Nur[,] solange der Vorrat reicht

Das Komma ist eindeutig Ihr Lieblingssorgenkind. Heute gibt es gleich wieder eine Kommafrage, aber nur eine ganz kurze.

Frage

Die Frage taucht immer wieder auf:

Nur, solange der Vorrat reicht.
Nur solange der Vorrat reicht.

Wie würden Sie sich entscheiden? Ist beides möglich?

Antwort

Sehr geehrte Frau H.,

es gibt meiner Meinung nach Argumente für beides. Je nachdem, wie man diese verkürzte Wendung ergänzt, kann sie mit oder ohne Komma stehen:

Das Angebot gilt nur, solange der Vorrat reicht.
→ Nur, solange der Vorrat reicht.

Das Angebot gilt, aber nur solange der Vorrat reicht.
→ Nur solange der Vorrat reicht.

Das Komma nach nur entspricht einer kurzen Pause in der gesprochenen Sprache. Üblicher ist die Schreibung ohne Komma.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der standhafte Abkürzungspunkt

Es geht hier nicht darum, welche Abkürzungen mit einem Punkt geschrieben werden und welche nicht. Das ist ein Kapitel für sich. Es geht vielmehr darum, wie der Abkürzungspunkt sich verhält, wenn andere Satzzeichen folgen. So viel sei schon vorweggenommen: Er ist sehr standhaft.

Frage

Behalte ich den Abkürzungspunkt bei, wenn danach ein Doppelpunkt folgt? Zum Beispiel folgender Fall

Bsp.:
Kontonr.:

Antwort

Sehr geehrter Herr W.,

der Abkürzungspunkt wird auch vor einem Doppelpunkt geschrieben:

Bsp.: …
Kontonr.: 123456

Der Abkürzungspunkt und der Punkt bei Ordnungszahlen werden immer geschrieben, also auch vor Komma, Fragezeichen, Ausrufezeichen, Doppelpunkt, Strichpunkt, Gedankenstrich, Klammern, Anführungszeichen und Auslassungszeichen. Nur mit dem Schlusspunkt am Satzende verschmilzt er.

Komma:
Aufgerufen wurde Frau A., die sich als Zeugin gemeldet hatte.

Fragezeichen:
Wie hieß die erste Frau Heinrichs VIII.?

Ausrufezeichen:
Alles ist o. k.!

Doppelpunkt:
Telefonnr.: +49 123 123456

Strichpunkt:
Konzertdaten: München 29. 5., 30. 5.; Augsburg 31. 5.; Freiburg 5. 6.; Basel 6. 6.

Gedankenstrich:
Sie hatten auch die ganze Familie – Eltern, Großeltern, Tanten, Onkel, Cousins, Cousinen usw. – zu ihrem großen Fest eingeladen.

Klammern:
Viele Lebensmittel (z. B. Brot, Milch, Teigwaren, Reis usw.) waren kaum mehr erhältlich.
Eine wichtige Herrscherin war auch Katharina die Große (Katharina II.).

Anführungszeichen:
„Die Bewerberin ist Dr. med.“, schrieb sie auf den Briefumschlag.
Sagte er wirklich: „Abgabetermin ist der 31.“?

Auslassungszeichen:
Sie nannte sich nur Frau P. …

Wie man sieht, ist der Abkürzungspunkt sehr standhaft. Man schreibt in fast immer, also auch vor einem Komma, einem Doppelpunkt, einem Ausrufe- oder Fragezeichen usw. Nur wenn ihm unmittelbar ein Satzschlusspunkt folgt, verschmilzt er mit diesem (wie soeben bei usw.).

Schlusspunkt:
Sie kommen am 15. Dann muss alles bereit sein.
Der Verdacht fiel auf Holger K. Einige Zeugen meinten, ihn am Tatort gesehen zu haben.
Ich beschäftige mich nicht mit Fernsehen, Games, sozialen Medien usw. Dafür habe ich keine Zeit.

Wer die Standhaftigkeit des Abkürzungspunktes nicht in dieser Weise gefährdet sehen möchte, kann auch einfach sagen, dass der Schlusspunkt nach einem Abkürzungspunkt wegfällt. Wenn man es so sieht, bleibt der Abkürzungspunkt IMMER stehen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Gedankenstrich und die anderen – nur das Wichtigste

Es folgt keine erschöpfende Darstellung aller orthografischen und typografischen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Gedankenstrich ergeben können. Ich möchte nur kurz das Wichtigste bei der Verwendung des einfachen und des paarigen Gedankenstrichs innerhalb des Satzes aufzeigen.

Frage

Da ich Verfechterin der schönen deutschen Sprache bin, möchte ich meinem Kollegen gern mit Ihrer Hilfe seine Frage beantworten:

Im wissenschaftlichen Text hat er einige Gedanken seinerseits in Gedankenstrichen gesetzt und weiß nicht, ob sich das Komma dann generell aufheben muss oder je nach Satzbau gesetzt werden darf?

Antwort

Sehr geehrte Frau K.,

ein einfacher Gedankenstrich in einem Satz trennt stärker als ein Komma oder ein Doppelpunkt. Er kann anstelle eines Kommas oder eines Doppelpunktes verwendet werden und ersetzt diese:

Du darfst nicht mitkommen – leider.
Sie hat es wieder getan – schon zum x-ten Mal!
Auf die Plätze – fertig – los!
Ich sah nur noch eine Möglichkeit – sofort wegrennen.

Manchmal steht der Gedankenstrich als „Pausenzeichen“ auch dort, wo sonst kein Satzzeichen steht:

Er machte mit seiner Freundin Schluss und ging – zurück zu seiner Frau.

Mit paarigen Gedankenstrichen werden Einschübe markiert.

Die Satzzeichen des Gesamtsatzes werden genau gleich gesetzt, wie wenn der Einschub nicht stehen würde. Zum Beispiel:

Das Problem war – wie immer –, dass jemand den Schlüssel nicht zurückgelegt hatte.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – ein Stammkunde sozusagen –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –: „Ich habe die Frau noch nie gesehen.“

Als Probe kann man hier einfach den ganzen Einschub mit den Gedankenstrichen wegdenken, die Satzzeichen setzen und dann den Einschub wieder einschieben.

Wie sieht es mit den Satzzeichen des Einschubes aus? Wenn ein ganzer Satz eingeschoben wird, fährt man nach dem ersten Gedankenstrich klein weiter. Der Schlusspunkt des Einschubs entfällt:

Du darfst – so ist es nun einmal – nicht mitkommen.
Dann behauptete er – niemand glaubte ihm –, dass er die Frau nicht kenne.

Ein Fragezeichen oder Ausrufezeichen, das zum Einschub gehört, wird aber geschrieben, und zwar vor dem abschließenden Gedankenstrich:

Du darfst – leider! – nicht mitkommen.
Ich sage dir jetzt – hör mir gut zu! –, was du tun sollst.
Unser Geheimnis – du weißt doch noch welches? – bleibt unter uns.
Dann traf Julia sich mit dieser Frau – wie hieß sie auch wieder? –,  von der ich dir gestern schon erzählt habe.

Auch die Kommas innerhalb eines Einschubes müssen gesetzt werden. Ein abschließendes Komma vor dem Gedankenstrich fällt aber weg:

Viele Leute – zum Beispiel unsere Nachbarn, die Familie Müller – fahren jeden Sommer ans Meer.
Der Kunde, den sie schon gut kannte – viel besser, als ihr lieb war –, begann wieder einmal sich lauthals zu beschweren.
Du darfst – leider, leider! – nicht mitkommen.

Die Regeln zum Nachlesen finden Sie hier.

Es gäbe noch weitere Detailfragen zu klären – das erspare ich Ihnen und mir aber an dieser Stelle – und die Verteidiger und Verfechterinnen der Verwendung des Halbgeviertstrichs bitte ich, mir seine Nichterwähnung zu verzeihen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Redefluss der Schildkröte und die Anführungszeichen

Frage

Meine 11-jährige Tochter schreibt immer wieder Geschichten, in denen Personen mehrere Sätze hintereinander in wörtlicher Rede sprechen. Kann man das wie folgt schreiben:

„Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.

Antwort

Sehr geehrter Herr T.,

dieser Fall ist unüblich, das heißt, es kommt selten vor, dass der Begleitsatz einer wörtlichen Wiedergabe folgt, die aus mehreren Sätzen besteht. Es ist dann meistens besser, den Begleitsatz vor die wörtliche Wiedergabe zu stellen oder sie nach dem ersten Satz oder einem Teil davon einzufügen. Zum Beispiel:

Begleitsatz vorangestellt:
Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
Die Schildkröte sagte: „Du musst mir helfen, sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“

Begleitsatz eingebettet:
„Du musst mir helfen“, sagte die Schildkröte. „Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr.“
„Du musst mir helfen“, sagte die Schildkröte, „sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“

Wenn man aber trotzdem mehr als einen Satz vor den Begleitsatz stellen will (z. B. um zu unterstreichen, wie gehetzt der Redefluss der Schildkröte ist), sollten die Satzzeichen so gesetzt werden, wie Sie es in Ihrem Beispiel tun:

Begleitsatz nachgestellt:
„Du musst mir helfen. Sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr“, sagte die Schildkröte.
„Du musst mir helfen, sonst bin ich verloren. Ich kann nicht mehr!“, sagte die Schildkröte.

Man könnte die Beschreibung noch verfeinern, aber das ginge mir hier etwas zu weit. Viel wichtiger als eine auch in Sonderfällen bis ins Detail geregelte Interpunktion finde ich, dass Ihre Tochter Geschichten schreibt!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Die allgemeinen Regen für die Anführungszeichen finden Sie hier.

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Trotz der langen Adverbialbestimmung am Satzanfang steht vor »steht« kein Komma!

Konkrete Zahlen und Beweise habe ich nicht, aber ich nehme an, dass dies eine der Kommahürden ist, die am häufigsten streichende Eingriffe von Korrektor und Lektorin erfordern: Adverbialbestimmungen am Satzanfang.

Frage

Wir sind uns nicht einig, ob hier jeweils das erste Komma stehen muss:

Nicht anders als heute, war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M., kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Antwort

Sehr geehrte Frau S.,

Erläuterungen und Ergänzungen müssen resp. können durch Kommas abgetrennt werden, wenn sie eingeschoben oder nachgestellt sind:

Es war üblich, nicht anders als heute, dass Firmen sich auf Ausstellungen präsentierten.
Firmen präsentierten sich damals auf Ausstellungen, nicht anders als heute.

Im Sommer 1979 kam[,] auf Vermittlung von A.M.[,] Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Im Sommer 1979 kam Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen, dies auf Vermittlung von A.M.

Siehe zum Beispiel hier.

Aber: Wenn solche Satzteile nicht eingeschoben oder nachgestellt sind, sondern am Satzanfang vor der konjugierten Verbform stehen, werden sie nicht durch ein Komma abgetrennt. Also nur ohne Komma:

Nicht anders als heute war es üblich, dass sich Firmen auf Ausstellungen präsentierten.
Auf Vermittlung von A. M. kam im Sommer 1979 Herr K. als Geschäftsführer ins Unternehmen.

Es geht hier meist um Adverbialbestimmungen, die im Satz an erster Stelle stehen. Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden sie im Deutschen nicht durch ein Komma abgetrennt. Weitere Beispiele, bei denen kein Komma stehen darf:

Trotz des außergewöhnlich schönen Herbstwetters ging der Umsatz zurück.
Einschließlich Mehrwertsteuer und Versandkosten liegt der Jahresbezugspreis bei 140 Euro.
Wie jeden Morgen um halb sieben riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.
Vor allem in den ersten Monaten nach dem Kriegsende war die Versorgungslage in der Stadt katastrophal.

Das letzte Beispiel fasst das oben Gesagte schön zusammen:

Anders als zum Beispiel im Englischen oder Französischen werden Adverbialbestimmungen am Satzanfang nicht durch ein Komma abgetrennt.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

—–

PS: Am einfachsten wäre es natürlich, wenn man sagen könnte, dass es nie Satzteile gibt, die vor der gebeugten Verbform durch ein Komma abgetrennt werden. So einfach ist es leider wieder einmal nicht. Bekannte Ausnahmen sind Nebensätze, die mit einem Komma abgetrennt werden müssen:

Nicht anders als es heute üblich ist, präsentierten Firmen sich auch damals auf Ausstellungen
Wir er es jeden Morgen um halb sieben tat, riss der Wecker sie auch an diesem Tag aus dem Tiefschlaf.

Eine weitere Ausnahme sind die Partizipgruppen, die durch ein Komma abgetrennt werden können:

Durch A.M. vermittelt[,] kam Herr K. im Sommer 1979 als Geschäftsführer ins Unternehmen.
Das außergewöhnlich schöne Herbstwetter genießend[,] waren viele mit dem Fahrrad unterwegs.

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Wie man jemanden orthographisch korrekt kennen(-) und schätzen lernt

Frage

Habe im Duden nachgeschaut. Die Empfehlung: „kennengelernt“ zusammen,
jedoch „schätzen gelernt“ getrennt. Also:

Ich habe ihn kennen- und schätzen gelernt.

So? Habe ich das richtig verstanden?

Antwort

Guten Tag W.,

Sie haben es richtig verstanden. Man schreibt schätzen lernen immer getrennt und kann kennen lernen oder kennenlernen schreiben. Wenn man die beiden Verben zusammen verwendet, gibt es also zwei mögliche Schreibweisen:

1a) Ich habe ihn kennengelernt und schätzen gelernt.
1b) Ich habe ihn kennen gelernt und schätzen gelernt.

Lässt man nun in dieser Aufzählung das erste gelernt weg, ergeben sich entsprechend die folgenden beiden Schreibweisen:

2a) Ich habe ihn kennen- und schätzen gelernt.
2b) Ich habe ihn kennen und schätzen gelernt.

Sofern Sie sich an die – übrigens unverbindliche – Duden-Empfehlung (kennenlernen) halten, wählen Sie 2a). Wenn der zweite Teil eines Wortes weggelassen wird, gibt man dies mit einem Ergänzungsstrich an. Gegen die Schreibung ohne Ergänzungsstrich ist hier allerdings auch nichts einzuwenden. Sie entspricht ebenfalls den „Anforderungen“ der amtlichen Rechtschreibregelung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Ein Apostroph am Satzanfang; wie geht’s weiter?

Am Satzfang schreibt man groß. Das ist eine  Rechtschreibregel, die recht einfach zu handhaben ist. Aber selbst diese Regel hat so ihre kleinen Tücken:

Frage

Wie verfahre ich hinsichtlich der Groß- oder Kleinschreibung, wenn ich einen Satz mit einem Zitat mit verkürztem Wort beginne? Zum Beispiel:

„’ne üble Sache ist das.“ oder
„’Ne üble Sache ist das.“

Antwort

Sehr geehrter Herr B.,

die Antwort ist ganz einfach (auch wenn ich  zugeben muss, dass ich nachsehen musste, um sicher zu sein): Nach einem Apostroph am Satzanfang wird kleingeschrieben. Schöne Beispiele sind Anfänge von Volksliedern und Gedichten:

’s ist alles dunkel, ’s ist alles trübe,
Ja weil mein Schatz ein’n anderen liebet.
[Volkslied]

’s gibt eine Sage, dass wenn plötzlich matt
Unheimlich Schaudern einen übergleite,
Dass dann ob seiner künft’gen Grabesstatt
Der Todesengel schreite.
[Annette von Droste-Hülshoff]

’s ist eitel nichts, wohin mein Aug ich hefte!
[Nikolaus Lenau]

Und was für hehres Dichtgut gilt, gilt auch für die Wiedergabe von umgangssprachlicher Rede:

„’ne üble Sache ist das“, seufzte er.
’s ist jammerschade um ihn. ’s Herz bricht mir fast.

Siehe Paragraph 54.6 der amtlichen Rechtschreibregelung. Dort steht weiter, dass auch die Auslassungspunkte und Zahlen als Satzanfang gelten:

 … denn sie wissen nicht, was sie tun [Filmtitel]
36 lange Stunden mussten sie auf den nächsten Flug warten.

Nicht jeder Satz beginnt also mit einem Großbuchstaben. Nicht einmal so viel Gewissheit gibt es!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

PS: Den Umgang mit Marken- und Produktnamen mit kleinem Anfangsbuchstaben behandelt dieser Blogeintrag.

 

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Was soll denn das! Wo ist das Fragezeichen geblieben?

Während man die korrekte Verwendung des Kommas im Deutschen zweifellos zu den mittleren Katastrophen rechnen kann, gibt es zum Glück auch einfachere Satzzeichen: das Fragezeichen und das Ausrufezeichen. Ein Fragezeichen schließt eine Frage ab und ein Ausrufezeichen steht nach Ausrufen und Befehlen. Viel komplizierter ist es wirklich nicht. Unsere Rechtschreibung wäre aber nicht unsere Rechtschreibung, wenn es nicht doch ein paar Zweifelsfälle gäbe. Einen davon nennt Frau D. ganz zu Recht in der folgenden Frage :

Frage

Welches Satzzeichen setzt man nach folgendem Satz?

Bist du denn von allen guten Geistern verlassen?/!

Das Fragezeichen oder das Ausrufezeichen?

Antwort

Sehr geehrte Frau D.,

bei Ausrufen, die wie eine Frage formuliert sind, aber nicht als Frage gemeint sind, steht ein Ausrufezeichen:

Was soll denn das!
Kannst du nicht endlich damit aufhören!
Wie lange soll das denn noch dauern!
Bist du von allen guten Geistern verlassen!

Hier wird keine Antwort auf die Frage im wörtlichen Sinne erwartet. Solche „Fragen“ dienen z. B. dazu, seinem Unmut Luft zu machen.

Es ist auch möglich, Fragezeichen und Ausrufezeichen zu verbinden. Wenn auf eine Frage eine Antwort erwartet wird, sie aber wie oben auch ein Ausruf ist, kann dem Fragezeichen noch ein Ausrufezeichen folgen:

Gehst du schon wieder weg?!
Warum ausgerechnet ich?!
Wer hat die denn eingeladen?!

Weiter kann man mit der Wahl zwischen dem Fragezeichen und dem Ausrufezeichen in gewissen Fällen angeben, ob etwas als höfliche Frage oder eher als strenge Aufforderung gemeint ist. Das Fragezeichen entspricht dabei einem freundlichen Ton, das Ausrufezeichen einem eher bestimmten Ton in der gesprochenen Sprache:

Könntest du bitte still sein?
Könntest du bitte still sein!

Würden Sie bitte zur Seite treten?
Würden Sie bitte zur Seite treten!

Die auf den ersten Blick widersprüchlichen Kombinationen von Satzart und Satzzeichen sind dadurch begründbar, dass wir Fragen, Ausrufe und Aufforderungen nicht immer in Frage-, Ausrufe- und Aufforderungssätze gießen (vgl. hier). Ob ein Fragesatz als Frage, als Aufforderung oder als Ausruf gemeint ist, merken gute Zuhörer und Zuhörerinnen am Ton. In der Schrift können die Satzzeichen den Lesern und Leserinnen helfen, die richtige Nuance zu erfassen.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Der Abkürzungspunkt bleibt stehen

Wenn es um die Satzzeichen geht, ist das Komma zweifellos das größte Sorgenkind. Manchmal gibt aber auch der Punkt zu Fragen Anlass.

Frage

Folgt bei der Abkürzung eines Namens, wenn dieser lediglich mit einem Buchstaben geschrieben wird, also zum Beispiel „Herr K.“ oder “Frau F.“, ein Beistrich oder wird der Punkt weggelassen, wenn ein Beistrich folgt? Beispiel: 
“Manuel wartet inzwischen immer noch auf Post aus H., weil er denkt, dass Linda ihm doch noch antworten wird.“ Mein automatisches Wordkorrekturprogramm weist mir das als Fehler aus.

Antwort

Sehr geehrter Herr S.,

der Abkürzungspunkt bleibt immer stehen. Die anderen Satzzeichen setzt man gleich, wie wenn ein nicht abgekürztes Wort steht. Sie werden auch nach einem Abkürzungspunkt geschrieben. Beispiele:

Manuel wartet auf Post aus H., weil er denkt, dass Linda …
Liebe Frau F., ich möchte Ihnen eine Frage stellen.
Rentnerin gewinnt 14 Mio.!
Kennst du Herrn K.?
Das Folgende sah ich in H.: das Kunstmuseum, das Rathaus und die Kathedrale.
Ich sorge für alles (Essen, Trinken, Geschirr usw.).
Die Salontür wurde aufgerissen auf und herein stürzte Lady L. …

Ausnahme: Unmittelbar nach einem Abkürzungspunkt wird kein Schlusspunkt gesetzt (vgl. hier):

Manuel wohnt in H. Er wurde auch dort geboren.
Die erste Frage stellte Frau F. Die Antwort gab Frau K.
Ich sorge für Essen, Trinken, Geschirr usw. Du kümmerst dich um die Musik.

Das automatische Korrekturprogramm hat also nicht immer recht, auch nicht das der Firma M.!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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Siehe und sieh!

Frage

In unserem Arbeitsalltag als technische Übersetzer stolpern wir oft über Querverweise auf Abbildungen, Tabellen usw. mit dem kleinen Wörtchen „siehe“. Wird dieses groß- oder kleingeschrieben oder gibt es keine wirkliche Konvention. Zum Beispiel: „Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe/Siehe Abbildung 3 auf Seite 7).“ Und wie verhält es sich mit den Punkten?

Antwort

Sehr geehrter Herr P.,

eine allgemeingültige Regelung gibt es meines Wissens nicht, aber die folgenden Schreibweisen kommen häufig vor und sind recht praktisch:

Der Verweis wird oft in Klammern gesetzt. Man schreibt siehe dann klein und verwendet direkt nach dem Verweis keinen Punkt:

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7). Sie wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7) und wird mit Schalter C bedient.
Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels (siehe Abbildung 3, Seite 7), wo auch der Schalter C zu finden ist.

Man kann dem Verweis auch etwas mehr Gewicht geben, indem man ihn nicht in Klammern setzt, sondern nach einem Punkt separat aufführt. Auch dann verwendet man üblicherweise kein Ausrufezeichen, obwohl es sich bei siehe um eine Art Befehlsform des Verbs sehen handelt.

Die Warnleuchte befindet sich auf der Rückseite des Deckels. Siehe Abbildung 3 auf Seite 7.

Weiter gibt es noch die folgende Art des Verweises. Man beachte, dass hier zwischen dem eigentlichen Verweis und demjenigen, wozu der Verweis angegeben wird, kein Komma steht (nein, auch nicht vor siehe im ersten Beispiel!):

Für die Montage der Warnleuchte siehe Anleitung B auf Seite 7.
Siehe Anleitung B auf Seite 7 für die Montage der Warnleuchte.

Dies sind nicht die einzig möglichen Schreibweisen, aber mit diesen einfachen „Regeln“ bin ich bis jetzt immer gut gefahren.

Wenn wir schon dabei sind, hier noch ein paar Worte zur Form: siehe mit e steht nur in Verweisen und Ausrufen:

Siehe Seite 7.
Siehe da, es funktioniert!
Und siehe, ein Engel des Herrn erschien.

Die „gewöhnliche“ Befehlsform von sehen ist sieh ohne e:

Sieh mich bitte an!
Sieh dir den Text noch einmal an!
Sieh her und sei ruhig!

Noch eine allerletzte Bemerkung und dann werde ich wirklich ruhig sein: Auch wenn die Befehlsform sieh! kein e am Schluss hat, kommt sie ganz ohne Apostroph aus!

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Bopp

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