Den richtigen oder den Richtigen finden?

Der Titel könnte missverstanden werden: Es geht leider/zum Glück nicht um Tipps für die erfolgreiche Partnersuche, sondern nur um die Antwort auf eine Frage zur Groß- und Kleinschreibung.

Frage

Ich würde gerne wissen, ob im folgenden Text die Kleinschreibung der allein stehenden Adjektive richtig ist. Ich bin mir nicht ganz sicher beim letzten „der richtige“. Eigentlich bezieht es sich doch immer noch auf „Partner“, vom Gefühl aus würde ich aber doch „der Richtige“ schreiben. Liege ich da falsch?

Nach dieser Enttäuschung habe ich einen neuen Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz. Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Antwort

Guten Tag Frau F.,

es gibt bei der Groß- und Kleinschreibung von allein stehenden Adjektiven manchmal mehr als nur eine richtige Lösung. Das ist auch hier der Fall.

Richtig ist die Kleinschreibung bei den ersten Adjektiven, weil sie sich auf das vorhergehende Substantiv Partner beziehen (vgl. hier):

Nach meiner Trennung habe ich nach einem neuem Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz.

Das letzte richtige kann kleingeschrieben werden:

Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Damit wird einfach ausgedrückt, dass keiner der beiden der richtige Partner war.

Sie können aber auch großschreiben:

Aber weder der eine noch der andere war der Richtige.

Das ist viel eindringlicher, denn damit ist nicht einfach der richtige Partner gemeint, sondern eben der eine Richtige, den man zu finden hofft (der Richtige = der richtige Mann/Geliebte/Lebenspartner).

Ob schlicht klein der richtige oder leidenschaftlich groß der Richtige, beides ist hier vertretbar. Sie können also Ihrem Gefühl folgen und großschreiben.

Das Gleiche gilt natürlich auch dann, wenn von einer Partnerin die Rede ist und die richtige oder eben die Richtige gefunden werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Institut für angewendete Kommunikationsforschung?

Frage

[…] Ich würde ich gerne wissen, warum das Partizip II von „anwenden“ bei fachsprachlichen Wendungen wie „angewandte Psychologie“ immer „angewandt“ lautet. Hätte das „Bochumer Institut für angewandte Kommunikationsforschung“ nicht auch „Bochumer Institut für angewendete Kommunikationsforschung“ heißen können? Abgesehen davon, dass das ziemlich blöd klingen würde, wäre es doch nicht falsch, oder?

Antwort

Guten Tag Herr R.,

nach den Angaben in Wörterbüchern und Grammatiken sind bei anwenden im Präteritum und im Perfekt sowohl die abgelauteten Formen (wandte an, angewandt) als auch die regelmäßig gebildeten Formen (wendete an, angewendet) korrekt. So spricht man zum Beispiel von der angewandten/angewendeten Methode, angewandten/angewendeten Arzneimitteln oder der für einen bestimmten Zweck angewandten/angewendeten Technik. Häufiger sind die abgelauteten Formen, insbesondere in formelleren Kontexten.

Es wäre also theoretisch nicht falsch, bestimmte Fachbereiche angewendete Psychologie, angewendete Linguistik oder angewendete Kommunikationsforschung statt angewandte Psychologie, angewandte Linguistik oder angewandte Kommunikationsforschung zu nennen. Das ist aber, wie Sie in Ihrer Frage bereits erwähnen, bei Bezeichnungen dieser Art keineswegs gebräuchlich.

Ist nun das regelmäßige Partizip angewendete hier richtig oder falsch? Im Zweifelsfall gilt: Richtig ist, was üblich ist. Man kann deshalb sagen, dass angewendete Kommunikationsforschung zwar nach den Angaben der Wörterbücher theoretisch möglich, in der Sprachpraxis aber doch nicht richtig ist, ganz einfach, weil es nicht so verwendet (oder verwandt) wird. Richtig ist nur angewandte Kommunikationsforschung (als nachsichtige Korrektorin oder wohlwollender Lehrer geben Sie dennoch höchstens einen halben Punkt Abzug).

Hier zeigt sich wieder einmal, dass man der Sprachrealität mit Regeln und Flexionstabellen nicht immer gerecht werden kann, denn „letztinstanzlich“ gilt diese bereits erwähnte Regel der „angewandten Grammatik“: Richtig ist, was üblich ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein einzelnes Wort zwischen zwei Kommas

Warnhinweis: Wer Kommafragen nicht mag, klickt besser weiter …

Frage

Soweit ich weiß, wird das „ist“ nicht mit zwei Kommas eingeschlossen. Das ist zwar möglich, aber kein so gutes Deutsch. Beispiel:

Was ich sagen möchte, ist, wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.
Besser: Was ich sagen möchte ist, wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.

Wie sieht es mit anderen Wörtern aus, die wegen eines eingeschlossenen Satzes plötzlich allein stehen?

Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa, nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Könnte ich hier auch so schreiben:

Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa, nicht über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Kann man bei allen alleinstehenden Wörtern das vorherstehende Komma weglassen? Gibt es dafür entsprechende Regeln?

Antwort

Guten Tag Herr D.,

es stimmt, dass es oft nicht sehr schön ist, wenn ein einzelnes Wort zwischen zwei Kommas steht. Die Lösung ist aber nicht, eines der beiden Kommas wegzulassen, wenn beide Kommas obligatorisch sind. Es gibt keine Regel, die es erlaubt, in solchen Fällen ein Komma fallen zu lassen (vgl. hier).  In den folgenden Sätzen kann deshalb keines der Kommas weggelassen werden:

Was ich sagen möchte, ist, wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.
Was ich sagen möchte, ist, dass ich, wenn ich Lust auf Pizza habe, diese auch essen möchte.

Im ersten Satz könnte die Kommaflut eventuell wie folgt vermieden werden:

Was ich sagen möchte, ist: Wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.
Ich möchte damit sagen: Wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich sie auch essen.

Bei Ihrem zweiten Beispielsatz wird es etwas komplizierter. Die Infinitivgruppe, die mit über beginnt, kann mit einem Komma abgetrennt werden. Das Komma ist nicht obligatorisch, aber zu empfehlen, damit klar ist, ob nicht den übergeordneten Satz (traute sich nicht) oder die Infinitivgruppe (nicht zu schimpfen) verneint:

Früher traute sich Anne nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
vgl.: Früher traute sich Anne, nicht über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Es ist also besser, vor über ein Komma zu setzen. Weiter kann die Wortgruppe sogar zu Hause auf dem Sofa als Einschub vorn und hinten durch Kommas abgetrennt werden. Diese Kommas sind nicht obligatorisch. Daraus ergeben sich diese Möglichkeiten:

Früher traute sich Anne sogar zu Hause auf dem Sofa nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa, nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Weniger kommalastig und stilistisch besser formulieren Sie allerdings mit nicht einmal statt sogar … nicht:

Früher traute sich Anne nicht einmal zu Hause auf dem Sofa über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
Früher traute sich Anne nicht einmal zu Hause auf dem Sofa, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
Früher traute sich Anne, nicht einmal zu Hause auf dem Sofa, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Wenn ein einzelnes Wort zwischen zwei Kommas steht, die beide obligatorisch sind, kann die Häufung der Kommas – wenn gewünscht – nur durch eine Umformulierung vermieden werden. Was ich mit so vielen Worten sagen möchte, ist, dass Ihre Lösung für solche Fälle leider nicht den Regeln der deutschen Kommasetzung entspricht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Heiß!

Selbst dieses Schattenplätzchen ist zu heiß zum Arbeiten (37 °C!):

Ich verlasse den Arbeitsplatz und gönne mir ein Eis.

Das Ausbleiben von Blogeinträgen bitte ich zu entschuldigen. Ich hoffe, dass es bis gegen Ende der Woche genügend abkühlt, dass ich Sie wieder mit neuen Artikeln belästigen/erfreuen kann.

Mit hochsommerlichen Grüßen

Dr. Bopp (strandfern und klimaanlagenlos)

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Wird vor sich hingesummt oder vor sich hin gesummt?

Frage

Ich habe bei meiner Recherche zum folgenden Thema keine Antwort […] gefunden: das leidige „vor sich hin+Verb“.

Sie hat vor sich hin gesummt vs. Sie hat vor sich hingesummt

oder

während sie vor sich hinlächelt vs. während sie vor sich hin lächelt

Sowohl die Zusammen- als auch die Getrenntschreibung sind mir schon untergekommen. […] Was ist in solch einem Fall die korrekte Variante?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

wenn die Verbindung vor sich hin die Bedeutung ganz für sich [und wiederholt] hat, ist es üblich, hin vom Verb getrennt zu schreiben:

vor sich hin reden
vor sich hin jammern
weil ich manchmal einfach vor mich hin pfeife
Sie hat nur noch vor sich hin gejammert.
Hör auf, vor dich hin zu starren!

Für Ihre Beispiele bedeutet dies:

Sie hat vor sich ihn gesummt
während sie vor sich hin lächelt

Wenn vor sich hin diese Bedeutung hat, ist es eine eigenständige adverbiale Wendung (Frage: wie?), die üblicherweise nicht mit dem Verb zusammengeschrieben wird.

Man schreibt aber dann zusammen, wenn vor sich hin eine räumliche Bedeutung hat (wohin?):

etwas vor sich hinlegen
Ich habe den Koffer vor mich hingestellt
Wage es nicht, es einfach vor dich hinzuschmeißen!

Ich hoffe, dass Sie nicht allzu lange vor sich hin sinniert haben (für dieses etwas forcierte Wortspiel bitte ich um Verzeihung) und dass Sie nun besser verstehen, wie mit vor sich hin und einem Verb umzugehen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Informati-onen oder Informatio-nen?

Frage

Ich bin etwas verunsichert bezüglich der Silbentrennung des Worts „Informationen“. Die Singularform „Information“ ist mir klar: „In-for-ma-ti-on“. Wie steht es um die Pluralform? Ist „In-for-ma-ti-on-en“ korrekt oder „In-for-ma-tio-nen“?

Antwort

Guten Tag Frau B.,

bei Mehrzahlformen auf -ionen kann sowohl nach dem i als auch nach dem o getrennt werden (vgl. amtl. Rechtschreibregelung, § 107):

a) Informati-onen
b) Informatio-nen

Wenn Sie alle möglichen Trennstellen angeben möchten, sieht das also so aus:

c) In-for-ma-ti-o-nen

Das gilt auch bei anderen Wörtern, bei denen ein paar Vokale innerhalb eines Wortes aufeinandertreffen. Man trennt dann (ungefähr) so, wie man die Wörter bei langsamem Vorlesen in Silben zerlegen kann**. Hier noch weitere Beispiele:

a) sozi-ale
b) sozia-le
c) so-zi-a-le

a) europä-ische
b) europäi-sche
c) eu-ro-pä-i-sche

a) na-iver
b) nai-ver
c) na-i-ver

a) Ma-ori
b) Mao-ri
c) Ma-o-ri

a) Mete-ore
b) Meteo-re
c) Me-te-o-re

a) Individu-alität
b) Individua-lität
c) In-di-vi-du-a-li-tät

a) Bedui-ne
b) Bedu-ine
c) Be-du-i-ne

Bis hier sind alle Beispiele Fremdwörter, doch auch bei einigen einheimischen Wörtern kommt diese Trennstellenvielfalt vor. Zum Beispiel:

a) Bäue-rin
b) Bäu-erin
c) Bäu-e-rin

a) treu-ere
b) treue-re
c) treu-e-re

a) frei-ere
b) freie-re
c) frei-e-re

Eigentlich ist es gar nicht so kompliziert. Ins Zögern gerät man wohl deshalb, weil einige Trennstellen (zum Beispiel sozia-le, europäi-sche, nai-ver) recht gewöhnungsbedürftig aussehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

** In Wörtern wie Informationen und soziale sind tio resp. zia bei normaler Sprechgeschwindigkeit zwar einsilbig, die genannte Trennregel gilt aber trotzdem (vgl. amtl. Rechtschreibregelung, § 107).

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Die Unterstützung und Zusammenarbeit mit den Managern?

Frage

[…] Es geht um den folgenden Punkt einer Aufzählung (Beschreibung, welche Aufgaben ein Manager zu erfüllen hat):

Unterstützung und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen

Ist es zulässig, das so zu formulieren? Ich habe bereits im Duden nachgesehen, bin mir aber nicht sicher, ob es sich hier um eine Ellipse handelt (es also korrekt wäre) oder nicht (und daher umformuliert werden müsste: „Unterstützung der und Zusammenarbeit mit den … Managern …“).

Antwort

Guten Tag Frau B.,

wenn eine Wortgruppe wie hier einmal ein Genitivattribut und einmal ein präpositionales Attribut ist, sollte sie nicht eingespart werden. Man muss wiederholen, was manchmal sehr umständlich ist, oder anders formulieren. Ein paar Beispiele:

nicht:
*das Interesse und die Beherrschung fremder Sprachen
*das Interesse für und die Beherrschung fremder Sprachen
sondern z. B.:
das Interesse für fremde Sprachen und ihre Beherrschung

nicht:
*die Fragen und die Antworten an die Nutzerinnen und Nutzer
*die Fragen der und die Antworten an die Nutzerinnen und Nutzer
sondern z. B.:
die Fragen der Nutzerinnen und Nutzer und ihre Beantwortung

nicht:
*Unterstützung und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen
*Unterstützung der und Zusammenarbeit mit den lokalen Managern bei IT-/IS-Fragen
sondern z. B.:
Unterstützung der lokalen Manager und Kooperation mit ihnen bei IT-/IS-Fragen

Dass das Genitivattribut sich auch sonst manchmal ziemlich eigenwillig und wenig kooperativ verhält, wenn es um die Einsparung wiederholter Wörter und Wortgruppen geht, sehen Sie zum Beispiel hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Was genau bedeutet »das Foto meiner Freundin«?

Frage

Der folgende Satz wurde beanstandet: „Ein Foto von unserem Mitarbeiter und passionierten Fotografen J. Jansen“. Die Verbesserung sollte lauten: „Ein Foto unseres Mitarbeiters und passionierten Fotografen J. Jansen“. Also wünschte sich der Klagende zwingend den Genitiv.

Dazu meine Frage: Gibt es eine eindeutige Unterscheidung des Kasus für die beiden Möglichkeiten, dass ein Bild die Person zeigt oder das Bild von einer Person fotografiert wurde?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

Es gibt keine Möglichkeit, bei einer Angabe dieser Art mit Hilfe der Fälle eindeutig anzugeben, ob die Person, die im Genitiv bzw. mit von angeführt wird, auf dem Foto abgebildet ist oder das Foto gemacht hat:

ein Foto meines besten Freundes (standardsprachlich)
= ein Foto von meinem besten Freund (umgangssprachlich)

In beiden Fällen kann der beste Freund die abgebildete Person oder der Fotograf sein. Es gibt sogar eine dritte Möglichkeit, nämlich dass der beste Freund der Besitzer des Fotos ist. Nur der weitere Zusammenhang kann entscheiden, was genau gemeint ist.

Mit Genitivattributen können sehr verschiedene Verhältnisse bezeichnet werden (siehe hier). Es ist deshalb nicht immer eindeutig, welche Art des Verhältnisses gemeint ist. Die folgenden Nomengruppen können verschieden interpretiert werden:

die Beschreibung des Angeklagten
= der Angeklagte beschreibt (Genitivus subiectivus)
= der Angeklagte wird beschrieben (Genitivus obiectivus)

das Foto meiner Freundin
= das Foto, das meine Freundin gemacht hat (Genitivus Auctoris)
= das Foto, auf dem meine Freundin abgebildet ist (Genitivus obiectivus)
= das Foto, das meiner Freundin gehört (Genitivus possessivus)

Der Satzzusammenhang sollte immer verdeutlichen, welche Interpretation die richtige ist. Wenn dies nicht der Fall ist, empfiehlt es sich, die Nomengruppe umzuformulieren oder zu ergänzen:

die Beschreibung durch den Angeklagte
die Beschreibung des Angeklagten durch den Zeugen

Für Ihr Beispiel bedeutet dies alles, dass Sie besser den Genitiv als von verwenden:

Ein Foto unseres Mitarbeiters und passionierten Fotografen J. Jansen

Da Herr Jansen als passionierter Fotograf vorgestellt wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass er das Foto gemacht hat. Das ist vor allem dann der Fall, wenn keine Person auf dem Bild steht, die Herr Jansen sein könnte. Der Zusammenhang gibt in dieser Weise an, welche Art des Genitivs gemeint ist. Und falls es doch ein Foto sein sollte, auf dem J. Jansen zu sehen ist, dann müssten Sie genauer formulieren (z. B: Das Foto zeigt unseren Mitarbeiter und passionierten Fotografen J. Jansen).

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wenn der Vorteil ein Nachteil ist: übervorteilen

Frage

Schon seit Längerem beschäftigt mich die Frage nach der Bedeutungsherkunft des Verbes „übervorteilen“. Zunächst scheint seine Bedeutung kontraintuitiv: Übervorteilen klingt danach, als bekomme man zu viel des Vorteils. Nach einer Benachteiligung klingt es gerade nicht.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

die Bedeutung jemanden benachteiligen, betrügen des Verbs übervorteilen ergibt sich tatsächlich nicht spontan aus seiner Form. Es klingt, wie Sie richtig sagen, eher nach einem Übermaß an Vorteil als nach einer Benachteiligung. Das liegt daran, dass dieses Verb zu einer Zeit entstanden ist, in der Vorteil auch etwas Negatives sein konnte. Eine der vielen Bedeutungen, die Vorteil hatte, war gemäß dem Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm:

[…] im engeren sinne bezeichnet es unredlichen gewinn, lug und trug im erwerbsleben: irs geytz, wuchers und allen vorteyl und finantzerey  (Luther); beschisz, vorteil, betrug (Zwingli); so von zinsen und wucher leben in allerley vorteil und buberey (Eberlin v. Günzburg) […]

Grimm, Vorteil, Bedeutung 7)

Auch die heute nicht mehr gebräuchliche Ableitung vorteilisch war alles andere als positiv: 

wer vortailisch ist, prauchet vil tüeck und hinderlist
(Wer „vorteilisch“ ist, braucht viel Tücke und Hinterlist)

Grimm, vorteilisch

Nun kommen wir zum Verb bevorteilen, das hier die größte Überraschung für mich war: Bis vor nicht allzu langer Zeit hatte es nämlich nicht die heutige positive Bedeutung. Nach dem grimmschen Wörterbuch bedeutete es noch Ende des 19. Jahrhunderts beeinträchtigen, betrügen:

dies wort ist kein gegensatz von benachtheiligen und drückt nicht aus einen in vortheil bringen, sondern das umgedrehte.

Grimm, bevortheilen

Das Verb bevorteilen wurde demnach nicht vom positiven Vorteil , sondern von Vorteil mit der Bedeutung unredlicher Gewinn, Lug und Trug  abgeleitet. Es wurde also in gleicher/ähnlicher Weise wie betrügen (von Trug) und benachteiligen (von Nachteil) gebildet. Später wurde es zu seinem Gegenteil umgedeutet, sehr wahrscheinlich weil wir heute Vorteil nur noch im positiven Sinne kennen. Wenn man heute bevorteilt wird, wird man begünstigt.

Und hiermit sind wir endlich bei übervorteilen. Auch dieses Verb wurde wahrscheinlich wie bevorteilen vom negativ beladenen Vorteil abgeleitet. Es bedeutete ungefähr jemanden mit Lug und Trug überwinden, überlisten und wurde somit wie sein Bedeutungsnachbar überlisten (von List) gebildet.

Leicht bis mittelschwer dramatisierend könnte man also sagen, dass das Wort Vorteil im Laufe seiner Geschichte auch eine negative Bedeutung erhalten hatte, die später wieder verlorenging. Nur im Verb übervorteilen hat Vorteil im Sinne von Lug und Trug, unredlicher Gewinn noch seine Spuren hinterlassen. 

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp 

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Voll der Gnaden, Friede auf Erden und der Welten Lohn

Auch wenn der Titel es vielleicht nahelegt, geht es nicht um theologische Fragen. Es geht nur ganz weltlich darum, ob Gnaden, Frieden und Welten hier im Plural oder im Singular stehen.

Frage

Meine Frage betrifft die Formulierung „voll der Gnaden“, wie man sie in älteren Übersetzungen des Ave Maria findet (wohingegen heute meist „voll der Gnade“ verwendet wird). Meine Frage ist, was für eine Form „der Gnaden“ hier genau ist. Nach „voll“ steht ja bekanntlich Genitiv, also bleibt eigentlich nur die Frage nach dem Numerus. Nach moderner Morphologie wäre „der Gnaden“ eindeutig Plural, aber die Verwendung von „Gnade“ im Plural scheint mir sehr unüblich und im Lateinischen steht ja auch „gratia plena“ und nicht „gratiis plena“. […]

Antwort

Guten Tag Herr H.,

bei der Form Gnaden in älteren Texten und Wendungen ist es oft schwierig, zu entscheiden, ob es sich um eine Pluralform oder eine Singularform handelt. Einerseits wurde und wird das deutsche Gnade häufiger im Plural verwendet als das lateinische gratia. Andererseits wechselte Gnade zum Teil zur schwachen Deklination, das heißt, die Form Gnaden wurde auch als Singularform verwendet. Es ist deshalb schwierig, zu beurteilen, ob es sich bei Gnaden in voll der Gnaden um einen Plural oder einen Singular handelte. Im heutigen Deutschen kann es nur noch eine Pluralform sein, was die neueren Übersetzungen von gratia plena mit voll der Gnade erklärt. Mehr dazu lesen Sie zum Beispiel im Deutschen Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Eintrag Gnade, Punkt 5) und 6).

Gnade ist nicht das einzige weibliche Substantiv, dass auch im Singular mit schwachen Endungen verwendet wurde. Solche Formen haben noch in einigen Wendungen, Gedichten, Gebeten usw. „überlebt“:

von Gotten Gnaden
Friede auf Erden
dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden
auf Seiten der Gegenpartei
von Seiten der Klägerin
Undank ist der Welten Lohn

So viel von Seiten des Blogautors zur Formulierung voll der Gnaden.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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