Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss

Frage

In welchem der folgenden Sätze muss/kann ein Komma vor dem Infinitiv stehen:

Er hat es versäumt(,) nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) sofort nachzufragen.
Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Antwort

Guten Tag Frau W.,

das Komma bei Infinitivgruppen ist im Allgemeinen eine nicht allzu komplizierte Angelegenheit. Sie haben aber ein Beispiel gefunden, bei dem man doch etwas länger nachdenken kann.

Im zweiten Satz muss das Komma stehen. Die Infinitivgruppe wird durch das Verweiswort es angekündigt. Dann gilt als Grundregel, dass man ein Komma setzen muss:

Er hat es versäumt, sofort nachzufragen.

Zu dieser Grundregel gibt es die Ausnahme, dass das Komma fakultativ ist, das heißt nicht gesetzt werden muss, wenn der bloße Infinitiv mit zu steht. Im ersten Satz ist das Komma deshalb fakultativ:

Er hat es versäumt, nachzufragen.
Er hat es versäumt nachzufragen.

Das alles kann man hier Nachlesen [Abschnitt c) und unter Ausnahme zu b) und c)].

Nicht ganz so einfach ist es beim dritten Satz.

Er hat es versäumt(,) nachzufragen, ob das korrekt ist.

Wenn man genauer hinschaut, ist nämlich nicht ganz klar, ob wir es mit einem „bloßen Infinitiv“ zu tun haben oder nicht. Man kann argumentieren, dass nachzufragen allein steht, weil der Rest zu einem anderen Nebensatz gehört. Das Komma vor nachzufragen ist dann fakultativ. Man kann aber auch grammatisch strenger argumentieren, dass der ob-Satz eine Erweiterung des Infinitivs ist. Das Komma vor nachzufragen ist dann obligatorisch. (Das Komma vor ob muss sowieso stehen.)

Wer auf Nummer ganz sicher gehen will, wählt hier die Schreibung mit Komma, die ja immer richtig ist. Ich halte aber die Schreibung ohne Komma nicht für falsch, denn es liegt hier meiner Meinung nach ein „bloßer Infinitiv“ vor.

Er hat es versäumt, nachzufragen, ob das korrekt ist.
Er hat es versäumt nachzufragen, ob das korrekt ist.

Ebenso zum Beispiel:

Es ist gut, zu wissen, dass es auch anders geht.
Es ist gut zu wissen, dass es auch anders geht.

Natürlich freut es mich, zu hören, dass alles geklappt hat.
Natürlich freut es mich zu hören, dass alles geklappt hat.

Sie warteten ungeduldig darauf, zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.
Sie warteten ungeduldig darauf zu erzählen, wie viel Stress sie hatten.

Es ist nicht immer einfach[,] zu entscheiden, ob man ein Komma setzen muss!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare

Das Komma, wenn der Nebensatz Subjekt ist

Eigentlich ist das Komma bei Nebensätzen ganz einfach. Dennoch kommen in bestimmten Fällen manche ins Zweifeln:

Frage

Ich wäre Ihnen dankbar, wenn Sie wieder einmal einen Knoten lösen könnten: Ist hier ein Komma nach „produzieren“ zwingend erforderlich?

Wie wir produzieren(,) ist vor allem auch eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Antwort

Guten Tag Herr V.,

das Komma nach produzieren muss stehen. Es trennt den mit wie eingeleiteten Nebensatz ab. Nebensätze werden auch dann durch ein Komma abgetrennt, wenn sie wie hier im übergeordneten Satz die Rolle des Subjekt haben (Wer oder was ist eine Frage der unternehmerischen Haltung?):

Wie wir produzieren, ist vor allem auch eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Hier weitere Beispiele von Satzgefügen mit einem Subjektnebesatz:

Dass er gekommen ist, erstaunt uns.
Ob er die Wahrheit sagt, wird bezweifelt.
Wann sie aus den Ferien zurückkommen, ist unbekannt.
Wer nicht mitkommt, verpasst viel.

Vor allem wenn Subjektnebensätze wie hier an erster Stelle stehen, zweifeln manche, ob ein Komma stehen muss. Das liegt wahrscheinlich daran, dass der verbleibende Satz aussieht, als würde ihm etwas fehlen, nämlich das Subjekt. Hier kommt aber eine Kommaregel zur Anwendung, die eigentlich ganz einfach und sehr stark ist: Nebensätze werden durch Kommas abgetrennt. Das gilt unabhängig davon, welche Rolle der Nebensatz im Gesamtsatz hat – und Nebensätze können viele verschiedene Funktionen haben:

Akkusativobjekt: Sie lernen, wie sie ein Dokument sichern müssen.
Dativobjekt: Ich verrate das Geheimnis nur, wem ich wirklich vertraue. (selten)
Genitivobjekt: Sind Sie sich (dessen) bewusst, dass Rauchen schädlich ist?
Präpositionalobjekt: Wir zweifeln (daran), ob dies die richtige Lösung ist.
Adverbialbestimmung: Wenn es regnet, spielen die Kinder spielen im Haus.
Attribut: Hunde, die bellen, beißen nicht.
Prädikativ: Alles bleibt, wie es ist.
Subjekt: Wie wir produzieren, ist eine Frage der unternehmerischen Haltung.

Dass der Nebensatz Subjekt ist, befreit uns nicht von der Kommapflicht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komma vor „und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute“?

Frage

Eine Kommafrage zu:

Ich gehe heute schwimmen, und wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino.

Muss das Komma vor „und“ stehen oder ist es freigestellt? Welcher Paragraph der amtlichen Regelung entscheidet, was hier gilt?

Antwort

Guten Tag Herr K.,

es ist zu empfehlen, hier vor und ein verdeutlichendes Komma zu verwenden. Die Kommas in Ihrem Satz sind also richtig gesetzt:

Ich gehe heute schwimmen, und wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino.

Dieses Komma ist aber nicht obligatorisch, das heißt, es kann auch weggelassen werden:

Ich gehe heute schwimmen und wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino.

Mit und werden hier zwei selbstständige Sätze verbunden, von denen der zweite mit einem Nebensatz beginnt:

  • Ich gehe heute schwimmen
  • und
  • Wenn ich Lust habe, gehe ich später noch ins Kino

Dann greift § 73 der amtlichen Rechtschreibregelung, der sagt:

Bei der Reihung von selbständigen Sätzen, die durch und […] verbunden sind, kann man ein Komma setzen, um die Gliederung des Ganzsatzes deutlich zu machen.

Genau das tut das Komma vor und in Ihrem Satz wie auch in den folgenden Beispielen. Es verdeutlicht die Struktur des relativ komplexen Satzes:

Ich bin spät nach Hause gekommen, und weil ich Hunger hatte, habe ich mir noch ein Spiegelei gebacken.
Wenn du recht hast, ist es gut, und wenn ich recht habe, ist es auch gut.
Da waren die Kinder herzlich froh und gingen zusammen nach Hause, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

Wie bereits gesagt, gilt allerdings das Folgende: In diesen Fällen ist das Komma vor und nicht obligatorisch, und wenn Sie es lieber weglassen, verstoßen Sie gegen keine Regel.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Wie der ganze Satz, so der Auslassungssatz

Frage

Bei uns kam heute die Frage auf, ob das Komma bei dieser Redensart erforderlich ist. Eine Google-Suche lieferte mitunter selbst Buchtitel ohne Komma.

Wie der Vater so der Sohn.
Wie der Vater, so der Sohn.

Antwort

Guten Tag Herr R.,

das Komma sollte gesetzt werden. Es handelt sich um einen Auslassungssatz (einen unvollständig formulierten Satz). Auslassungssätze werden bei der Kommasetzung in der Regel wie vollständige Sätze behandelt:

Wie der Vater ist, so ist auch der Sohn.
Wie der Vater, so der Sohn.

Hier einige ähnliche Fälle:

Wie du mir, so ich dir.
Heute so, morgen anders.
Wenn nicht jetzt, wann dann?
Ende gut, alles gut.

Und hier ein paar weniger sprichwortartige Beispiele:

Ich weiß nicht, was tun.
Schön, dass du da bist.
Hauptsache, ihr seid gesund.
Wie gestern am Telefon besprochen, hier mein Bericht.

Natürlich geht es nicht ohne Zweifels- und andere Fälle. Nach der Rechtschreibregelung können „formelhafte Nebensätze“ (stark verkürzte Nebensätze mit wenn und wie) auch ohne Komma stehen:

Wenn nötig, schicken wir Ihnen ein anderes Exemplar.
Wenn nötig schicken wir Ihnen ein anderes Exemplar.

Sie sollten, wenn möglich, sofort kommen.
Sie sollten wenn möglich sofort kommen.

Wie bereits gesagt, sind sie gestern abgereist.
Wie bereits gesagt sind sie gestern abgereist.

Immer ohne Komma stehen Vergleiche mit als oder wie, die keine Nebensätze sind. Sie gelten nicht als Auslassungssätze, auch wenn man sie als solche interpretieren könnte (vgl. hier):

Das ging besser als erwartet.
Du fährst schneller als nötig.
Sie ist genauso schlau wie er.
Wie schon letztes Jahr machten sie auch dieses Jahr wieder mehr Gewinn.

Im Prinzip gilt aber, dass Auslassungssätze bei der Kommasetzung gleich behandelt werden wie vollständig ausformulierte Sätze. Wie der ganze Satz, so der Auslassungssatz.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Komma nach eigenem Gutdünken, zum Beispiel(,) wenn es um „zum Beispiel“ geht

Frage

Braucht es ein Komma nach „zum Beispiel“, wenn anschließend ein Nebensatz folgt, oder darf es weggelassen werden? Beispiele:

Du wirst noch viel mehr lernen (zum Beispiel wie man schriftliche Arbeiten am Computer verfasst).
Würdige auch „kleine Erfolge“, z. B. dass sich eine Note verbessert hat.

Antwort

Guten Tag Frau S.,

die Antwort kann hier ganz kurz ausfallen: Wenn zum Beispiel, z. B. oder beispielsweise einen Nebensatz anschließen, kann nach ihnen ein Komma stehen, es wird aber häufig nicht gesetzt. Beides ist korrekt:

Ohne Komma:

Du wirst noch viel mehr lernen (zum Beispiel wie man schriftliche Arbeiten am Computer verfasst).
Würdige auch „kleine Erfolge“, z. B. dass sich eine Note verbessert hat.
Das kann zu Problemen führen, beispielsweise wenn mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten.

Mit Komma:

Du wirst noch viel mehr lernen (zum Beispiel, wie man schriftliche Arbeiten am Computer verfasst).
Würdige auch „kleine Erfolge“, z. B., dass sich eine Note verbessert hat.
Das kann zu Problemen führen, beispielsweise, wenn mehrere Personen gleichzeitig an einem Dokument arbeiten.

Vgl. die Angaben zur Rechtschreibung von Beispiel und beispielsweise in Canoonet.

Auch bei der Kommasetzung hat man also manchmal eine Wahl, zum Beispiel(,) wenn es um zum Beispiel geht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Überall und überall gleichzeitig – Komma?

Frage

Oft stolpere ich über Kommas vor „und“, die wohl als Pausenzeichen (wie vor einem Nachtrag) gedacht sind. Ich würde jeweils einen Gedankenstrich setzen, frage mich aber, ob das Komma ebenfalls zulässig ist. Leider konnte ich keine Regel dazu finden. Zum Beispiel:

Der Klimawandel findet nicht hier oder dort statt, sondern überall(,) und überall gleichzeitig.

Antwort

Guten Tag Herr F.,

Ihr Zweifel ist verständlich, denn das Komma drängt sich hier richtig als „Pausenzeichen“ auf. Darf man es auch setzen?

Es gibt tatsächlich keine spezielle Regel für Fälle wie diesen. Er gehört nicht zu den Ausnahmefällen, in denen ein Komma vor und gesetzt werden muss resp. kann (vgl. hier). Daraus ergibt sich, dass hier „ganz normal“ kein Komma vor und gesetzt werden sollte:

Der Klimawandel findet nicht hier oder dort statt, sondern überall und überall gleichzeitig.

Das gilt auch für Formulierungen wie den folgenden, in denen man ebenfalls häufiger ein nach den Regeln der Schreibkunst nicht korrektes Komma vor und antrifft:

Meditieren kann jeder und jeder auf seine Art.
Das gibt es nur hier und nirgendwo anders.
„Nockerln“ schmecken köstlich und nirgendwo besser als in Salzburg.
Das darfst nur du und sonst niemand.
Mein Liebesleben und was sonst noch schiefging

Wenn wirklich eine Pause angegeben werden soll, dann ist Ihre Lösung mit Gedankenstrich die einfachste:

Der Klimawandel findet nicht hier oder dort statt, sondern überall – und überall gleichzeitig.
Meditieren kann jeder – und jeder auf seine Art.
Das gibt es nur hier – und nirgendwo anders.
„Nockerln“ schmecken köstlich – und nirgendwo besser als in Salzburg.
Das darfst nur du – und sonst niemand.
Mein Liebesleben – und was sonst noch schiefging

Manchmal kann auch mit und das/dies oder und zwar formuliert werden:

Der Klimawandel findet nicht hier oder dort statt, sondern überall, und das überall gleichzeitig.
Meditieren kann jeder, und zwar jeder auf seine Art.

Das Komma ist also kein allgemein verwendbares „Pausenzeichen“. Als solches taugt es dann und nur dann, wenn es in der Rechtschreibregelung dafür vorgesehen ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein einzelnes Wort zwischen zwei Kommas

Warnhinweis: Wer Kommafragen nicht mag, klickt besser weiter …

Frage

Soweit ich weiß, wird das „ist“ nicht mit zwei Kommas eingeschlossen. Das ist zwar möglich, aber kein so gutes Deutsch. Beispiel:

Was ich sagen möchte, ist, wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.
Besser: Was ich sagen möchte ist, wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.

Wie sieht es mit anderen Wörtern aus, die wegen eines eingeschlossenen Satzes plötzlich allein stehen?

Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa, nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Könnte ich hier auch so schreiben:

Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa, nicht über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Kann man bei allen alleinstehenden Wörtern das vorherstehende Komma weglassen? Gibt es dafür entsprechende Regeln?

Antwort

Guten Tag Herr D.,

es stimmt, dass es oft nicht sehr schön ist, wenn ein einzelnes Wort zwischen zwei Kommas steht. Die Lösung ist aber nicht, eines der beiden Kommas wegzulassen, wenn beide Kommas obligatorisch sind. Es gibt keine Regel, die es erlaubt, in solchen Fällen ein Komma fallen zu lassen (vgl. hier).  In den folgenden Sätzen kann deshalb keines der Kommas weggelassen werden:

Was ich sagen möchte, ist, wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.
Was ich sagen möchte, ist, dass ich, wenn ich Lust auf Pizza habe, diese auch essen möchte.

Im ersten Satz könnte die Kommaflut eventuell wie folgt vermieden werden:

Was ich sagen möchte, ist: Wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich diese auch essen.
Ich möchte damit sagen: Wenn ich Lust auf Pizza habe, möchte ich sie auch essen.

Bei Ihrem zweiten Beispielsatz wird es etwas komplizierter. Die Infinitivgruppe, die mit über beginnt, kann mit einem Komma abgetrennt werden. Das Komma ist nicht obligatorisch, aber zu empfehlen, damit klar ist, ob nicht den übergeordneten Satz (traute sich nicht) oder die Infinitivgruppe (nicht zu schimpfen) verneint:

Früher traute sich Anne nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
vgl.: Früher traute sich Anne, nicht über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Es ist also besser, vor über ein Komma zu setzen. Weiter kann die Wortgruppe sogar zu Hause auf dem Sofa als Einschub vorn und hinten durch Kommas abgetrennt werden. Diese Kommas sind nicht obligatorisch. Daraus ergeben sich diese Möglichkeiten:

Früher traute sich Anne sogar zu Hause auf dem Sofa nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
Früher traute sich Anne, sogar zu Hause auf dem Sofa, nicht, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Weniger kommalastig und stilistisch besser formulieren Sie allerdings mit nicht einmal statt sogar … nicht:

Früher traute sich Anne nicht einmal zu Hause auf dem Sofa über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
Früher traute sich Anne nicht einmal zu Hause auf dem Sofa, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.
Früher traute sich Anne, nicht einmal zu Hause auf dem Sofa, über ihre Schwiegermutter zu schimpfen.

Wenn ein einzelnes Wort zwischen zwei Kommas steht, die beide obligatorisch sind, kann die Häufung der Kommas – wenn gewünscht – nur durch eine Umformulierung vermieden werden. Was ich mit so vielen Worten sagen möchte, ist, dass Ihre Lösung für solche Fälle leider nicht den Regeln der deutschen Kommasetzung entspricht.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Doppelpunkt und doppeltes Fragezeichen

Wenn man aus nur zwei Fällen statistische Schlüsse ziehen dürfte, könnte ich sagen, dass Ende September die Saison der Fragesätze ist. Heute geht es nämlich schon wieder um einen Fragesatz. Diesmal ist es eine direkte Frage mit einem Begleitsatz, der auch eine Frage ist.

Frage

Könnten Sie mir bitte bei folgendem Satz weiterhelfen?

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie: ist/Ist es wirklich recht, dass ich hier am Tisch sitze.

Antwort

Guten Tag Herr H.,

da es sich um eine direkte Rede oder, genauer gesagt, eine direkte Frage handelt, sollten Sie Anführungszeichen verwenden. Die Zeichensetzung sieht dann so aus:

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie: „Ist es wirklich recht, dass ich hier am Tisch sitze?“?

Auffallend sind hier die zwei Fragezeichen. Sie sind kein Tippfehler! Das erste gehört zur wörtlich zitierten Frage und steht vor dem abschließenden Anführungszeichen. Das zweite Fragezeichen ganz am Schluss gehört zum Begleitsatz, der ebenfalls eine Frage ist. Keines von beiden kann weggelassen werden (siehe auch hier).

Der Satz kann auch mit einer indirekten Frage formuliert werden:

Denkt ihr denn nicht, dass euch jedes Mal, wenn ihr essen wollt, etwas durch den Kopf gehen wird wie, ob es wirklich recht ist, dass ihr hier/dort am Tisch sitzt?

Der Satz kommt dann ohne Anführungszeichen, ohne Doppelpunkt und mit nur einem Fragezeichen aus. Und das Komma nach wie muss tatsächlich stehen. Es trennt den mit ob eingeleiteten indirekten Fragesatz ab.

Aber lautete Ihre Frage nicht eigentlich: „Soll nach dem Doppelpunkt groß- oder kleingeschrieben werden?“? Die Antwort sehen Sie oben in den Beispielen. Allgemeine Informationen zur Groß- und Kleinschreibung nach einem Doppelpunkt finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüße:

Dr. Bopp

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Direkte und indirekte Fragen und ihre Zeichensetzung

Frage

Ist folgender Satz ohne Einleitungswort nach „war“ korrekt und muss ein Fragezeichen am Schluss stehen?

Eine heiß diskutierte Frage war, soll der Anhänger eine Lenkung bekommen, um die Wendigkeit zu steigern.

Antwort

Guten Tag Herr Z.,

der Satz ist im Prinzip korrekt, nur mit den Satzzeichen hapert es ein bisschen. Der zweite Teilsatz ist nämlich als direkter Fragesatz formuliert und hat entsprechend ein Anrecht auf einen Doppelpunkt, Anführungszeichen und ein Fragezeichen:

Eine heiß diskutierte Frage war: „Soll der Anhänger eine Lenkung bekommen, um die Wendigkeit zu steigern?“

Eine heiß diskutierte Frage war: „Wie kann die Wendigkeit des Anhängers gesteigert werden?“

Wenn die Frage als indirekte Frage formuliert werden soll, muss sie mit ob oder einem Fragewort eingeleitet werden. Es gibt keine uneingeleiteten indirekten Fragesätze. Weiter muss sie die Wortstellung eines Nebensatzes erhalten und nicht mit einem Fragezeichen, sondern mit einem einfachen Punkt abgeschlossen werden (siehe hier):

Eine heiß diskutierte Frage war, ob der Anhänger eine Lenkung bekommen solle/soll, um die Wendigkeit zu steigern.

Eine heiß diskutierte Frage war, wie die Wendigkeit des Anhängers gesteigert werden könne/kann.

Und hier gleich noch zwei Beispiele, die die Unterschiede bei der Zeichensetzung in direkten und indirekten Fragen zeigen:

Ich frage dich: „Kommst du mit?“
Ich frage dich, ob du mitkommst.

Sie will wissen: „Wann ist der Abgabetermin?“
Sie will wissen, wann der Abgabetermin ist.

Wenn man es so schön ordentlich nebeneinander aufgeschrieben vor sich hat, sieht es eigentlich ganz unproblematisch aus. Schwieriger kann es werden, wenn man einmal kurz die gesprochene Sprache schriftlich wiedergeben soll. In der gesprochenen Sprache wechselt man schneller und dank des Fehlens jeglicher Satzzeichen vor allem auch unbewusster zwischen der direkten und der indirekten Redewiedergabe hin und her.

Wenn Sie sich wundern: „Braucht es Anführungszeichen und ein Fragezeichen“, lautet die wichtige Frage also: „Ist es eine direkte oder eine indirekte Frage?“

Wenn Sie sich wundern, ob es Anführungszeichen und ein Fragezeichen braucht, lautet die wichtige Frage also, ob es eine direkte oder eine indirekte Frage ist.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

Kommentare (1)

Steigernde Anreihungen mit „ja“ sind unkompliziert, ja geradezu einfach

Frage

Sind Konstruktionen wie folgende als Aufzählungen, also ohne schließendes Komma, oder als Einschübe, also mit schließendem Komma, zu betrachten?

Es gilt nun, ein beachtliches Erbe, ja eine lange Tradition(,) hochleben zu lassen.

Antwort

Guten Tag Frau A.,

dieses ja dient zur steigernden Anreihung eines Satzteils oder Satzes. Solche Formulierungen gelten als eine Art Aufzählung, in der mit ja ein zweites Element angefügt wird, das das erste verstärkt. Man schreibt vor ja ein Komma. Wie es bei Aufzählungen üblich ist, wird nach dem zweiten Elment kein abschließendes Komma gesetzt:

Es gilt nun, ein beachtliches Erbe, ja eine lange Tradition hochleben zu lassen.
Sie bleibt als sympathische Frau, ja lieber Mensch in unserer Erinnerung.
Zeitgenossen, die Hexenprozesse für eine Verirrung, ja (geradezu) ein Verbrechen hielten.
Er mochte, ja liebte sie und wollte nie mehr ohne sie sein.

Diesmal ist die Antwort unkompliziert, ja geradezu einfach. Das schreibe ich allerdings vor allem, um mit einer solchen ja-Formulierung abschließen zu können. Ganz so einfach ist es nicht. Ich musste die Kommafrage auch nachschlagen, um ganz sicher zu sein.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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