Auch politisch bleiben „links“ und „rechts“ klein

So bestimmt lässt sich das allerdings nur sagen, wenn mit klein die Kleinschreibung gemeint ist.

Frage

Ich frage mich nun schon länger, ob man im politischen Kontext die politischen Koordinaten „links“ und „rechts“ auch großschreiben kann. Wenn ich recht sehe, wäre dieses Beispiel eindeutig in der Kleinschreibung:

Die Gesellschaft rückt nach rechts.

Doch was ist mit solchen Formulierungen:

Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Kann man dann auch großschreiben?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

die Adverbien links und rechts werden immer kleingeschrieben. Das gilt auch dann, wenn sie gewisse Merkmale eines Substantivs haben:

Er kann rechts und links nicht auseinanderhalten.
Der Wagen kam von rechts.
An dieser Kreuzung gilt rechts vor links.
Dort musst du nach rechts abbiegen.
Die schwarze Katze lief von links nach rechts über die Straße.
Sie schreibt mit links.

Auch im politischen Sinne sollten links und rechts kleingeschrieben werden:

Nach jeder Wahl wechselten links und rechts einander ab.
Die Gefahr kommt von rechts.
der Kampf gegen links
Links wie rechts bieten sich Paroli.
Viele Menschen sind gegen rechts auf die Straße gegangen.

Ob räumlich oder politisch gemeint, rechts und links schreibt man im Prinzip klein. – Nur mit einem Artikelwort drängt sich die Großschreibung dann doch auf:

Du weißt schon, dass dein Rechts mein Links ist?
Meinst du dein Rechts oder mein Rechts?!

Aber auch dann würde ich eher die Kleinschreibung in Anführungszeichen wählen:

Du weißt schon, dass dein „rechts“ mein „links“ ist?
Meinst du dein „rechts“ oder mein „rechts“?!

Doch wenn es um Meinungsverschiedenheiten im Zusammenhang mit rechts und links geht, ist es meist keine gute Idee, zusätzlich die Groß- und Kleinschreibung herbeizuziehen. Das Konfliktpotenzial ist auch ohne die Rechtschreibung groß genug – beim Autofahren wie in der Politik.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Den richtigen oder den Richtigen finden?

Der Titel könnte missverstanden werden: Es geht leider/zum Glück nicht um Tipps für die erfolgreiche Partnersuche, sondern nur um die Antwort auf eine Frage zur Groß- und Kleinschreibung.

Frage

Ich würde gerne wissen, ob im folgenden Text die Kleinschreibung der allein stehenden Adjektive richtig ist. Ich bin mir nicht ganz sicher beim letzten „der richtige“. Eigentlich bezieht es sich doch immer noch auf „Partner“, vom Gefühl aus würde ich aber doch „der Richtige“ schreiben. Liege ich da falsch?

Nach dieser Enttäuschung habe ich einen neuen Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz. Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Antwort

Guten Tag Frau F.,

es gibt bei der Groß- und Kleinschreibung von allein stehenden Adjektiven manchmal mehr als nur eine richtige Lösung. Das ist auch hier der Fall.

Richtig ist die Kleinschreibung bei den ersten Adjektiven, weil sie sich auf das vorhergehende Substantiv Partner beziehen (vgl. hier):

Nach meiner Trennung habe ich nach einem neuem Partner gesucht. Zweimal dachte ich, einen passenden gefunden zu haben. Der erste war aus Rom und der zweite aus Florenz.

Das letzte richtige kann kleingeschrieben werden:

Aber weder der eine noch der andere war der richtige.

Damit wird einfach ausgedrückt, dass keiner der beiden der richtige Partner war.

Sie können aber auch großschreiben:

Aber weder der eine noch der andere war der Richtige.

Das ist viel eindringlicher, denn damit ist nicht einfach der richtige Partner gemeint, sondern eben der eine Richtige, den man zu finden hofft (der Richtige = der richtige Mann/Geliebte/Lebenspartner).

Ob schlicht klein der richtige oder leidenschaftlich groß der Richtige, beides ist hier vertretbar. Sie können also Ihrem Gefühl folgen und großschreiben.

Das Gleiche gilt natürlich auch dann, wenn von einer Partnerin die Rede ist und die richtige oder eben die Richtige gefunden werden soll.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Eine 7,5 in Worten

Nachdem vor einer Woche die Frage beantwortet wurde, wie man den 2 000 024. Besucher in Worten ausdrückt (der zweimillionenvierundzwanzigste Besucher), geht es heute noch einmal darum, wie ein bestimmter Zahlentyp in Worten geschrieben wird:

Frage

Ich habe gelesen: „Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?“ Müsste es nicht „eine sieben Komma fünf“ sein?

Antwort

Guten Tag Frau M.,

man schreibt sieben Komma fünf und acht, wenn es um die Zahlen geht (sieben Komma fünf Meter; sieben Komma fünf plus acht …). Nach § 57 (4) der amtlichen Rechtschreibregelung müssen aber substantivierte Grundzahlen als Bezeichnung von Ziffern großgeschrieben werden. Die angeführten Beispiele sind:

Er setzte alles auf die Vier. Sie fürchtete sich vor der Dreizehn. Der Zeiger nähert sich der Elf. Sie hat lauter Einsen im Zeugnis. Er würfelt eine Sechs.

Daraus ergibt sich, dass man in Ihrem Satz eine Acht großschreiben muss. Konsequenterweise ist dann auch eine 7,5 eine Substantivierung, die großgeschrieben wird. Und weil man Substantive zusammenschreibt, sollte diese Substantivierung nicht nur groß-, sondern auch in einem Wort geschrieben werden: eine Siebenkommafünf. Der Satz, den Sie anführen, ist also richtig geschrieben:

Ist das eine Siebenkommafünf oder eine Acht?

Möglich wäre auch die Schreibung mit „verdeutlichenden“ Bindestrichen (aber ob sie wirklich verdeutlichend sind?):

Ist das eine Sieben-Komma-fünf oder eine Acht?

Sie können auch die Schreibung mit Ziffern erwägen. Das ist bei komplexeren Zahlen häufig eine einfacher lesbare Variante:

Ist das eine 7,5 oder eine 8?

Ich hoffe, dass diese Antwort eine Siebenkommafünf verdient.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Quak, quak; ja, ja; nein, nein – und das laut, fröhlich oder empört

Frage

Ich bin unsicher, wie ich folgende Interjektion schreiben soll:

Am Teich hören sie ein lautes Quak, quak.

Oder müsste man dies dann wie bei einer Konjunktion handhaben, also: „ein lautes Quak-quak“?

Antwort

Guten Tag Frau S.,

wie so oft, wenn man zweifelt, gibt es mehr als eine Möglichkeit. Die erste schlagen Sie in Ihrer Frage vor:

Am Teich hören sie ein lautes Quak-quak.

Sie können also „quak, quak“ als substantivierte mehrteilige Interjektion behandeln. Dabei werden die einzelnen Elemente durch einen Bindestrich verbunden, wie das ähnlich auch bei zum Beispiel das Sowohl-als-auch, das Teils-teils geschieht.

Sie könnten den Entenlaut aber auch sozusagen als direktes, in den Satz integriertes Zitat mit Anführungszeichen schreiben:

Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak“.
Am Teich hören sie ein lautes „quak, quak!“.

Das ist die Version, die ich wählen würde, denn man geht gleich vor wie bei mehrteiligen Ausrufen wie den folgenden:

ein fröhliches „ja, ja“
mit einem empörten „nein, nein!“
ein zögerndes „so, so“
Niemand hörte sein „Hilfe! Hilfe!“
ein verzweifeltes „Nein, nein, tu das nicht!“

Und wenn Sie nun mit einem bedenklichen „hm, hm“ zum Schluss kommen, dass die Rechtschreiblage hier nicht gerade eindeutig ist, antworte ich mit einem „Ja, ja, das stimmt“. Doch Enten, Fröschen und anderen Wesen, die „quak, quak“ sagen, ist das wahrscheinlich nicht so wichtig.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Das neue Jahr und das Neue Jahr

Zwischen Nikolaustag und zweitem Adventssonntag komme ich wieder einmal auf eines der orthografischen Lieblingsthemen im Monat Dezember zurück. Viele machen sich derzeit ans Aufstellen und Versenden von Weihnachts- und Neujahrswünschen. Wie Sie sie versenden, das überlasse ich natürlich ganz Ihnen. Wie Sie sie verfassen übrigens auch. Nur wenn Sie Zweifel bei der richtigen Schreibung Ihrer Wünsche auf Karten oder weniger traditionell mit digitalen Mitteln haben, kann ich Ihnen eventuell eine kleine Hilfestellung leisten.

Es geht natürlich um das n oder eben N. Wünscht man alles Gute zum neuen Jahr oder alles Gute zum Neuen Jahr? Die Antwort ist einfach, der Anlauf etwas länger:

Bis zur jüngsten Anpassung der Rechtschreibregelung im letzten Jahr (vgl. hier) galt nur die Kleinschreibung als richtig:

bis 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr
Alles Gute zum neuen Jahr!
Ein gutes neues Jahr!
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr

Dann hat die Regelung sich an den offenbar weitverbreiteten Rechtschreibungehorsam in diesem Bereich angepasst und eingeführt, dass das Adjektiv in festen Adjektiv-Substantiv-Verbindungen „bei Benennung für besondere Anlässe und Kalendertage“ großgeschrieben werden kann (§ 63 E4):

seit 2017

Glückwünsche zum neuen Jahr oder
Glückwünsche zum Neuen Jahr

Alles Gute zum neuen Jahr! oder
Alles Gute zum Neuen Jahr!

Ein gutes neues Jahr! oder
Ein gutes Neues Jahr!

Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr oder
Wir wünschen euch frohe Weihnachten und ein glückliches Neues Jahr

Ob Sie Ihre Neujahrswünsche mit großem N oder kleinem n schreiben, spielt nun also keine Rolle mehr. Beides ist regelkonform. Zu beachten ist allerdings, dass die Möglichkeit der Großschreibung nur für neu/Neu gilt, nicht für andere Adjektive wie froh, gesegnet, schön, glücklich, gesund und was sonst noch an Gutem und Positivem vor Weihnachten und neues/Neues Jahr stehen kann.

Ich wünsche eine schöne und rechtschreibzweifelfreie Fortsetzung der Adventszeit!

Dr. Bopp

PS: Nach demselben neuen Paragraphen konnte ich übrigens meinen Eltern im Herbst dieses Jahres nicht nur zur diamantenen Hochzeit, sondern auch zur Diamantenen Hochzeit gratulieren. Das habe ich nicht schriftlich gemacht, und angesichts einer Ehe, die 60 Jahre hält, ist die Frage nach der Groß- und Kleinschreibung des Adjektivs ohnehin von nicht allzu großer Bedeutung.

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Ich und surfen?! Oder doch ich und Surfen?

Frage

Ist in Ausrufen wie „Ich und surfen?!“ das Verb substantiviert oder nicht?

Antwort

Guten Tag Frau A.,

in „Ich und surfen“ kann surfen sowohl als Verbform als auch als Substantivierung gesehen werden.

Wenn man den Infinitiv mit einem ungebeugten, das heißt adverbial verwendeten Adjektiv oder einer anderen Adverbialbestimmung kombinieren kann, ist er eine Verbform und wird kleingeschrieben:

Ich und surfen?!
vgl.
Ich und freiwillig surfen?!
Ich und bei diesem Wind noch surfen?!

Wenn man den Infinitiv mit einem Artikelwort oder einem gebeugten Adjektiv kombinieren kann, ist er eine Substantivierung und wird großgeschrieben:

Ich und Surfen?!
vgl.
Ich und freiwilliges Surfen?!
Ich und dieses Surfen?!

Ebenso zum Beispiel:

Ich und programmieren?!
vgl.
Ich und häufig programmieren?!
Ich und Apps für euch programmieren?!

Ich und Programmieren?!
vgl.
Ich und häufiges Programmieren?!
Ich und euer [dauerndes] Programmieren?!

Wenn der Infinitiv in einer solchen Wendung allein steht, kann er also klein- oder großgeschrieben werden. Ich ziehe dann die Kleinschreibung vor („Ich und surfen?!“), aber die Großschreibung ist ebenfalls vertretbar.

Ganz egal ob surfen oder Surfen, ob klein- oder großgeschrieben, gesurft wird von mir eindeutig, definitiv und ohne jeglichen Zweifel nie und nimmer auf dem Wasser, sondern nur und ausschließlich im Internet!

Ich und surfen/Surfen? – Nie!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Fränkische Bratwürste und die Groß- und Kleinschreibung

Frage

Ich habe eine Frage zur Groß-/Kleinschreibung von Eigennamen: „Fränkische Bratwurst“ wird als Eigenname großgeschrieben. Wie aber verhält es sich in der Mehrzahl mit „Fränkische/fränkische Bratwürste“?

Antwort

Guten Tag Herr H.,

es handelt sich bei dieser Verbindung nicht um einen Eigennamen. Es gibt keine individuelle Wurst, die Fränkische Bratwurst heißt wie der Hund meiner Schwester Theo, die Zeichentrickbiene Maja oder Pippi Langstrumpfs Pferd Kleiner Onkel. Es ist eine Bezeichnung für alle Würste dieser Art. Als solches ist es eine feste Verbindung zwischen einem Adjektiv und einem Substantiv. Im Prinzip wird das Adjektiv in Verbindungen dieser Art kleingeschrieben, auch dann, wenn es von einem geografischen Namen abgeleitet ist:

die fränkische Bratwurst, eine fränkische Bratwurst, die fränkischen Bratwürste

Ebenso zum Beispiel:

der italienische Salat, die italienischen Salate
die französische Salatsauce, die französischen Salatsaucen
ein ungarisches Gulasch
die schwäbischen Spätzle

Es ist aber nach der neuesten Version der amtlichen Rechtschreibregelung stärker als früher möglich, das Adjektiv großzuschreiben, wenn man betonen möchte, dass es sich um eine spezielle feste Verbindung handelt (siehe § 63 2.2). Hier könnte man sagen, dass ein Fachbegriff aus dem Wurstbereich gemeint ist:

die Fränkische Bratwurst, eine Fränkische Bratwurst, die Fränkischen Bratwürste

Ich würde die Kleinschreibung des Adjektivs empfehlen (die fränkische Bratwurst), aber die Großschreibung (die Fränkische Bratwurst) kommt häufig vor und ist ebenfalls vertretbar.

Einfacher ist es übrigens bei den geografischen Bezeichnungen, die auf er enden. Sie werden immer großgeschrieben, ganz gleich ob eine „normale“ Bezeichnung oder ein Fachbegriff gemeint ist (siehe hier):

der Berliner Pfannkuchen
die Schwarzwälder Kirschtorte
zwei Wiener Würstchen
das Zürcher Geschnetzelte

Nicht so sehr das Thema Groß- und Kleinschreibung als vielmehr die Art der Beispiele bringt mich dazu, kurz in die Küche zu schleichen, um etwas Leckeres zu suchen …

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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17-Jährige am Satzanfang

Frage

Meine Kollegen und ich streiten uns regelmäßig ob der Klein- oder Großschreibung bei Formulierungen mit „-jährig“. Zwar stimmen mir alle Kollegen zu, wenn ich ihnen erkläre, dass bei Substantivierungen das „j“ bei „35-Jährige“ großgeschrieben werden muss. Dagegen glauben sie mir nicht, dass „-jährig“ nach einer Zahl auch als Adjektiv am Satzanfang großgeschrieben werden muss. Negativbeispiel (Zeitungsüberschrift im Spiegel):

Wegen Ohrfeige im Gefängnis: 17-jährige Palästinenserin wieder frei

Meiner Meinung nach müsste hier „17-Jährige“ stehen.

Antwort

Guten Tag Herr M.,

alle sind sich offenbar darüber einig, dass man das substantivierte die 17-Jährige mit einem großen J schreibt. Man schreibt hier aber nicht groß, weil die Großschreibung sozusagen ins Wortinnere rutscht, wenn am Anfang eine Ziffer steht. Man schreibt hier groß, weil Substantive und „Substantiviertes“ in Verbindungen mit Bindestrich großgeschrieben werden (vgl. 8-Stunden-Tag, 5-Tonner, 12-Plätzer) und Jährige in dieser Verbindung als substantiviertes Adjektiv gilt. Deshalb:

Die 17-Jährige ist wieder frei
17-Jährige wieder frei

Das nicht substantivierte 17-jährige wird mit einem kleinen j geschrieben. Das gilt auch am Satzanfang, denn nicht jährige, sondern 17 steht ganz am Anfang des Satzes:

Die 17-jährige Palästinenserin ist wieder frei
17-jährige Palästinenserin wieder frei

Vgl. ähnliche Fälle am Satzanfang:

100-prozentige Sicherheit gibt es nicht.
32-teiliges Werkzeugset zum Sonderpreis!
17 kleine Kinder waren eingeladen.

33-grädige Hitze und dadurch beinahe von der Tastatur gleitende Finger hindern mich daran, noch genauer auf diese Frage einzugehen. Ich gönne mir jetzt etwas Kühles. Man möge mir das bitte nachsehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Beim Nachhausegehen und beim Drachen-steigen-Lassen

Frage

Eine Stadt bringt mit riesigen Schildern Gastsättenbesucher zum Nachdenken. Auf einem Schild steht: „Lieber Gast, bitte nimm Rücksicht auf die Anwohner beim nach Hause gehen.“ Täusche ich mich, wenn ich behaupte, der Gast soll beim Nachhausegehen Rücksicht nehmen?

Antwort

Guten Tag Herr P.,

Sie täuschen sich nicht, richtig ist tatsächlich:

beim Nachhausegehen

Nach beim, das ja eine Zusammenziehung von bei dem ist, wird ein Infinitiv oder eine Infinitivgruppe großgeschrieben:

Sie haben ihn beim Stehlen erwischt.
Paket beim Auspacken vorsichtig aufschneiden.
Sie wünscht ihm viel Glück beim Internetdaten.
Ein weißes Hemd ist beim Spaghettiessen keine gute Idee.

Da neben nachhause gehen in zwei Wörtern auch nach Hause gehen in drei Wörtern erlaubt ist, könnte die Substantivierung auch so geschrieben werden:

beim Nach-Hause-Gehen

Wenn eine Infinitivgruppe aus mehr als zwei Teilen besteht, schreibt man sie in der Regel mit Bindestrichen (und das erste Wort, alle Substantive und den [letzten] Infinitiv groß, siehe hier und hier):

Sie haben ihn beim Geld-aus-der-Kasse-Klauen erwischt.
Beim Direkt-aus-der-Pfanne-Essen kann man sich den Mund verbrennen.
Hochspannungsleitung: Vorsicht beim Drachen-steigen-Lassen!

Und wenn ich schon beim Erklären bin: Dasselbe gilt auch für Infinitive nach am (z. B. am Lachen sein). Wichtig ist allerdings vor allem, dass man auf die Nachbarn Rücksicht nimmt, ganz gleich ob dies orthografisch korrekt geschieht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Großes »Viertel« und kleines »viertel« in Uhrzeitangaben

Nach meinem Urlaub auf (vgl. hier) Gran Canaria kann ich sagen, dass diese Insel ein empfehlenswertes Reiseziel ist, egal ob Sie sich in großen Touristenzentren wohl fühlen oder ob Sie es wie ich lieber ländlich-ruhig haben. Ich bin also eigentlich entspannt und ausgeruht, aber um nicht gleich in rasendem Tempo loszulegen, nehme ich den Blogfaden mit einer Frage im Viertelstundenbereich wieder auf.

Frage

Mich beschäftigen immer wieder die Uhrzeitangaben mit „Viertel/viertel“ mit „um“ oder Artikel. Auch im Duden finde ich leider unterschiedliche Angaben, die für mich nicht zufriedenstellend sind. Ich füge einige Beispiele an:

es ist ein Viertel vor, nach eins
es ist Viertel vor, nach eins
wir treffen uns um viertel acht, um drei viertel acht
um viertel acht (Viertel nach sieben)

Antwort

Guten Tag Frau R.,

ganz einfach gesagt ist bei der Schreibung von Viertel/viertel in diesem Zusammenhang entscheidend, welches Viertelstundensystem Sie verwenden. Wie Ihnen vielleich bekannt ist, gibt es im deutschen Sprachgebiet zwei verschiedene Arten die Uhrzeiten x Uhr 15 und x Uhr 45 anzugeben.

Wenn man das „Viertel-vor-und-Viertel-nach-acht-System“ benutzt, schreibt man Viertel groß. Wenn man das „Viertel-und-drei-viertel-acht-System“ verwendet schreibt man viertel klein:

um 8 Uhr 15 = um Viertel nach acht / um viertel neun
um 8 Uhr 45 = um Viertel vor neun / um drei viertel neun

es ist 8 Uhr 15 = es ist Viertel nach acht / es ist viertel neun
um 8 Uhr 45 = es ist Viertel vor neun / es ist drei viertel neun

Siehe auch hier und hier.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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