-reich**

Nicht-Nomen werden großgeschrieben, wenn sie am Anfang von Zusammensetzungen mit Bindestrich stehen, die als Ganzes Nomen sind (§ 55.1, vgl. hier)*:

Dritte-Welt-Laden
Soll-Wert (o. Sollwert)
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
das Sowohl-als-auch
das In-der-Nase-Bohren (vgl. hier)

Sonst werden Nicht-Nomen in Zusammensetzungen mit Bindestrich kleingeschrieben:

Analog-digital-Konverter
Links-rechts-Kombination
Ad-hoc-Lösung
Mund-zu-Mund-Beatmung
Oben-ohne-Lokal
das Sowohl-als-auch
zum Aus-der-Haut-Fahren (vgl. hier)

Vor allem diese letzte Regel wird häufiger nicht eingehalten, wie auch das Beispiel in Ihrer Frage zeigt.

Nach der amtlichen Regelung korrekt ist somit tatsächlich:

das Wenn-dann-Prinzip
die Wenn-dann-Beziehung

Die Schreibungen „Wenn-Dann-Prinzip“ und „Wenn-Dann-Beziehung“ sind nicht regelkonform und müssten zum Beispiel in einem Schüleraufsatz rot angestrichen werden. Wenn sie in der Fachsprache üblich sind, weicht – so banal kann man es ausdrücken – die fachsprachlich übliche Schreibung von der regelkonformen Schreibung ab. Das kommt recht häufig vor, sodass Ihr aufkommender Zweifel gut verständlich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

*Ausnahmen:
Kleingeschriebene Abkürzungen und als Kleinbuchstaben zitierte Einzelbuchstaben bleiben auch am Wortanfang klein: pH-Wert, kg-Preis, i-Punkt, s-Genitiv, x-Achse.
Zitierte Wortformen werden in Verbindungen mit Bindestrich auch am Wortanfang kleingeschrieben: dass-Satz (o. Dasssatz), oder-Frage (o. Oderfrage).

** Wenn ohne Bindestrich geschrieben: amerikafreundlich, fetttriefend, strahlenbeständig, vitaminreich.

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Bezugsfragen: Pronomen in der wörtlichen und in der indirekten Rede

Wenn Sie nicht alle Beispiele genau nachvollziehen möchten, ist das kein Problem. So kompliziert, wie es aussieht, machen wir es uns nämlich nicht.

Frage

Ich bin hinsichtlich der indirekten Rede gerade auf einen Fall gestoßen, den ich nicht recht einordnen kann.

a) Er sagte: „Wir werden uns schon daran gewöhnen.“
b) Er sagte: „Ihr werdet euch schon daran gewöhnen.“

Ich gehe davon aus, dass es bei der Umwandlung in die indirekte Rede in beiden Fällen heißen muss:

c) Er sagte, wir würden uns schon daran gewöhnen.

Falls das zutrifft, kann der Leser aber letztlich nicht mehr erkennen, ob Sachverhalt (a) oder (b) zugrunde lag. Es würde mich sehr interessieren, wie Sie dieses Problem sehen.

Antwort

Guten Tag Herr G.,

es kommt häufig vor, dass in der indirekten Rede (und anderswo) nicht eindeutig ist, welchen Bezug Pronomen haben. Hier zwei andere Beispiele, bei denen verschiedene direkte Formulierungen zu derselben indirekten Rede umgeformt werden:

Direkte Rede
(1a) Er fragte mich: „Darf ich auch mitkommen?“
(1b) Er fragte mich: „Darf er auch mitkommen?“
Indirekte Rede
(1c) Er fragte mich, ob er auch mitkommen dürfe.

Direkte Rede:
(2a) Sie sagte zu ihrer Schwester: „Ich bin neugierig.“
(2b) Sie sagte zu ihrer Schwester: „Du bist neugierig.“
(2c) Sie sagte zu ihrer Schwester: „Sie ist neugierig.“
Indirekte Rede:
(2d) Sie sagte zu ihrer Schwester, sie sei neugierig.

Die Sätze (1c) und (2d) sind vor allem deshalb nicht eindeutig, weil sie hier ohne Kontext stehen. In Fällen wie diesen ergibt sich in der Regel nämlich aus dem weiteren Zusammenhang, wie die indirekte Rede genau zu verstehen ist. Nur wenn das nicht der Fall ist, sollte man umformulieren.

Nun zu den Sätzen in Ihrer Frage: Bei Ihren Beispielen ergibt sich interessanterweise ein weiterer unklarer Bezug (inklusives und exklusives Wir): Der Satz (3a) kann in der direkten Rede auf zwei Arten verstanden werden, je nachdem, ob die angesprochene und zitierende Person im „wir“ eingeschlossen ist (3b) oder ob die angesprochene und zitierende Person nicht im „wir“ eingeschlossen ist (3c):

Direkte Rede
(3a) Er sagte: „Wir werden uns schon daran gewöhnen.“
Indirekte Rede
(3b) Er sagte, sie würden sich schon daran gewöhnen.
(3c) Er sagte, wir würden uns schon daran gewöhnen.

Auch beim Satz (4a) gibt es zwei mögliche Interpretationen, je nachdem ob sich das „ihr“ nur an dritte Personen richtet (4b) oder auch an die zitierende Person (4c):

Direkte Rede
4a) Er sagte: „Ihr werdet euch schon daran gewöhnen.“
Indirekte Rede
4b) Er sagte, sie würden sich schon daran gewöhnen.
4c) Er sagte, wir würden uns schon daran gewöhnen.

Das ist noch nicht alles: Die Sätze 3b) und 4b) könnten auch der direkten Rede (5a) entsprechen:

Direkte Rede
5a) Er sagte: „Sie werden sich schon daran gewöhnen.“
Indirekte Rede
5b) Er sagte, sie würden sich schon daran gewöhnen.

Keiner dieser Sätze ist also eindeutig, weder in der wörtlichen noch in der indirekten Rede:

3a) Schließt wir die angesprochene/zitierende Person ein?
4a) Schließt ihr die zitierende Person ein?
3b)/4b)/5b) Steht sie für wir, für ihr oder für sie in der direkten Rede?
3c)/4c) Steht wir für wir oder für ihr in der direkten Rede?

Wie das Jonglieren mit Beispielsätzen und Nummerierungen zeigt, ist die ganze Sache hier furchtbar komplex. Wie ist es nur möglich, dass wir trotzdem noch etwas verstehen, ohne jedes Mal große Aufstellungen dieser Art machen zu müssen?

Das liegt daran, dass uns im normalen Sprachleben viel mehr Informationen zur Verfügung stehen als in diesen isolierten Sätzen. Der weitere Satzzusammenhang ist wichtig, denn er gibt in der Regel Aufschluss darüber, worauf oder auf wen sich die Pronomen in der indirekten Rede beziehen. Es ist dennoch erstaunlich, mit wie viel Uneindeutigkeit wir umzugehen wissen!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das fehlende Wort zwischen „links“ und „rechts“

Frage

Die Bildzeile unter einem Bild in einem Text enthält oft die Namen der Abgebildeten und den Zusatz (links), (rechts), (Mitte). […] Und da wundere ich mich, dass man zwar „rechts“ und „links“ kleinschreibt, aber „Mitte“ groß. Oder ist das ein Irrtum? Mir erscheint „Max (links), Tina (mitte), Svenja (rechts)“ logischer. Darf ich „mitte“ kleinschreiben?

Antwort

Guten Tag Frau R.,

die Großschreibung von „Mitte“ ist korrekt. Das sieht man etwas besser, wenn man die Zusätze ausformuliert:

Max (links) = Max, links stehend
Tina (Mitte) = Tina, in der Mitte stehend
Svenja (rechts) = Svenja, rechts stehend

Sie können deshalb „mitte“ nicht kleinschreiben. Was hier fehlt, ist ein griffiges und vor allem gebräuchliches Adverb, das die Position zwischen „links“ und „rechts“ angibt. Wir verwenden dafür meist „in der Mitte“, das vom Wortaufwand her eigentlich besser zwischen „auf der rechten Seite“ und „auf der linken Seite“ passt. Für eine konsequente Kleinschreibung könnten Sie zum Beispiel auf „mittig“ oder „dazwischen“ ausweichen, aber das erste Worte trifft nicht ganz die Bedeutung und das zweite ist bei Bildunterschriften u. Ä. einfach nicht üblich.

Das Fehlen eines gängigen Adverbs führt zu der für das Auge inkonsequenten Klein- und Großschreibung „links – Mitte – rechts“, die Sie ein wenig irritiert. Das gilt auch in der Politik, wo man ebenfalls von „links“ und „rechts“ (vgl. hier) und von „die Mitte“ spricht und wo ein Ausweichen auf „dazwischen“ gar nicht in Frage kommt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kongruenzfrage: Was fehlt, ist/sind ein Ball und ein Schiedsrichter

Frage

Ich habe den Grammatikduden konsultiert und finde keine Lösung für dieses doch eigentlich häufig auftretende Kongruenzproblem. Muss das Prädikat im Satz „Was fehlt, ist/sind ein Ball und ein Schiedsrichter“ im Singular oder im Plural stehen?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

man kann bei diesem Satz tatsächlich ins Zweifeln kommen. Der Singular „was“ legt die Einzahl „ist“ nahe, das mehrteilige „ein Ball und ein Schiedsrichter“ deutet auf den Plural „sind“ hin. Welche dieser beiden Sichtweisen gewinnt hier?

Wenn das Subjekt und der Gleichsetzungsnominativ (prädikativer Nominativ; siehe Beispiele) in einem Satz nicht den gleichen Numerus haben, steht das finite Verb in der Regel im Plural:

Mein größter Besitz sind meine Kinder.
Die Beduinen sind ein Nomadenvolk.
Die Guerillagruppen bleiben eine Gefahr für die Stabilität.
Wer sind diese Leute?
Das sind meine Eltern.

In Ihrem Satz haben wir es mit einer ähnlichen Konstruktion zu tun: Der Nebensatz „Was noch fehlt“ ist das Subjekt des Gesamtsatzes, die Wortgruppe „ein Ball und ein Schiedsrichter“ ist der Gleichsetzungsnominativ. Letzterer besteht aus zwei mit „und“ verbundenen Teilen und ist deshalb als pluralisch anzusehen (vgl. „Benötigt werden ein Ball und ein Schiedsrichter“). Hier werden also in einem Gleichsetzungssatz ein singularischer Nebensatz und eine pluralische Wortgruppe verbunden. Das Verb sollte deshalb, wie oben gesagt, im Plural stehen:

Was fehlt, sind Bälle.
Was fehlt, sind ein Ball und ein Schiedsrichter.

Die folgenden Beispiele sind ähnliche Gleichsetzungssätze, für die bei der Wahl der Verbform dasselbe gilt:

Was noch fehlt, sind ein Logo und ein griffiger Slogan.
Was mich interessiert, sind ein langes Leben und Weisheit.
Das Geburtsdatum und der Geburtsort sind, was noch benötigt wird.
Alles, was zählt, sind eine tolle Zeit, gute Gesellschaft und jede Menge Spaß.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Modus in Rezepten – Man nehme …

Und heute gleich noch einmal etwas zur Sprache in Kochrezepten:

Frage

Meine Frage dreht sich um die Stellung des Prädikats. In einem Deutschübungsbuch finden sich die folgenden Beispiele:

Bevor Sie den Teig in die Pfanne […] gießen, mischen Sie Rosinen dazu.
Nun erhitzen Sie die Pfanne.

Meines Erachtens handelt es sich bei diesen Sätzen um Aufforderungssätze (Imperativ der Höflichkeitsform), weshalb das finite Verb auch an erster Stelle stehen muss und am Ende ein Rufzeichen zu setzen ist. Also:

Mischen Sie Rosinen dazu, bevor Sie den Teig in die Pfanne geben!
Erhitzen Sie nun die Pfanne!

Sehe ich das so richtig?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

Sie hätten recht, wenn Rezepte zwingend im Imperativ geschrieben werden müssten. Das ist aber nicht so. In Rezepten wird eine erstaunliche Vielfalt von Modi verwendet!

Früher kam in Rezepten häufig der Konjunktiv I in Verbindung mit dem unpersönlichen „man“ vor:

Man erhitze das Öl in einer Bratpfanne, röste die gehackten Zwiebeln kurz an und gebe dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu.
Man wasche das Gemüse gründlich, schneide Gurke und Tomaten in Würfel und gebe diese in eine große Salatschüssel.
Man mische Rosinen zum Teig und gieße ihn in die Pfanne.
Nun erhitze man die Pfanne.

Diese Art zu formulieren macht in der heutigen Sprache einen etwas altmodischen Eindruck. Stattdessen steht nun sehr häufig der Infinitiv:

Das Öl in einer Bratpfanne erhitzen, die gehackten Zwiebeln kurz anrösten und dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzugeben.
Das Gemüse gründlich waschen, Gurke und Tomaten in Würfel schneiden und diese in eine große Salatschüssel geben.
Rosinen zum Teig mischen und den Teig ihn in die Pfanne gießen.
Nun die Pfanne erhitzen.

Aber auch der Indikativ kommt hier manchmal vor, zum Beispiel im Deutschübungsbuch, aus dem Sie zitieren. Das Rezept ist dann sozusagen eine Beschreibung dessen, was getan wird:

Sie erhitzen das Öl in einer Bratpfanne, rösten die gehackten Zwiebeln kurz an und geben dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu.
Sie waschen das Gemüse gründlich, schneiden Gurke und Tomaten in Würfel und geben diese in eine große Salatschüssel.
Bevor Sie den Teig in die Pfanne gießen, mischen Sie Rosinen dazu.
Nun erhitzen Sie die Pfanne.

Der Imperativ wird ebenfalls verwendet, in der Regel aber ohne Ausrufezeichen (mit Ausrufezeichen sähe ein längeres Rezept wie eine Sammlung von Befehlen auf dem Exerzierhof einer Kaserne aus):

Erhitzen Sie das Öl in einer Bratpfanne, rösten Sie die gehackten Zwiebeln kurz an und geben Sie dann die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu.
Wasche das Gemüse gründlich, schneide Gurke und Tomaten in Würfel und gib diese in eine große Salatschüssel.
Mischen Sie Rosinen zum Teig und gießen Sie ihn in die Pfanne.
Erhitzen Sie nun die Pfanne.

Auch eine Mischung von Imperativ und Indikativ kommt vor:

Erhitzen Sie das Öl in einer Bratpfanne und rösten Sie die gehackten Zwiebeln kurz an [Imp]. Dann geben Sie die Tomatenpaste und den Knoblauch hinzu [Ind].
Mischen Sie Rosinen zum Teig und gießen Sie ihn in die Pfanne [Imp]. Nun erhitzen Sie die Pfanne [Ind].

Man könnte zwar sagen, dass Rezepte Aufforderungen sind, wie etwas zubereitet werden soll, sie stehen deswegen aber lange nicht immer im Imperativ. Es gibt eine erstaunliche Vielfalt: vom Konjunktiv I über den Infinitiv und den Indikativ bis hin zum ausrufezeichenlosen Imperativ. Man nehme einfach die Form, die am besten gefällt / Einfach die Form nehmen, die am besten gefällt / Sie nehmen einfach die Form, die am besten gefällt / Nehmen Sie einfach die Form, die am besten gefällt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Côte d’Ivoire und Eswatini oder Elfenbeinküste und Swasiland

Kommentar

[…] So wird [in Wikipedia] seid 15 Jahren hartnäckigst das Lemma „Elfenbeinküste“ durchgeboxt, statt den offiziellen und auch in Deutschland amtlichen Namen „Côte d’Ivoire“ zu verwenden, zumal Präsident Houphouët-Boigny Ende 1985 verfügte, dass der Landesname nur noch mit dem französischen Namen Côte d’Ivoire geführt und nicht in andere Sprachen übersetzt werden darf. Genauso verbohrt wird am Namen Swasiland festgehalten, obwohl der Staat seit eineinhalb Jahren offiziell und auch amtlich in den D-A-CH-Ländern „Eswatini“ heißt. […]

Reaktion

Guten Tag Herr E.,

wenn Wörterbücher und Enzyklopädien sich nicht an die offizielle Namensgebung halten, ist das meist nicht „falsch“ oder „xenophob“, sondern die Darstellung dessen, was in der Sprache üblich und gebräuchlich ist. Im Deutschen werden außer im amtlichen und diplomatischen Verkehr meistens die Namen Elfenbeinküste und Swasiland verwendet. Die offiziellen Namen Republik Côte d’Ivoire und Königreich Eswatini kommen im allgemeinen Sprachgebrauch kaum vor. Letzterer ist den meisten Menschen sogar noch völlig unbekannt. Ähnliches gilt für zum Beispiel Südkorea (offiziell Republik Korea), Nordkorea (offiziell Demokratische Volksrepublik Korea) oder Tschechien (offiziell Tschechische Republik). Es spricht natürlich nichts dagegen, jeweils beide Bezeichnungen mit entsprechenden Angaben aufzunehmen.

Auch bei der Verwendung von Ländernamen in der Allgemeinsprache gilt, dass sich die Allgemeinsprache nicht unbedingt an die Terminologien der Fachsprachen zu halten hat. Man kann die offiziellen und amtlichen Listen des Auswärtigen Amtes (D), des Außenministeriums (A) bzw. des Departementes für auswärtige Angelegenheiten (CH) oder die entsprechende DIN (DIN EN ISO 3166-1) als solche fachsprachliche Listen bezeichnen. Wer sich daran halten will oder muss, sollte dies tun. Allgemein verbindlich sind diese Listen nicht, vor allem dann nicht, wenn im allgemeinen Sprachgebrauch eine andere Form üblich ist.

Offizielle oder fachsprachliche und gebräuchliche Bezeichnungen stimmen auch in anderen Bereichen nicht immer überein, sonst gäbe es nur noch Schraubendreher und keine Schraubenzieher mehr (vgl. hier).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Heilbutt in/im Tomatensud: Rezepttitel mit „in“

Frage

Ich habe eine Frage bzgl. in/im. Heißt es bei einem Rezept korrekt „Heilbutt im Tomatensud“ oder „Heilbutt in Tomatensud“; „Muscheln in/im Tomatensauce“? Oder geht beides?

Antwort

Guten Tag Frau W.,

aus einem früheren Leben, in dem ich mich mit der Übersetzung von Rezepten beschäftigen durfte, ist mir die Fachsprache der Rezepte nicht ganz unbekannt. Ich bin aber kein Chefkoch, kein Restaurantbetreiber und kein Kochbuchverleger, und für eine größere empirische Untersuchung fehlt mir an dieser Stelle leider die Zeit. Was folgt, ist also nur das Resultat meiner persönlichen Erfahrung und einer kurzen Recherche in Internet und Inhaltsverzeichnissen von Kochbüchern.

Wenn es um eine Stoffbezeichnung wie Sud, Teig oder Wein geht, wird in Rezepttiteln sowohl mit in als auch mit im formuliert. Beides ist formal vertretbar:

Heilbutt im Tomatensud
Heilbutt in Tomatensud
Schinken im Brotteig
Schinken in Brotteig
Birnen im Rotwein
Birnen in Rotwein

Das gilt zu meinem Erstaunen aber nur für in/im. Bei weiblichen Stoffbezeichnungen ist nur die Formulierung mit in, nicht aber mit in der üblich, obwohl in der rein formal ebenso gut möglich sein müsste wie im bei männlichen und sächlichen Stoffbezeichnungen. Es heißt also (fast?) nur:

Muscheln/Heilbutt in Tomatensauce
Gemüse in Kokosmilch
Garnelen in Kräuterbutter

Eine Erklärung könnte sein, dass Rezepttitel nicht zu lang sein sollten. Während es kaum einen Längenunterschied zwischen in und im gibt, nimmt in der gut doppelt so viel Platz ein wie in. Vielleicht heißt es deshalb Heilbutt in Tomatensud oder Heilbutt im Tomatensud, aber nur Heilbutt in Tomatensauce.

Viel wichtiger als die genaue Formulierung des Rezepttitels ist allerdings, dass es schmeckt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss

Frage

In welchem der folgenden Sätze muss/kann ein Komma vor dem Infinitiv stehen:

Er hat es versäumt(,) nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) sofort nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Antwort

Guten Tag Frau W.,

das Komma bei Infinitivgruppen ist im Allgemeinen eine nicht allzu komplizierte Angelegenheit. Sie haben aber ein Beispiel gefunden, bei dem man doch etwas länger nachdenken kann.

Im zweiten Satz muss das Komma stehen. Die Infinitivgruppe wird durch das Verweiswort es angekündigt. Dann gilt als Grundregel, dass man ein Komma setzen muss:

Er hat es versäumt, sofort nachzufragen.

Zu dieser Grundregel gibt es die Ausnahme, dass das Komma fakultativ ist, das heißt nicht gesetzt werden muss, wenn der bloße Infinitiv mit zu steht. Im ersten Satz ist das Komma deshalb fakultativ:

Er hat es versäumt, nachzufragen.
Er hat es versäumt nachzufragen.

Das alles kann man hier Nachlesen [Abschnitt c) und unter Ausnahme zu b) und c)].

Nicht ganz so einfach ist es beim dritten Satz.

Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Wenn man genauer hinschaut, ist nämlich nicht ganz klar, ob wir es mit einem „bloßen Infinitiv“ zu tun haben oder nicht. Man kann argumentieren, dass nachzufragen allein steht, weil der Rest zu einem anderen Nebensatz gehört. Das Komma vor nachzufragen ist dann fakultativ. Man kann aber auch grammatisch strenger argumentieren, dass der ob-Satz eine Erweiterung des Infinitivs ist. Das Komma vor nachzufragen ist dann obligatorisch. (Das Komma vor ob muss sowieso stehen.)

Wer auf Nummer ganz sicher gehen will, wählt hier die Schreibung mit Komma, die ja immer richtig ist. Ich halte aber die Schreibung ohne Komma nicht für falsch, denn es liegt hier meiner Meinung nach ein „bloßer Infinitiv“ vor.

Er hat es versäumt, nachzufragen, ob das korrekt ist.
Er hat es versäumt nachzufragen, ob das korrekt ist.

Ebenso zum Beispiel:

Es ist gut, zu wissen, dass es auch anders geht.
Es ist gut zu wissen, dass es auch anders geht.

Natürlich freut es mich, zu hören, dass alles geklappt hat.
Natürlich freut es mich zu hören, dass alles geklappt hat.

Sie warteten ungeduldig darauf, zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.
Sie warteten ungeduldig darauf zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.

Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Warum „unverzeihlicherweise“ verzeihlicherweise nicht im Wörterbuch steht

Bemerkung

Danke für die schnelle Antwort. Übrigens steht Ihr „unverzeihlicherweise“ nicht in der Canoo-Liste, auch „verzeihlicherweise“ nicht.

Reaktion

Guten Tag Herr S.,

man kann von vielen Adjektiven ein mehr oder weniger übliches Adverb auf –erweise bilden. Dies geschieht häufig auch ad hoc, das heißt ganz spontan während des Sprechens oder Schreibens. Deshalb listen Canoonet und andere Wörterbücher lange nicht alle möglichen Ableitungen mit –erweise auf. Dies nicht nur wegen Platzmangels, was ja in der heutigen digitalen Welt viel weniger ein Problem ist als in der Zeit der dicken, vielbändigen Wörterbücher, die noch auf Papier gedruckt und gebunden werden mussten. Es ist auch nicht möglich und nicht sinnvoll, alle Ableitungen zu erfassen, die schon einmal verwendet worden sind oder einmal verwendet werden könnten. Hier ein paar Beispiele möglicher Bildungen, die nicht in (allen) Wörterbüchern zu finden sind:

abartigerweise, blamablerweise, cholerischerweise, diabolischerweise, enttäuschenderweise, fahrlässigerweise, grinsenderweise

… und viele andere mehr – auch mit positiver Bedeutung. Diese Ableitungen sind lange nicht alle stilistische Meisterwerke, aber das bedeutet natürlich nicht, dass sie nicht möglich sind.

Das Gesagte gilt nicht nur für die Adverbbildung mit -erweise, sondern auch für andere Worbildungsarten, mit denen noch neue Wörter gebildet werden können. Beispiele sind Ableitungen von Verben mit den Suffixen -bar und -ung und ganz besonders die Substantivzusammensetzungen, die in unendlicher Zahl bildbar sind.

Ich nenne hier deshalb wieder einmal einen wichtigen Grundsatz: Dass ein Wort nicht in den Wörterbüchern steht, heißt noch lange nicht, dass es das Wort nicht gibt oder nicht geben kann!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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