Zehntelmillimeter dick oder zehntelmillimeterdick?

Frage

Schreibt man hier getrennt oder zusammen?

… aus zehntelmillimeterdickem Stoff
… aus Zehntelmillimeter dickem Stoff

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

richtig ist in diesem Fall die Zusammenschreibung:

aus zehntelmillimeterdickem Stoff

Es geht hier um einen Zusammensetzung von einem Substantiv und einem Adjektiv, bei der das Substantiv nicht nur für sich allein, sondern für eine Wortgruppe steht:

ein fingerbreiter Riss (breit wie ein Finger)
ein armdicker Ast (dick wie ein Arm)
ein knielanges Kleid (lang bis an die Knie)
hüfthohes Wasser (hoch bis zur Hüfte)
millimetergenaue Messungen (auf den Millimeter genau)

Das gilt auch für Zusammensetzungen mit Maßeinheiten, wenn sie für eine ungenaue Angabe stehen (einige/mehrere/wenige X). Auch dann wird die Verbindung zusammengeschrieben:

minutenlanger Applaus (mehrere Minuten lang)
eine tonnenschwere Maschine (einige Tonnen schwer)
metertiefe Löcher (mehrere Meter tiefe Löcher)
ein zentimeterbreiter Riss (einige Zentimeter breit)
millimeterkurzes Haar (einige Millimeter kurz)
zehntelmillimeterdicker Stoff (wenige Zehntelmillimeter dick)

Steht das Substantiv aber für sich allein, dann schreibt man getrennt:

fünf Minuten langer Applaus
eine einige Tonnen schwere Maschine
einen Meter tiefe Löcher
ein mehrere Zentimeter breiter Riss
zwei Millimeter kurzes Haar
nur wenige Zehntelmillimeter dicker Stoff

Wenn man diese Regel kennt, kommt man meist ohne minutenlanges Nachdenken auf die richtige Schreibweise.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wird vor sich hingesummt oder vor sich hin gesummt?

Frage

Ich habe bei meiner Recherche zum folgenden Thema keine Antwort […] gefunden: das leidige „vor sich hin+Verb“.

Sie hat vor sich hin gesummt vs. Sie hat vor sich hingesummt

oder

während sie vor sich hinlächelt vs. während sie vor sich hin lächelt

Sowohl die Zusammen- als auch die Getrenntschreibung sind mir schon untergekommen. […] Was ist in solch einem Fall die korrekte Variante?

Antwort

Guten Tag Frau G.,

wenn die Verbindung vor sich hin die Bedeutung ganz für sich [und wiederholt] hat, ist es üblich, hin vom Verb getrennt zu schreiben:

vor sich hin reden
vor sich hin jammern
weil ich manchmal einfach vor mich hin pfeife
Sie hat nur noch vor sich hin gejammert.
Hör auf, vor dich hin zu starren!

Für Ihre Beispiele bedeutet dies:

Sie hat vor sich ihn gesummt
während sie vor sich hin lächelt

Wenn vor sich hin diese Bedeutung hat, ist es eine eigenständige adverbiale Wendung (Frage: wie?), die üblicherweise nicht mit dem Verb zusammengeschrieben wird.

Man schreibt aber dann zusammen, wenn vor sich hin eine räumliche Bedeutung hat (wohin?):

etwas vor sich hinlegen
Ich habe den Koffer vor mich hingestellt
Wage es nicht, es einfach vor dich hinzuschmeißen!

Ich hoffe, dass Sie nicht allzu lange vor sich hin sinniert haben (für dieses etwas forcierte Wortspiel bitte ich um Verzeihung) und dass Sie nun besser verstehen, wie mit vor sich hin und einem Verb umzugehen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine 7,5 in Worten

Nachdem vor einer Woche die Frage beantwortet wurde, wie man den 2 000 024. Besucher in Worten ausdrückt (der zweimillionenvierundzwanzigste Besucher), geht es heute noch einmal darum, wie ein bestimmter Zahlentyp in Worten geschrieben wird:

Frage

Ich habe gelesen: „Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?“ Müsste es nicht „eine sieben Komma fünf“ sein?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

man schreibt sieben Komma fünf und acht, wenn es um die Zahlen geht (sieben Komma fünf Meter; sieben Komma fünf plus acht …). Nach § 57 (4) der amtlichen Rechtschreibregelung müssen aber substantivierte Grundzahlen als Bezeichnung von Ziffern großgeschrieben werden. Die angeführten Beispiele sind:

Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich vor der Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf. Sie hat lauter Einsen im Zeugnis. Er würfelt eine Sechs.

Daraus ergibt sich, dass man in Ihrem Satz eine Acht großschreiben muss. Konsequenterweise ist dann auch eine 7,5 eine Substantivierung, die großgeschrieben wird. Und weil man Substantive zusammenschreibt, sollte diese Substantivierung nicht nur groß-, sondern auch in einem Wort geschrieben werden: eine Siebenkommafünf. Der Satz, den Sie anführen, ist also richtig geschrieben:

Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?

Möglich wäre auch die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen (aber ob sie wirklich verdeutlichend sind?):

Ist das eine Sieben-Komma-fünf oder eine Acht?

Sie können auch die Schreibung mit Ziffern erwägen. Das ist bei komplexeren Zahlen häufig eine einfacher lesbare Variante:

Ist das eine 7,5 oder eine 8?

Ich hoffe, dass diese Antwort eine Siebenkommafünf verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Kein Bindestrich bei »nicht«: Nichteinschreiten, Nichtfachleute, nichteuropäisch

Zusammensetzungen mit nicht werden häufig mit Bindestrich geschrieben, obwohl dies in der Rechtschreibregelung nicht so vorgesehen ist.

Frage

Angenommen, das Wort „das Einschreiten“ soll mit „nicht“ verbunden werden, dann müsste das Negationswort doch direkt mit dem Substantiv verbunden werden, oder sehe ich das falsch? Korrekt müsste es also heißen: „das Nichteinschreiten“.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

es stimmt tatsächlich, dass man nach der Rechtschreibregelung Verbindungen mit nicht und einem substantivierten Infinitiv zusammenschreibt (vgl. hier).

nicht + substantivierter Infinitiv

das Nichteinschreiten

das Nichteinhalten des Vertrages
Rückgabe der Ware bei Nichtgefallen
Nichtwissen schützt nicht vor Strafe

Wird hingegen eine substantivierte Infinitivgruppe verneint, dann besteht sie aus mehr als zwei Elementen und wird entsprechend mit Bindestrichen geschrieben (vgl. hier).

nicht + subtantivierte Infinitivgruppe

das Gefühl des Nicht-gewollt-Seins
das Nicht-mehr-warten-Können

Das ist übrigens der einzige Fall, in dem die Rechtschreibregelung bei Zusammensetzungen mit nicht die Schreibung mit einem Bindestrich vorsieht. So schreibt man nicht nur nicht und substantivierte Infinitive zusammen (Nichteinhalten, Nichtwissen), sondern im Prinzip alle Verbindungen mit nicht und einem Substantiv (vgl. hier).

nicht + Substantiv

Nichteinhaltung
Nichterfolg
Nichtfachleute
Nichtedelgase
Nichteuropäer/Nichteuropäerin
Personen und Nichtpersonen
Nichtmuttersprachler/Nichtmuttersprachlerin

Hier wird allerdings entgegen der Grundregel häufig mit Bindestrich geschrieben. Noch häufiger kommt der in der Rechtschreibregelung nicht vorgesehene Bindestrich bei der Kombination von nicht mit einem Adjektiv vor. Für diesen Fall bestimmt die amtliche Regelung (§36.2.3) ausdrücklich, dass entweder zusammen- oder getrennt geschrieben wird (vgl. hier).

nicht + Adjektiv

nicht eheliche/nichteheliche Kinder
nicht europäisch/nichteuropäisch
nicht geschäftsfähig/nichtgeschäftsfähig
eine nicht kontrastive/nichtkontrastive Verneinung
nicht leitende/nichtleitende Materialien
nicht tumorbedingte/nichttumorbedingte Schmerzen

Siehe auch hier.

Bei absichtlichem oder nicht absichtlichem/nichtabsichtlichem Nichteinhalten dieser Regeln wird man sicher nicht gleich des Nicht-schreiben-Könnens bezichtigt, aber wenn Sie sich lieber nicht der Nichtbeachtung der Regeln schuldig machen wollen, kommen Sie bei nicht fast immer ohne Bindestriche aus.

Das Meiste können Sie hier in konzentrierterer Form nachlesen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Variantenski fahren oder variantenskifahren?

Viele zieht es über die Weihnachtsfeiertage in die Berge. Frau W.s Frage passt gut hierzu:

Frage

Heute hätte ich eine kurze Frage:

Ski- und Snowboardfahrer, die außerhalb der markierten Pisten variantenskifahren, tun dies auf eigenes Risiko.

Müsste die Schreibweise nicht „Variantenski fahren“ (analog zu „Ski fahren“) lauten ?

Antwort

Hier komme auch ich ins Zweifeln. Am besten formuliert man anders, aber wenn es denn so sein soll, würde ich die Zusammenschreibung empfehlen.

Bei Ski fahren ist wie bei Auto fahren, Rad fahren oder Schlittschuh laufen der erste Teil der Verbindung das Mittel, dessen man sich bedient. Bei variantenskifahren ist dies nicht der Fall (wenn ich alles richtig verstehe, fährt man dabei nicht auf einem Variantenski genannten Gerät den Berg hinunter). Ich würde das Verb deshalb wie die Verben eislaufen, marathonlaufen oder delfinschwimmen zusammenschreiben: Skifahrer, die variantenskifahren.

Der Satz, den Sie zitieren, ist also meiner Meinung nach richtig geschrieben.

Aber: Nach der Rechtschreibregelung, § 33 E, kann neben marathonlaufen und delfinschwimmen auch Marathon laufen (ich laufe Marathon) und Delfin schwimmen (ich schwimme Delfin) geschrieben werden. Ich wage es deshalb nicht, die Getrenntschreibung Variantenski fahren (ich fahre Variantenski[??]) als grundsätzlich falsch zu bezeichnen. Nur zusammen schreibt man im Übrigen die Substantivierungen das Variantenskifahren, beim Variantenskifahren.

Wirklich wichtig ist sowieso nicht die Getrennt- oder Zusammenschreibung, sondern dass man das Variantenskifahren, wenn überhaupt, nur unter genauer Berücksichtigung des Geländes, des Wetters und der Lawinenlage betreibt.

Ob Sie in den nächsten Tagen auf oder neben der Piste Ski fahren, sich an einem Strand tummeln, zu Hause feiern oder aber arbeiten müssen: frohe Weihnachten!

Dr. Bopp

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Sind die Wiesen saftiggrün oder saftig grün?

Frage

Schreibt man die saftig grünen Wiesen oder die saftiggrünen Wiesen?

Antwort

Guten Tag Frau D.,

wie man diese Verbindung schreibt, hängt davon ab, was genau mit ihr gemeint ist.

Wenn die Adjektive gleichrangig sind, das heißt, wenn die Wiesen saftig und grün sind, schreibt man zusammen (vgl. blaugrau, feuchtwarm, nasskalt):

die saftiggrünen Wiesen

Die Adjektive saftig und grün beziehen sich beide auf Wiesen. Das Gegenteil sind gelbtrockene Wiesen, wie sie in diesem heißen und regenarmen Sommer vielerorts zu sehen waren.

Wenn gemeint ist, dass die Wiesen ein saftiges, das heißt kräftiges, frisches Grün haben, schreibt man getrennt (vgl. leuchtend blau, grünlich gelb)

die saftig grünen Wiesen

Das Adjektiv saftig bestimmt grün näher, das sich auf Wiesen bezieht.

Wenn Sie zweifeln, weil der Unterschied zwischen einer saftigen und grünen Wiese und einer Wiese von saftigem Grün in einer Beschreibung meist nicht allzu groß ist, wählen Sie am besten saftig grüne Wiesen. Eine Alternative, die keine Rechtschreibzweifel aufkommen lässt und sich in einer Beschreibung auch gut macht, ist:

die saftgrünen Wiesen

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nicht und das Adjektiv

Nach dem Urlaub und dem unvermeidlichen Abtragen des Mailbergs heute wieder einmal das Thema nicht+Adjektiv:

Frage

Was ist richtig:

nichttumorbedingte Schmerzen
nicht tumorbedingte Schmerzen
nicht-tumorbedingte Schmerzen

Was mich immer ein bisschen verwirrt, ist die folgende Aussage, die ich auf einer Rechtschreibseite für Naturwissenschafter zu diesem Thema gefunden habe:

[…] Man schreibt in einem Wort, wenn dieses „klassenbildend“ ist, ansonsten getrennt in zwei Wörtern. Entsprechend: „nichtoxidierende Säure“, „nichtnewtonsches Fluid“, „nicht poröses Material“ etc.

Auch im Springer Copyediting-Manual wird das so ausgedrückt:

Verbindungen mit „nicht“ werden in einem Wort geschrieben, wenn sie „klassenbildend“ sind: nichtberufstätig (gegenüber berufstätig), nichtmetastasierend (gegenüber metastasierend), Nichtzutreffendes (gegenüber Zutreffendes).

Im Duden und bei Canoo habe ich diese Regel nicht gefunden. Ist sie korrekt? Wenn ja, könnten Sie mir bitte kurz erklären, was „klassenbildend“ bedeutet? Ich verstehe nämlich nicht, warum „nichtoxidierende Säure“, „nichtnewtonsches Fluid“ etc. klassenbildend sind und „nicht poröses Material“ nicht.

Wie soll ich das dann auf meine Beispiele mit „tumorbedingt“ anwenden?

Antwort

Guten Tag H.,

Die Angaben, die Sie zitieren, können nur als Empfehlungen verstanden werden. Die geltende amtliche Rechtschreibregelung § 36.2.3. sagt nur, dass zusammen- wie auch getrennt geschrieben werden kann bei:

Verbindungen von nicht mit Adjektiven, zum Beispiel:
eine nicht öffentliche/nichtöffentliche Sitzung, nicht operativ/nichtoperativ behandeln

Von „klassenbildend“ ist weder ausdrücklich noch implizit bei den Beispielen die Rede. Es liegt also im Ermessen der Schreibenden, ob sie solche Verbindungen zusammenschreiben wollen oder nicht.

Nun ist es im deutschen Sprachraum (nach meiner Erfahrung vor allem in Deutschland) so, dass „so viel“ Freiheit manchen Mühe bereitet. Daher kommt vielleicht das Bedürfnis nach einer Regel wie dieser mit „klassenbildend“. Innerhalb einer Fachsprache kann sie für die Vereinheitlichung der Terminologie einen gewissen Nutzen haben. Als allgemeine Regel halte sie für nicht sehr nützlich. Ich weiß nämlich auch nicht genau, ob tumorbedingt und nichttumorbedingt klassenbildend sind oder nicht.

Sie können also zusammen- oder getrennt schreiben. Nur die Schreibung mit Bindestrich sollten Sie nicht verwenden:

nicht tumorbedingte Schmerzen
nichttumorbedingte Schmerzen

Wichtig ist höchstens, dass Sie innerhalb eines Textes oder einer Textreihe möglichst konsequent dieselbe Schreibweise verwenden, also immer nicht tumorbedingt oder immer nichttumorbedingt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Zwei aktuelle Ereignisse, die auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun haben, sind das nordkoreanisch-amerikanische Trump-Kim-Spitzentreffen in Singapur und der neue Name der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Auch auf den zweiten und dritten Blick ist kaum ein Zusammenhang erkennbar – dafür braucht es schon einen Blog über Grammatik und Rechtschreibung des Deutschen. In diesem Fall geht es um die Rechtschreibung: Nordkorea und Nord-Mazedonien?

Namen von Ländern, Regionen usw. die mit einer Himmelsrichtung beginnen, werden im Deutschen in der Regel zusammengeschrieben:

Nordkorea, Nordirland, Nordbayern
Südkorea, Südafrika, Südtirol
Ostasien, Ostösterreich, Ostfriesland
Westeuropa, Westdeutschland, die Westschweiz
Südostasien, Südwestafrika, Nordwestmecklenburg
Ostwestfalen

Dabei macht es nichts aus, ob ein Staat oder eine Region gemeint ist, ob es sich um einen offiziellen oder einen inoffiziellen Namen handelt oder ob es den entsprechenden Namen mit der gegenüberliedgenden Himmelsrichtung ebenfalls gibt. Deshalb war ich etwas erstaunt, dass in fast allen Pressemitteilungen der neue Name des Republik im Herzen Südosteuropas mit einem Bindestrich geschrieben wird:

Republik Nord-Mazedonien

Ich hätte nämlich erwartet, dass man hier – wie sonst auch – ohne Bindestrich auskommen würde:

Republik Nordmazedonien

Was bei Nordkorea, Südkorea, Südafrika und noch nicht so lange auch Südsudan möglich ist bzw. früher bei Nord- und Südvietnam oder Ost- und Westdeutschland möglich war, sollte doch auch bei Nordmazedonien zu keinen größeren Leseschwierigkeiten führen.

Das waren natürlich erst die ersten Presseberichte, wer weiß, wie sich die Schreibung des Namens einbürgern wird. Und um auf einer richtig schön nörglerischen Note zu enden: immer noch besser Nord-Mazedonien mit einem (meiner Meinung nach überflüssigen) Bindestrich als das ebenfalls in einigen Meldungen stehende (eindeutig falsch geschriebene) *Nord Mazedonien!

PS: Bei der automatischen Rechtschreibprüfung ist mir aufgefallen, worauf die Schreibung mit Bindestrich (oder gar die Getrenntschreibung) u. a. zurückzuführen sein könnte: Das Prüfprogramm lässt nur Nord-Mazedonien und Nord Mazedonien durch, Nordmazedonien hingegen wird als Fehler angemerkt …

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So lange und solange

Ein Dauerbrenner bei den Rechtschreibunsicherheiten: solange und so lange.

Frage

Ich stehe auf dem Schlauch: „Ich werde warten, so lange es auch dauert.“ Richtig so oder doch: „solange es auch dauert“? Ich tendiere doch eher zur Zusammenschreibung. […] Kann man das auch anhand der Betonung entscheiden? Wenn man „lange“ betont, zusammen, und wenn man „so“ betont, getrennt – oder ist das nicht immer zuverlässig?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

richtig ist in diesem Fall tatsächlich die Zusammenschreibung solange (vgl. hier):

Ich werde warten, solange es auch dauert.

Bei der Entscheidung, ob man solange oder so lange schreibt, kann die Betonung eine Hilfe sein, sie ist aber nicht immer ein zuverlässiges Kriterium. Man sagt zum Beispiel:

Du darfst só lange bleiben, wie du willst.

Man kann aber auch wie folgt betonen, ohne dass man anders schreibt:

Du darfst so lánge bleiben, wie du willst.

Die Betonung ist höchstens insofern ein Kriterium, als man in der Regel getrennt schreibt, wenn man so betonen kann. Ist die Betonung auf so nicht möglich (oder zumindest sehr seltsam), dann schreibt man zusammen:

Ich werde warten, solánge es auch dauert. (nicht: sólange es auch dauert)

Ein besseres Kriterium ist die Grammatik: Man schreibt solange zusammen, wenn es als Konjunktion am Anfang eines Nebensatzes steht. In einem Nebensatz steht die konjugierte Verbform an letzter Stelle. Vergleichen Sie jeweils die Schreibung solange/so lange und die Stellung der konjugierten Verbform:

Du darfst bleiben, solange du [bleiben] willst.
Fünf Tage? So lange willst du bleiben?!

Ich werde warten, solange es auch dauern wird.
Wir brauchen fünf Tage und so lange wird es auch dauern.

Solange es uns möglich war, haben wir euch geholfen.
… So lange war es uns möglich, euch zu helfen, aber danach nicht mehr.

Im Prinzip ist es also ganz einfach: Man schreibt solange zusammen, wenn es einen Nebensatz einleitet. Solange Sie diese Regel anwenden, so lange werden Sie hier die Zusammen- und Getrenntschreibung richtig handhaben.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beim Nachhausegehen und beim Drachen-steigen-Lassen

Frage

Eine Stadt bringt mit riesigen Schildern Gastsättenbesucher zum Nachdenken. Auf einem Schild steht: „Lieber Gast, bitte nimm Rücksicht auf die Anwohner beim nach Hause gehen.“ Täusche ich mich, wenn ich behaupte, der Gast soll beim Nachhausegehen Rücksicht nehmen?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Sie täuschen sich nicht, richtig ist tatsächlich:

beim Nachhausegehen

Nach beim, das ja eine Zusammenziehung von bei dem ist, wird ein Infinitiv oder eine Infinitivgruppe großgeschrieben:

Sie haben ihn beim Stehlen erwischt.
Paket beim Auspacken vorsichtig aufschneiden.
Sie wünscht ihm viel Glück beim Internetdaten.
Ein weißes Hemd ist beim Spaghettiessen keine gute Idee.

Da neben nachhause gehen in zwei Wörtern auch nach Hause gehen in drei Wörtern erlaubt ist, könnte die Substantivierung auch so geschrieben werden:

beim Nach-Hause-Gehen

Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht, schreibt man sie in der Regel mit Bindestrichen (und das erste Wort, alle Substantive und den [letzten] Infinitiv groß, siehe hier und hier):

Sie haben ihn beim Geld-aus-der-Kasse-Klauen erwischt.
Beim Direkt-aus-der-Pfanne-Essen kann man sich den Mund verbrennen.
Hochspannungsleitung: Vorsicht beim Drachen-steigen-Lassen!

Und wenn ich schon beim Erklären bin: Dasselbe gilt auch für Infinitive nach am (z. B. am Lachen sein). Wichtig ist allerdings vor allem, dass man auf die Nachbarn Rücksicht nimmt, ganz gleich ob dies orthografisch korrekt geschieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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